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Rezension: Thomas Bindernagel „40 Wochen oder so“

Thomas Bindernagel - 40 Wochen oder so

Aus Vatersicht beschreibt der Berliner Thomas Bindernagel die Geschichte eines Paares, das entgegen hoher medizinischen Wahrscheinlichkeiten dann doch noch in den Club der Elternschaft aufgenommen wird. Erstaunlich gelassen tut er das, immerhin ist’s ja seine eigene Geschichte, die er da erzählt. Seine und die seiner Frau natürlich. Die ungewissen Wochen der Schwangerschaft, mit allen Höhen und Tiefen hat der Autor und Werbetexter in seinem selbstverlegten Episodenroman „40 Wochen oder so“ zu Papier gebracht. Obwohl noch nicht im Handel, habe ich mal hineingeschaut.

Ein entspannter Berliner Vater, der bereits eine Tochter aus früherer Beziehung hat und vielleicht nur teilweise neu auf dem Gebiet der Vaterwerkstatt ist. Schon auf den ersten Buchzentimetern ist mein eindringlichster Gedanke allerdings erst einmal ein anderer: Vielleicht ist auf dem langen Pfad der Elternwerdung die Medizin nicht unbedingt immer Dein Freund. Vielleicht ist es manchmal besser, die Ohren mit Sand zu füllen, als auf Ärzte und deren Prognosen zu hören. Sand ist im übrigen auch die viel bessere Methode, um sich auf das Elternleben vorzubereiten. Das aber nur mal ganz am Rande. Vielleicht reite ich aber auch ein hohes Roß, da uns etwaige Komplikationen während der Schwangerschaft zum Glück erspart geblieben sind. Man bekommt bei der Lektüre von „40 Wochen oder“ jedenfalls ein Gefühl dafür, wie es als Paar besonders zu Anfang sein muss, wenn nicht alles so glatt läuft, wie man es sich erhofft.

Das Buch von Thomas Bindernagel liest sich trotz allem insgesamt flott und wirkt mit zirka 160 Seiten erfrischend kompakt gefasst. Geradlinig bzw. schnörkellos sind wohl die Worte, die hier am besten passen. An manchen Stellen ist’s für meinen Geschmack vielleicht sogar ein wenig zu entspannt. Zumal dann, wenn man bedenkt, dass die Zeit vor und besonders während der Schwangerschaft zeitweise eher schwierig gewesen sein muss. Vielleicht ist das aber auch einfach nur das Authentische an diesem Buch.

Dennoch sind mir als alte Lesemaus manche Abschnitte etwas zu dünn geraten. Soll heißen: Ich hätte einfach gerne mehr erfahren, doch dann war die Wochenepisode plötzlich schon wieder vorbei. Auch den Vergleich der Empfängnis mit der Landung der Alliierten Truppen in der Normandie 1944 habe ich als Vater mit Historikerhintergrund nicht verstanden. Was will mir der Historikerkollege damit sagen? Eine Gebärmutter ist kein Bunker, der geknackt werden muss. Oder etwa doch?

Darüber hinaus kann man sich in vielem, was Thomas Bindernagel schreibt, auch als bereits-Vater durchaus wiederfinden. Immerhin sind ja viele Situationen, die man in der Schwangerschaft durchläuft miteinander vergleichbar. Sein Buch ist definitiv kein Ratgeber. Auch den moralischen Zeigefinger sucht man zwischen den Buchdeckeln vergebens. Manche Vergleiche finde ich persönlich zu grob angefasst, aber am Ende des Tages bleibt das wohl Geschmackssache. Väter jedenfalls, die weder lustig-coole Geschichten brauchen oder einen Idiot-Dad-Ratgeber, sondern statt dessen einen entspannt bis unaufgeregten Schwangerschaftsbericht aus Papasicht, könnten hier ganz richtig liegen.

Thomas Bindernagel: direkt geschrieben, exklusiv bei Amazon erhältlich

Kurz gefasst: Ehrlich, direkt und nicht immer ganz so korrekt. Als sommerliche Lektüre für Väter in spe, die einfach nur mal sehen wollen, wie andere Männer sich so auf dem Weg in die Vaterschaft gefühlt haben. Über Emotionen verfügt das Buch nämlich reichlich.

Das Buch ist am 18. Mai 2016 frisch im Selbstverlag erschienen und kann exklusiv bei Amazon in Papier- und Stromform erstanden werden.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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