Vatersein
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Weihnachten und die Sache mit den Familientraditionen

Hallo, mein Name ist Johnny und ich bin Weihnachtsanalphabet. Wann kauft man den Weihnachtsbaum und wann wird er geschmückt? Schmückt man ihn gemeinsam oder wird es eine Überraschung für die Kinder? Wo hängt der Mistelzweig und was genau haben eigentlich Nordmanntanne und Mistelzweig überhaupt mit Weihnachten zu tun? Über die Suche nach eigenen Weihnachtstraditionen, dem jüdischem Lichterfest sowie den bohrenden Fragen, denen man sich manchmal lieber nicht stellen mag.

Heiligabend und der erste Tag von Chanukka fallen in diesem Jahr auf ein und den selben Tag. Während ich mit jüdischen Lichterfest, dessen Bräuchen, Traditionen und Abläufen noch recht vertraut bin, irre ich und wirre ich durch die weihnachtlichen Brauchtümer: Muss ich meine Fenster zu den christlichen Feiertagen wirklich mit blinkendem blauem LED-Weihnachtslicht dekorieren? Oder reicht auch die lebensgroße Chucky-Weihnachtsmannpuppe – baumelnd vom Balkon? Den religiösen Grundstoff von Weihnachten außer acht lassend, wird dieser Feiertag in Sachen Dekoration von Jahr zu Jahr verwirrender. Und absurder.

Weihnachtsbaum vs. Yuccapalme

Nur der Weihnachtsbaum, der scheint konstant zu sein. Und während unsere Nachbarn von gegenüber ihre Tanne samt Licht-, Stell- und Kostümprobe bereits gestern schon aufgebaut und geschmückt haben, scheint die Mehrheit der mir bekannten Personen diesbezüglich lieber bis zum 24.12. warten zu wollen. Ist das vielleicht der Grund für das Klischee des gestressten Familienvaters, der kurz vor Weihnachten mit der Kettensäge durch den Supermarkt rennt? Wo sollte man kurz vor Heiligabend auf legalem Wege auch noch eine Tanne ergattern? Und warum überhaupt muss es ein Nadelbaum sein? Und warum gibt es so wenige Horrorfilme mit Weihnachtsbezug – von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ einmal abgesehen,.. oh!

Aus meiner Zeit in Jerusalem weiß ich jedenfalls, wie schön, aber auch wie vollkommen absurd ein geschmückter Weihnachtsbaum eigentlich ist. Genauso gut könnte ich die Yucca-Palme in unserem Wohnzimmer weihnachtlich dekorieren und auf den Esstisch platzieren. Das sähe nicht einmal annähernd so absurd aus. Übrigens: Hat mittlerweile schon jemand die Spinne in der Yucca-Palme gefunden und falls ja, bekommt die eigentlich auch eine rote Nase aufgesteckt? Was sagt das Protokoll?

Eine Weihnachtspalme fände ich persönlich ja viel interessanter. Das wäre auch historisch irgendwie korrekter als die germanische Heidentanne – oder der Baumparasit namens Mistelzweig. Aber so ist das wohl mit der Tradition. Nicht alles ergibt Sinn, nicht alles ist wortwörtlich zu nehmen. Damit kämpfe ich manchmal noch, so als Weihnachtsnoob.

Eigene Weihnachtstraditionen „erfinden“

Meine einzige Weihnachtstradition bestand ja bisher darin, an Heiligabend etwas Asiatisches zu bestellen und stundenlang Filme zu schauen. Am ersten Feiertag oder manchmal auch erst am zweiten gab es dann Kartoffelsalat mit Würstchen. Alles natürlich schon professionell vorbereitet (lies: abgepackt eingekauft und einfach kalt verspeist). Mehr Weihnachten wurd’s allerdings nie. Die Idee, an Heiligabend auch mit Kind Essen zu bestellen, die werde ich wohl langsam aber sicher verabschieden müssen. Ist ja auch nicht so richtig festlich, oder? Und was sollen die anderen Kindern nur denken? Bleibt also der Kartoffelsalat – den gebe ich allerdings nur sehr ungern wieder her, muss ich gestehen.

Aber warum ist das alles überhaupt so wichtig? Nun ja. Ich traue es mich ja kaum laut auszusprechen, aber in diesem Jahr spüre ich eine ganz eindeutige Weihnachtsfreude, die ich an mir so noch gar nicht kannte. Und das gar nicht so sehr auf einer Meta-Ebene, denn dort sind Weihnachten und ich noch immer heillos zerstritten. Nein, auf einer rein platonisch-dekorativen Basis. Die Deko, das Essen, die Süßigkeiten. Früher all das noch als „Boah, echt jetzt? Spießer!“ abgelehnt, finde ich jetzt als Papa doch tatsächlich mehr und mehr Gefallen daran. Das zeichnete sich allerdings letztes Jahr schon ab: Weihnachtsmann spielen: mein neuer Top-Job!

Heiligabend und der erste Chanukka-Abend fallen in diesem unrühmlichen Jahr also auf das gleiche Datum. Morgens das letzte Türchen im Adventskalender öffnen, als Duo gemeinsam den Tag rumbringen, um dann abends erst eine Chanukka-Kerze anzuzünden – und dann Bescherung unterm Nadelbaum zu machen. Irgendwie dann doch ganz traditionell – trotz aller Fragen und Widersprüche. Nun ja. Ich bin mir sicher, ich hatte schon schlimmere Tage.

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