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Blogparade: Bin ich als Vater heute anders als zuvor?

Die liebe Frida von 2Kindchaos ruft zum Schreiben und zwar mit dem Thema „So habe ich mich als Mama / Papa verändert“. So spannend das Thema eigentlich auch ist, so langweilig ist es auch, denn: Ich habe mich nicht verändert. Aber stimmt das wirklich? Man kann sich nicht selbst therapieren, wie soll man also verlässlich einschätzen, ob man sich verändert hat? Menschen verändern sich nicht, sie verhalten sich manchmal nur anders. Oder?

Seien wir mal für einen kurzen Moment ehrlich: Introspektion als Weg zur Erkenntnis funktioniert doch nur sehr eingeschränkt. „Let me tell you something you already know..“. Vielleicht hilft hier ein etwas pragmatischerer Ansatz. Also tue ich etwas, was ich schon lange nicht mehr getan habe: Ich schaue in den großen Spiegel im Schlafzimmer. Ehrlich gesagt, stehen da gleich zwei von diesen Ungeheuern. Feng Shui würde sich im Grabe umdrehen, müsste er das noch miterleben. Scheint die Sonne ungünstig in das Schlafzimmer, kann man sich selbst also gleich zweimal im Vollformat bewundern. Man nähere sich dem Spiegel also strikt nach Sonnenuntergang und füttere ihn aber bitte um Himmels Willen niemals nie nach Mitternacht. Das könnte fatale Folgen für die Kilos haben.

A propos Kilos! Was hat sich in den letzten zwei Jahren denn nun wirklich verändert? Oder mal anders gefragt: Kennen Sie eigentlich die neueren Filme von Sylvester Stallone? Ein Typ von ungefähr gleicher Faltendichte und Wunderlichkeit starrt in den Spiegel – ich starre zurück. Vor der Geburt meiner Tochter habe 15 Kilogramm verloren. Und jetzt? Jetzt sind es fünf bis sieben Kilogramm, die konservativen Schätzungen ukrainischer Mathematikern zufolge wieder drauf sind. Je nach Mond- und Gemütslage. Fragen Sie mal meine Hosen, die können ihnen da ganze Trauermärsche vorsingen. Ansonsten ist es wohl Routine und Entspannung, die sich am auffälligsten in mein Leben geschlichen haben könnten.

Beweisstück A: Routine

Moment mal! Routine und Entspannung? Wer ist dieser Typ und wieso schreibt der an meinem Text? In der Real-Life-Doku „Die Körperfresser kommen“, übrigens mit yours truly Leonard „Spock“ Nimoy, werden Menschen im Schlaf von Außerirdischen dupliziert und an deren Stelle gesetzt. Klingt doch eigentlich ganz plausibel, oder? Anders kann ich mir jedenfalls auch nicht erklären, wie jemand wie ich, der in seinem Leben ungefähr 25mal umgezogen ist, plötzlich Gefallen an Routine finden soll?

Und doch ist die Erkenntnis nach zwei sehr kurzen Jahren des Vaterseins, das ein Leben in Routinen möglich – und leider völlig sinnvoll sein kann. In gesetzten Maßen natürlich. Viermal pro Woche mit dem Kind in die Kita zu spazieren und sie von dort wieder abzuholen, das ist ziemlich genau mein Maximalwert an Wiederholung pro Woche. Mal so als ganz praktisches Beispiel. Doch es funktioniert erstaunlich gut. Und es macht sogar auch ein wenig Spaß.

Stellen Sie sich an diesem Punkt bitte einen körperlosen Kopf vor, der vom Computer direkt unter Dusche schwebt und dort immer und immer wieder die Worte: „Immer noch dreckig, immer noch dreckig“ vor sich hin murmelt. Vor noch nicht allzu langer Zeit wäre der Gedanke, jede Woche das gleiche zur gleichen Zeit zu tun, jedenfalls Grund genug gewesen, meinen Job zu kündigen und nie wieder zurückzublicken und.. oh.

Na gut, an dieser Stelle übertreibe ich wahrscheinlich nicht maßlos genug. Zu wissen, was um wieviel Uhr ungefähr passieren wird, gibt dem Tag Struktur und mir mittlerweile mehr Ruhe als mir eigentlich lieb sein sollte. Ist das dieses Alter, von dem alle sprechen?

Beweisstück B: Entspannung

Um eins hier gleich mal klarzustellen: Ich bin nicht entspannt! Bin ich nie gewesen und werde ich auch niemals sein! Meine Lernkurve in Sachen Entspannung ist so flach, RTL2 hat schon angerufen und würde gern eine Show draus machen. Habe aber nach dem letzten #Erziehungsexperiment bisher dankend abgelehnt. Auch meine Frustrationstoleranz ist so gering, ukrainische Wissenschaftler haben bereits eine Belohnung für deren mathematischen Beweis ausgelobt. Läuft aber eher schleppend bisher.

Nein, Entspannung ist kein ganzheitliches Konzept. Und wenn jemand erzählt, die Geburt seines Kindes hätte ihn ruhiger und gelassener gemacht, dann laufe ich und zwar davon. So lange, bis meine Hände anfangen zu zittern – und dann nochmal zwei Kilometer. Wie so ein echter Jason Bourne.

Lassen Sie mich zum ungekrönten Abschluss nochmal aus einem, der wichtigsten philosophischen Werke unserer Zeit zitieren:

Ich hab‘ mich nicht verändert
Was Du sagst ist nicht wahr.
Auch wenn ich hin und wieder
Jetzt mal Fahrrad fahr‘.

Ich hab‘ mich nicht verändert
Was Du sagst ist nicht wahr.
Auch wenn ich hin und wieder
Jetzt mal Fahrrad fahr‘.

Ich werd‘ mich nie verändern.
Ich werd‘ immer derselbe sein.
Ich werd‘ mich nie verändern.
Und vielleicht werd‘ ich’s mal bereuen,
doch jetzt noch nicht!

Mein Haß auf all die Deppen
ist nach wie vor sehr groß.
Auf den Gipfeln der Verzweiflung
ist immer noch was los.

Ich werd‘ mich nie verändern!

Haben Sie gemerkt, ne! Das stammt aus einer Zeit, als die Hamburger Band Tocotronic bereits unsäglich populär war. Noch bevor das Feuilleton sie überhaupt für sich entdeckt hatte – und die Band plötzlich dazu überging, an das zu glauben, was man dort über sie schrieb. Noch bevor sie als uneheliches Blumfeld-Kind durch’s Land tingelte.

Musik. Noch so ein Papa-Thema, aber ich schweife ab. Am liebsten wäre es mir ja, wenn ich sagen könnte: Gar nichts hat sich verändert. Das könnte ich mir nach langem Überlegen wahrscheinlich sogar wirklich einreden. Ehrlich wäre es indessen wohl nicht. Ein, zwei Dinge haben sich wirklich verschoben. Das bedeutet indes nicht zwangsläufig, daß ich mich verändert habe. Das heißt nur, daß ich manches heute wahrnehme anstatt es zu ignorieren. Dass ich manches anders wahrnehme – als noch vor einigen Jahre. Wortklauberei? Vielleicht!


Link zur Blogparade: „So habe ich mich als Mama / Papa verändert“!


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. Hey Johnny, sehr cool dass du mitmachst, hat mich sehr gefreut :) Liebe Grüße, Frida

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