Los geht's!
READING

12von12: 12 Kinderbücher für die Sommerferien R...

12von12: 12 Kinderbücher für die Sommerferien – Zum Vorlesen und Selbstlesen

12von12 - 12 Kinderbücher für den Sommer zum Vorlesen und Selbstlesen

Hallo 12von12! Wie Du ja weißt, in zwei bis drei Wochen gibt es bei vielen Verlagen wieder eine Menge Neuerscheinungen und man kommt kaum noch hinterher. Viel wichtiger aber natürlich ist das, was hinter uns liegt. Hier finden sich nämlich ganz vorzügliche Bilderbücher, die sich nicht nur für die vielerorts bereits begonnenen Sommerferien eignen. Es geht um Mut und ein wenig Magie und natürlich auch um die Schule, eh klar. Ich habe da Dir also mal 12 Kinderbücher und mehr zusammengetragen.

-Werbung, weil Produktnennung, ist aber alles echt und unbezahlt-

1) Bilderbuch: „Nelli Spürnase und die verschwundenen Bücher“ von Julia Donaldson – Orell Füssli

Nelli ist eine besonders feinsinnige Spürnase, das ist ja stadtbekannt. Sie hält die Nase in den Wind und weiß, wo es langgeht. Natürlich ist das Aufklären von mysteriösen Begegenheiten nicht alleiniger Lebensinhalt der Vierbeinerin, denn: jeden Montag begleitet sie ihren Menschenfreund Peter zur Schule. Dort hört sie dann den Kindern beim Vorlesen zu. Sie liebt Geschichten wie die, die sie zum Lachen bringen. Mindestens genauso aber liebt sie diesen ganz bestimmten Geruch, den nur Bücher zu verströmen mögen. Und so kommt es, dass eine Morgens die Auslagen und Regale der Schulbücherei anstatt Bücher nur Leere zu bieten haben. Was ist hier passiert und wo sind all die verschwundenen Bücher nur hin? Ein klarer Fall für Nelli Spürnase.

Wird die schlaue Hündin aber auch die Bücher wiederfinden? Werden die Kinder, die sie begleiten ihr eine Hilfe sein? Das Ende möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Auch nicht, was sie am alten Bretterzaun finden werden. Nur so viel sei gesagt: bei dem Dieb handelt es sich keineswegs um einen bösen Menschen, ganz im Gegenteil, denn im Grunde ist Pit mindestens genauso in den Geruch von Büchern verliebt, wie unsere Spürnase. Oh und auch ist er so schusselig wie Peter und jetzt habe ich aber wirklich genug verraten!

Auf 15 Doppelseiten gibt es allerhand zu sehen. Oftmals spielen sich gleich eine Vielzahl von Szenen pro Doppelseite ab, um dann durch eine großformatige Illustration aufgelöst zu werden. Allein schon aufgrund der Vielzahl von Szenen und auch der Länge der Geschichte geschuldet, richtet sich das Buch an erfahrene Vierjährige und ältere Kinder. Die Tatsache, dass die Sätze teils gereimt sind, macht es für mich zu einem unterhaltsamen Vorleseerlebnis und hilft meiner Tochter, dem Spannungsbogen folgen zu können. Oder anders gesagt: Julia Donaldson und ihre Übersetzerin Seraina Maria Sievi wissen einfach, wie meine gute Geschichte kindgerecht auf den Punkt erzählt. Und auch, wenn die Autorin dieses Mal nicht wie sonst gemeinsam mit Axel Scheffler auftritt (siehe z.B. „Der Grüffelo“, „Die Schnecke und der Buckelwal“ und natürlich „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“), so versprühen die Illustrationen von Sara Ogilvie mindestens genauso viel Farbfreude, Charakter und Wärme.

Und die Moral von der Geschicht: manchmal ist der Böse gar nicht Böse, sondern ist bloß ein wenig verschusselt.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Nelli Spürnase und die verschwundenen Bücher‘ von Julia Donaldson – Orell Füssli

2) Bilderbuch: „Der gute Riese“ von David Litchfield – Loewe Verlag

Gerade treffen wir die BewohnerInnen Ziegelhausens, wie sie die Stadtmauer ein wenig bunter machen. Das Problem aber ist, dass keiner groß genug ist, um bis ganz nach oben zu malen. Also fragt Billy, unser Protagonist seinen Großvater. Der hat denn auch sofort die Lösung parat – oder besser eine Person. Der geheime Riese, von dem Opa schon so oft erzählt hat. Doch Billy glaubt dem alten Mann kein Wort. Dabei sei der Riese angeblich immer bei ihnen gewesen. Beim Camping habe er über ihrem Zelt gewacht. Und selbst, als sie mit ihrem Boot in einen Sturm gerieten, da habe er sie rettend an Land gezogen. Hat Billy einfach nur nich genau hingeschaut?

Leider ist der Riese schüchtern. Weil er weiß, dass die Menschen sich vor ihm fürchten. Weil Menschen sich vor allem fürchten, was anders ist. Doch dann trifft Billy ihn doch. Aber anstatt auf ihn zuzugehen, flüchtet Billy vor ihm. Reumütig schmiedet Billy einen Plan, um dem Riesen noch einmal zu begegnen. Wird dies aber wirklich gelingen? Und welche Rolle spielt sein Hund Fritz eigentlich dabei. Und wird die Stadtmauer jemals auch oben bunt angemalt sein?

Die Länge von 16 Doppelseiten verrät es schon. Die Geschichte hat einen durchaus längeren Spannungsbogen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass Vorlesetochter und Vorlesepapa etwas länger in der Geschichte verweilen dürfen. Die Beschreibung im Klappentext, die des öfteren mit dem Wort „magisch“ hantiert, hat nämlich völlig recht.

Die Geschichte führt Kinder auf einfühlsame Art durch die Seiten. Und doch geht es recht pointiert natürlich um die Erkenntnis, wie wichtig ein guter Freund sein kann. Ein Freund, auf den man sich verlassen kann, der einen beschützt und wieder aufbaut, wenn man am Boden liegt. Ein Riese ist nämlich auch nur ein Mensch. Ein Freund.

Spannend und einfühlsam, magisch und fantasievoll. Das sind die vier Worte, mit denen ich „Der gute Riese“ von David Litchfield zusammenfassen mag.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Der gute Riese‘ von David Litchfield – Loewe Verlag

3) Bilderbuch: „Wilbert, wo bist Du?“ von Bárður Oskarsson – Kullerkupp Verlag

Die kleine Ratte und ihre Freund Wilbert spielen verstecken. Letzterer versteckt sich aber so gut, dass der graue Protagonist sich auf eine ausgedehnte Suche begeben muss, um Wilbert zu finden. Auf seiner Suche trifft die Ratte auf das freundliche, leicht ungewöhnliche Krokodil. Dieses bietet sofort seine Hilfe an und gemeinsam geht es also weiter. Und siehe, bald schon ist Wilbert gefunden. Allein, das Krokodil kann ihn noch immer nicht sehen. Wie aber kann das sein, Wilbert ist doch ganz deutlich hinter dem Baum zu erkennen?

Auf insgesamt 17 Doppelseiten entfaltet sich geradezu minimalistisch gestaltet eine breite Geschichte vom Suchen und Finden der Freundschaft. Die Illustrationen beschränken sich hierbei auf das Nötigste, ohne jedoch an Ausdruck zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Wer einmal das Krokodil gesehen hat, wird es immer und überall wiederkennen. Und was für die Illustration gilt, das gilt auch für den Text der Geschichte. Auch deswegen eignet sich die Geschichte gut zum Vorlesen vor jüngeren Kindern ab zwei Jahren.

Eine zurückhaltend und doch fantasievoll gestaltete Geschichte vom Suchen und Finden von Freundschaft.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Wilbert, wo bist Du?‘ von Bárður Oskarsson

4) Selbstlesebuch: „Ein Freund wie kein anderer“ von Oliver Scherz – Thienemann Verlag

Wir begegnen dem Erdhörnchen Habbi, als es gerade vergnügt durch den Wald hüpft und sich allerhand Schätze in die Backentasche steckt. Statt aber Samen, Gräser oder Nüsse, wie man das im ersten Moment erwarten würde, sammelt Habbi unter anderem ein Schneckenhaus sowie eine Feder. Normalerweise sind Erdhörnchen zudem sehr wachsame Tiere, immerhin haben sie viele Fressfeinde. Wie den Wolf zum Beispiel. Doch genau diesem begegnet Habbi auf seinem Streifzug unversehens. Doch anstatt in dessen Maul zu landen, scheint mit dem Wolf etwas nicht zu stimmen.

Schnell stellt sich heraus: der Wolf ist verletzt. Und ganz entgegen aller Erwartung, beginnt das Erdhörnchen damit, sich um den verletzten Feind zu kümmern. Und bald schon entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden. Die geheime Freundschaft zwischen Yaruk und Habbi bleibt den anderen Erdhörnchen natürlich nicht verborgen und so planen sie ihre Flucht vor dem Wolf.

Es handelt sich bei „Ein Freund wie kein anderer“ um die Geschichte einer Freundschaft, die sich gegen jede Wahrscheinlichkeit entwickelt und selbst kritische, ja lebensgefährliche Tiefpunkte zu überstehen weiß. Die Entwicklung zwischen den beiden Hauptcharakteren wird hierbei jedoch keineswegs kurz- oder schöngeredet, sondern man bekommt als LeserIn stattdessen hautnah mit, wie beide mit ihren eigenen Vorurteilen, Ängsten, aber auch wohligen Gefühlen zu ringen haben. Die Emotionalität und Eindringlichkeit, mit der die Geschichte geschrieben ist, vor allem die Dialoge, das hat mich von Anfang an sehr beeindruckt.

Auf einer Länge von 11 Kapiteln eine intensiv und zugleich hinreißend erzählte Freundschaftsgeschichte.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Ein Freund wie kein anderer‘ von Oliver Scherz

5) Bilderbuch: „Das Tigerei“ von Nele Brönner – NordSüd Verlag

Im hiesigen Zoo gibt es nicht nur Streifengnus und Koboldmakis, sondern natürlich auch ein obligatorisches Tigerhaus. Hier wohnt Hermann, der zugegeben recht missmutig Zootiger. Angetan von seinen Nachbarn ist er nur selten. Eines Tages fällt ihm ganz unverhofft ein Vogelei auf den Kopf. Und ganz entgegen jedweder Erwartung, fängt Hermann nicht nur an, ein Nest für das Ei zu bauen, sondern sich auch liebevoll um das kostbare Ding zu kümmern. Eines Tages kommt es, wie es kommen muss: es schlüpft ein kleiner Vogel aus dem Ei. Und so geht der Tiger auf die Jagd, bringt dem Kleinen alles Mögliche zu futtern. Zwischen Vogel und Tiger entsteht ein rührende Papa-Kind-Geschichte.

So bringt Hermann dem Vogel bei, was er weiß. Wie man zum Beispiel wie ein Tiger brüllt. Naja, so ähnlich jedenfalls. Eines Tages aber, als Hermann von der Jagd zurückkehrt, findet er das Vogelnest plötzlich leer. Was ist passiert? Ganz klar, der kleine Vogel hat sich aufgemacht, den Zoo eigenständig zu erkunden, denn immerhin kann er jetzt wie ein Tiger brüllen. Ob das gut ausgeht?

Nele Brönners Nachfolger des preisgekrönten Bilderbuchs „Affenfalle“ entspinnt auf 12 Doppelseiten eine zeitlose Geschichte von Mutigsein und Großwerden. „Das Tigerei“ lebt hierbei vom liebevoll gezeichneten Löwen und dessen Emotionsspiel. Die Farben und Akzente, die sich nicht nur in Hermanns Gesicht, sondern sich auf jeder einzelne Seite wiederfinden, holen Vorlesekind wie auch mich als Vorleselöwe immer wieder wunderbar ab. Während des Vorlesens muss ich indes häufig an einen anderen Klassiker des Kinderbuchregals denken. Das liegt zum einen natürlich an der zeitlosen Geschichte selbst, zum anderen aber auch sehr stark an den Illustrationen. Diese stammen übrigens ebenfalls von der Autorin selbst. Wie dem auch sei und vielleicht passiert diese Assoziation auch nur in meinem Kopf, aber „Das kleine Ich bin Ich“ kommt mir häufiger in den Sinn, sobald ich im Tigerei blättere. Obgleich das „Das kleine Ich bin ich“ natürlich eine Geschichte vom Sich-für-sich-selbst-finden ist. Dennoch.

Farbintensive Geschichte zwischen Tiger und Vogel, die uns vom Mutigsein und vom Wagen erzählt. Und auch davon, dass man selbst als Tigereltern manchmal Angst haben darf. Davon, dass auch kleine Tigervögel mal für sich selbst die Welt erkunden dürfen – und müssen.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Das Tigerei‘ von Nele Brönner – NordSüd Verlag

6) Bilderbuch: „Vom Faultier, das nicht faul sein wollte“ von Helen Lester – Ars Edition

Hm-pffff-schnarch. Es wird geschlummert und gefaulenzt in der Faultierschule im Schlummertal. Klar, denn das für die Tiere typische Nichtstun muss hart von Klein auf erlernt werden. Auf die Plätze, fertig, schnarch. Und auch sonst ist in der Faultierschule nichts wie es in einer Menschenschule ist. Außer vielleicht die fragwürdigen Szenen in der Cafeteria bzw. Faulateria. Eines Tages kommt eine neue Faultier-Schülerin ins Schlummertal. „Fünkchen“ ist frech, schwungvoll und voller Tatendrang. Also genau das Gegenteil von dem, was ihre Mitschüler sind. Damit eckt sie aber gehörig an. Anschluss an die Gruppe findet Fünkchen mit ihrem Wesen also nicht.

Eines Tages steht ein wilder Eber vor der Tür und verkündet unheilvoll, dass die „Vereinigung für Schulen ohne Schnarcher“ die Schule zu schließen gedenkt. Jetzt schlägt Fünkchens große Stunde. Wird sie aber die richtige Idee haben, um die Schule zu retten? Und wird sich der Eber wirklich davon überzeugen lassen?

Auf 15 Doppelseiten stellt Helen Lester mit spielerischer Leichtigkeit all das, was wir aus dem Schulalltag kennen auf dem Kopf. Meiner Tochter gefällt die Idee ja sehr, dass man in der Schule einerseits ganz faul sein darf und irgendwie doch was lernt. Darüber amüsieren wir uns aber gerne mal auch. Die zeitlos gehaltenen Illustrationen strotzen vor Schlafanzügen, sympathischen Schlafgesichtern und natürlich Frau Huber aus der Faulteria nicht zu vergessen. Zum Schluss lernen wir aber tatsächlich noch einmal, wie Faultiere tatsächlich leben. Sie sind nämlich wirklich recht faul. Oder sagen wir besser, sie sind langsam. Das ist nicht immer deckungsgleich. Eltern von anziehfaulen Kleinkindern wissen, was ich meine. Lediglich das Ende lässt mich manchmal nachdenklich werden: Fünkchen ist zu weiten Teilen der Geschichte kreativ, mitreißend und vor allem anders als ihre Mitschüler. Am Ende aber macht sie das, was alle Faultieren eben auch so machen. Nichts. Fünkchen hat ihren Platz in der Gruppe gefunden. Warum sich aber „die Andere“ mit all ihren guten Attributen der Gruppe anpasst, anstatt dass die Gruppe etwas von ihr übernimmt?

Ein Bilderbuch über das Faulsein bei Faultieren, welches unsere Vorstellungen von Schule noch einmal gehörig auf den Kopf stellen. Sympathische Protagonistin inklusive.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Vom Faultier, das nicht faul sein wollte‘ von Helen Lester

7) Vorlesegeschichten: „Tierisch was los bei Paul und Papa“ von Susanne Weber – MixtVision

Paul erlebt gemeinsam mit seinem Papa allerhand alltägliche Abenteuer, wobei es an seinem Vater ist ihm zu erläutern, worin die Abenteuer eigentlich genau bestehen. Meist beginnt es mit ganz alltäglichen Situationen, die man als Elternteil alle schon einmal mit Kind erlebt hat. Im dritten Band der Vorlesereihe geht es hauptsächlich um Tierisches. Dabei ist man manchmal überrascht, wie oft man eigentlich im kindlichen Alltag auf tierische Nachbarn trifft. Seien es die Ameisen auf der Picknickdecke. Oder der Löwe auf der selbigen. Oder aber auch die Milben, die sich zwischen unseren Bettdecken und Kissen verstecken.

Dort sind alltägliche Situationen wiedergegeben, die jeder schon so oder ähnlich erlebt hat. Zum Beispiel dann, wenn das Kind sich ein Haustier wünscht. In unserem Fall, also ganz real bei der Kleenen und mir war es heute morgen übrigens eine Katze UND ein Hund. Bei Paul und Papa geht es hingegen etwas weniger in die Vollen. Wie wäre es also stattdessen mit einer Schnecke im alten Aquarium?

Insgesamt handelt es sich um 20 Kurzgeschichten, die man ganz wunderbar durcheinander lesen kann. Eine Geschichte erstreckt sich auf zwei bis vier Seiten und wird eigentlich immer um eine schöne Illustration von Susanne Göhlich ergänzt. Meine Lieblingsgeschichte ist und bleibt ohnehin „Löwengebrüll“ – hier boten sich uns, also auch mir soviele Anknüpfungspunkte und schöne Momente, dass wir sie jetzt schon einige Male einfach so einzeln gelesen haben. Die Geschichten sind allesamt charmant und authentisch geschrieben – so, wie man das aus Vorgängerbänden auch schon kennt. Am Ende haftet ihnen immer auch etwas Faktenorientiertes an. Paul fragt, Papa antwortet. Hier kann also nicht nur der Nachwuchs noch etwas lernen, sondern auch ich, der Tausendsassapapa. Aufgrund der wirklich gelungenen Textlänge, entsteht ein gutes Verhältnis aus Geschichte und Fakten. Für neugierige Vorlesekinder ab vier Jahren gut geeignet.

Ausgewogen und authentisch Vorlesegeschichten mit viel Charme und dem einen oder anderen überraschen Fakt. Nicht nur für Papas und Pauls.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Tierisch was los bei Paul und Papa‘ von Susanne Weber – MixtVision

8) Bilderbuch: „Die Gefühlebande“ von Clemens Fobian und Mirjam Zels – Marta Press

Wenn es abends wird und sich die Schlafenszeit nähert, liest Ramins Vater ihm eine Gute-Nacht-Geschichte vor. Manchmal auch zwei (wie bekannt mir das vorkommt). Aber was war das? Mitten in der Nacht wird der kleine Junge von einem lauten Knall geweckt. Vor lauter Angst verkriecht er sich in das elterliche Familienbett. Am nächsten Morgen macht der Junge im Garten eine ungewöhnliche Entdeckung: sechs kleine Gestalten scheinen hier plötzlich zu leben. Gestatten, Angst, Wut, Freude, Trauer, Ekel und Aufgeregt. Sie erzählen Ramin, dass sie nichts Böses tun, sondern ganz oft die Menschen besuchen. Menschen bräuchten Gefühle und zwar jeden Tag, heißt es weiter.

Leider aber haben die Gefühle auf dem Weg durch die Galaxie ihren Zauberstein verloren. Diesen brauchen sie jedoch, um in ihre Heimat zurückkehren zu können. Ramin beschließt, ihnen bei der Suche zu helfen. Mit Erfolg. Heißt das aber, dass die Gefühle nun für immer aus Ramins Leben verschwinden werden? Oder lassen sie ihm vielleicht das Wertvollste, dass sie haben da?

Auf ungefähr zehn Doppelseiten entspinnt sich die Geschichte der Gefühle und wie sie über den kleinen Ramin hereinbrechen. Im ersten Moment frage ich mich ja, warum die Gefühle ausgerechnet wie Aliens mit einem Ufo in der Geschichte landen? Sind Emotionen nicht eigentlich etwas zutiefst Menschliches? Aber klar, für ein Kind, welches erst einmal damit umzugehen lernen muss, mag sich das wirklich anfühlen, als sei all dies extraterrestrisch.

Und doch, Kinder lernen von uns, wie man mit Gefühlen und bestimmten Situationen, in denen diese auftreten umgeht. Das machen wir uns allerdings und leider viel zu oft gar nicht bewusst – dabei ist es so wichtig. Nicht nur das gemeinsam mit dem Kind bewusste Einordnen, sondern auch der Alltag ist hier wichtig. Das Buch „Die Gefühlebande“ von Clemens Fobian gibt auch dank der großartigen Illustrationen von Mirjam Zels eine gute Möglichkeit, das Thema Gefühle immer wieder mal auf die Vorlese-Couch zu holen.

Ein schön illustriertes Bilderbuch, welches sich besonders an Kinder ab vier Jahren richtet, um ihnen die allzu menschliche Gefühlswelt näherzubringen. Fühlt sich gut an!

Johnnys vollständige Rezension:
‚Die Gefühlebande‘ von Clemens Fobian und Mirjam Zels – Marta Press

9) Vorlesebuch: „Kosmo und Klax – ABC Geschichten“ von Alexandra Helmig – Mixt Vision

Kosmo und Klax sind zwei ganz besondere Freunde, denn Kosmo ist ein Eichhörnchen und Klax ein kleiner roter Ball mit Krone. Klingt ein wenig schräg, das fällt in den Geschichten aber eigentlich kaum weiter nicht auf. Zusammen leben die beiden in ihrer Baumhaus-WG im Tal des verwunschenen Parks. Natürlich leben sie hier nicht allein, sondern haben allerhand FreundInnen um sich herum. Allen voran natürlich Lili Graumaus, aber auch Frau Gans, Bibo Biber, Herrn Mümmelmann und natürlich Knabba, Kosmos Cousin. Hinter den ABC-Geschichten verbirgt sich genau das, was man vermuten darf, nämlich pro Buchstabe ein Abenteuer. Von „A wie Ameise“, bei den die beiden Protagonisten feststellen, dass Ameisen ganz schön viel herumschleppen und arbeiten über „G wie Geburtstag“, in welchem die Freunde eine Überraschungsparty für Geburtstagskind Kosmo schmeißen bis hin zu „Z wie Zirkus“. Hier kommt Onkel Rudi ins Spiel. Übrigens: Im Yippie-Lied kommen alle Buchstaben noch einmal versammelt vor.

Die insgesamt 26 ABC-Geschichten umfassen jeweils zwischen drei bis fünf Seiten und sieht soweit in sich geschlossen. Man kann also auch gern mal querlesen oder eben die eine Lieblingsgeschichte immer und immer wieder hervorblättern. In unserem Fall ist es die Geschichte hinter dem Buchstaben R: „R wie Riese“ und das nicht nur, weil der gute alte Knabba hier mal wieder mit von der abenteuerlichen Partie ist. Ich mag ja den umtriebigen Knabba. Fast so sehr wie Lili Graumaus.

Das Buch richtet sich an Kinder im Vorschulalter sowie solchen, die bereits große Freude an Buchstaben und Schreiben haben. Meine Tochter ist seit Kurzem vier Jahre alt und interessiert sich schon sehr für dieses Thema. Ob sie das von ihrem schreibenden Papa hat? Möglich wär’s jedenfalls. Und wie immer, wenn es um Alexandra Helmig geht: wer kann, sollte sich unbedingt auch die Hörspiel-Fassung organisieren. Hier spricht Alexandra alle Charaktere selbst ein – auf eine Art und Weise, bei der ich als Vorlesepapa auf die Kniee falle und „Halleluja“ rufe.

26 leichtgängige Abenteuergeschichten, die sich rund um das Thema Freundschaft, Zusammenhalt und natürlich Buchstaben drehen. Als Hörspiel ein echtes Highlight!

Johnnys vollständige Rezension:
‚Kosmo und Klax – ABC Geschichten‘ von Alexandra Helmig – Mixt Vision

10) Bilderbuch: „Affenfalle“ von Nele Brönner – °luftschacht

Durch die Wüste streift ein roter Fuchs. Der Sand und die Steine sind heiß, die Luft so trocken. Doch am meisten brennt dem Fuchs der Durst auf der Zunge. Ohne die Aussicht auf ein Wasserloch beginnt er, sich an die Tiere zu wenden, die ihm auf seinem Weg begegnen. So erhält er den zweifelhaften Rat, es mal bei den Affen zu wagen. Diese sitzen auf Bäumen und reagieren äußerst barsch auf ihren roten Besucher. Ihr Wasser teilen, das wollen sie auf gar keinen Fall. Plötzlich vernimmt der Fuchs eine rätselhafte Stimme. Sie kommt aus einem Erdloch und verrät ihm, wie die Affen ihr Wasser doch teilen werden. Bei diesem Trick handelt es sich um einen besonders schönen Stein, den der Fuchs möglichst effektvoll in einem Astloch verstecken soll. Und siehe, sobald die Affen den Stein sehen, werden sie rasend und beginnen zu brüllen und zu kratzen, zu schubsen und schlagen. Schließlich bleibt der Stärkste von ihnen mit seinem Arm im Astloch stecken.
So vergehen die Stunden, im Affen wächst der Durst. Wird der Affe den Stein irgendwann loslassen und zum Wasserloch spurten – und so sein Geheimnis auch dem Fuchs preisgeben? Und wer ist die Stimme im Erdloch?

Machen wir uns nichts vor, die Geschichte vom Fuchs strotzt nur so vor egoistischen Charakteren. Beinahe könnte man diesen sogar böse Absicht unterstellen. Das ergibt aber jede Menge Sinn, denn die Wüste ist nicht unbedingt ein Ort, der das Beste in den Tieren hervorbringt. So auch in unserem Hauptcharakter. Ist dieser anfangs noch freundlich, lässt er sich nach der schroffen Ablehnung auf das bösartige Affengebahren ein – und ist kaum besser. Spätestens, als er auf Befehl der geheimnisvollen Erdstimme dem im Astloch steckenden Affen ein Stück Salz hinhält wird dies mehr als klar. Rechtfertigt der Zweck aber die Mittel? Ein schwieriges Thema, aber natürlich unbedingt nötig und wichtig.

Ich mag Nele Brönners Stil ja sehr gern. Sie sind so dynamisch und ganz anders, auch wenn ihre Illustrationen oft etwas aggressiv wirken. Das ist mir auch bei „Das Tigerei“ aufgefallen. Also eigentlich meiner Tochter, als sie das Buch zum ersten Mal alleine durchblätterte und manches mißverstand. Genau das aber lässt sie immer wieder nachdenken und auf den Bildern verweilen, nachdem wir die jeweilige Seite bereits gemeinsam gelesen haben. Die ungefähre Leseempfehlung liegt bei vier Jahren – da gehe ich voll mit. Jüngeren Kindern könnten die Darstellung eventuell etwas Angst machen.

Die „Affenfalle“ ist die Geschichte aus einer fernen Welt, in der unsere Moral auf die Probe gestellt wird. Modern inszeniert, ohne jedoch alles preiszugeben.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Affenfalle‘ von Nele Brönner – luftschacht

11) Pappbilderbuch: „Wenn der Mond die Sterne zählt“ von Günther Jakobs – Carlsen Verlag

Wer meint, der Mond würde lediglich am Himmel stehen, der irrt, denn dieses tagsüber doch so unscheinbare Himmelsgestirn trägt in Wahrheit sehr viel Verantwortung. Für uns alle, also zumindest die Kinder. So passt er jede Nacht darauf auf, dass auch wirklich alle Kinder schlafen – und für jedes schlafende Kind lässt er einen Stern aufgehen. In dieser Nacht aber zählt er mehrfach, denn ihn treibt das unbestimmte Gefühl um, dass ein Kind fehlen würde. So begibt sich der Mond auf die Erde, um dort nach dem wachenden Kind zu suchen. Auf der Erde sieht es aber ganz anders, als er das von oben schauend gewohnt ist. Irgendwie dreckiger und chaotischer. So trifft erst auf eine Horde freundlich gesinnter Ratten, befragt eine Nachtigall im Baume, bevor ihm die Katzen schlussendlich doch noch rechten Weg zu dem wachenden Kind zeigen.

Auf 11 Doppelseiten erzählt Günther Jakobs eine wunderbar gereimte Gute-Nacht-Geschichte. Als Pappbilderbuch in Form, aber auch inhaltlich direkt an die kleinsten Vorlesekinder gerichtet, sagen wir mal mit zweieinhalb Jahren, kommen die Worte warm und poetisch daher. Dies übrigens sehr passend auch zu den atmosphärisch gehaltenen Illustrationen, die ebenfalls vom Autoren selbst stammen. Die Geschichte ist die Geschichte einer Reise, nämlich die, des Mondes durch die Nacht. Zu keinem Zeitpunkt aber erscheint sie gruselig oder ungewiss, sondern ganz im Gegenteil.

Ein beruhigendes und atmosphärisches Gute-Nacht-Buch, welches mit viel Poesie und Warmherz die Geschichte vom Mond, den Sternen und den Kindern erzählt, über die er Nacht für Nacht wacht.

Johnnys vollständige Rezension:
‚Wenn der Mond die Sterne zählt‘ von Günther Jakobs – Carlsen Verlag

Vorlesebuch: „12 Peggy Diggledey – Allerbeste Freunde“ von von Ella Kopp – Ellermann Verlag

Freunde halten nun mal immer zusammen, auch am Meer! So auch Peggy und ihr Hund Klabauter. Doch eines Morgens ist der kleine Klabauter verschwunden. Klar, dass Peggy sofort ihre Freunde Lisa, Phil und Jan zusammentrommelt, um ihren geliebten Hund zu suchen. Denn eins ist klar: Die besten Freunde sind immer füreinander da! Werden die Freunde den Hund aber tatsächlich wiederfinden? Er kann ja eigentlich nicht weit sein, schließlich leben die Freunde auf einer Insel. Oder?

Kinderbücher lese ich ja immer und grundsätzlich erst einmal für mich, um ein Gefühl für die Sprache, den Rhythmus und die Geschichte zu bekommen. Auch, um natürlich negative Überraschungen zu vermeiden. Das ist übrigens ein großes Vorlesepapa-Geheimnis, also pssst. Bei „Peggy Diggledey – Allerbeste Freunde“ von Ella Kopp und Naeko Ishida ist die Sorge gänzlich unbegründet. Ein charmantes Vorlesebuch, welches dank seines Settings, eine Insel im Meer, auch ziemlich gut in die derzeitige Urlaubsstimmung passt. Da bekomme ich ja wieder mein altes Meerweh… das werde ich wohl an meine Vierjährige weitergeben.

Und das war es in diesem Monat mal wieder für das 12von12 zum Thema Kinderbücher. Ich hoffe, es war der eine oder andere Buchtipp für euch dabei. Falls nicht, ist das aber auch gar nicht schlimm, es gibt ja noch jede Menge mehr Bücher hier bei mir zu sehen. Und wer jetzt nach Lust auf noch mehr 12von12 ist, der kann bei DraußennurKännchens Linkup mal schnell vorbeischauen! Das geht’s ab!

Habt’s fein!


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

RELATED POST

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.