Väter in den Medien, Vatersein
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nano Spezial: 3SAT sucht den „Super-Papa“

3Sat sucht den „Super-Papa“

Dieses Mal war es an dem Schweizer Medienformat „nano“, den ominösen, modernen Vater zu finden und ihn zu charakterisieren. Während die Vorschau noch unerträglich daher kommt („Wann ist der Mann ein Mann?“), glänzt der erste Teil der Reportage durch fehlende Quellenangaben und gefährliche Belanglosigkeiten („Sind schlechte Väter einfach Opfer ihrer Hormone?“). Erst im letzten Drittel nimmt das Ganze fahrt auf. Nur das mit dem maternal gatekeeping, das hätte reflektierter anstellen können. Und auch sonst fremdel ich mal wieder mit der schweizerischen Art der Präsentation! Eine launische Medienbetrachtung.

Das nano Spezial „Super-Papa“

Wir starten in das Thema Vaterschaft in Deutschland mit einer Rückschau auf den eigenen Vater, also den klassischen Ernährer, der tagsüber eher durch häusliche Abwesenheit glänzte. Es folgt u.a. ein buntes Sammelsurium an Zahlen und Fakten, deren Quellen aber nicht weiter genannt werden („laut einer deutschen Umfrage“). Schade eigentlich. Immerhin decken sie sich so ganz entfernt mit den Zahlen, die mir von Destatis und den jüngsten Väterstudien aus eigener Anschauung bekannt sind.

Der Super-Papa und die Teilzeit-Statistik

Interessant wie niederschmetternd zugleich, sofern es denn stimmen sollte: laut nano gehen nur 5% der Männer nach der Geburt des ersten Kindes von Vollzeit in Teilzeit. Teilzeit bedeutet hierbei übrigens 80% – und weniger! 5% gehen auf 80%. Bei Müttern bedeutet Teilzeit oft maximal 50% – oder weniger.

Ganze 5% der Väter schwingen also nicht nur große Worte und fordern mehr Verantwortung in der Care-Arbeit, sondern tun auch auch wirklich den Minimalschritt dafür. Toll. Kurios: laut einer der von nano Spezial propagierten Zahlen sagt, das rund 16% der Väter als in der Familie „überdurchschnittlich aktiv“ bezeichnet werden. Wie das gemessen wurde, welche Parameter hierfür herangezogen worden und wie das zu den 5%lern passt, dieser Wissensluxus wird dem Zuschauer nicht gegönnt. Es scheint, dieser ‚Super-Papa‚ ist jeder Vater, der zu Hause den Daumen krumm macht. Oder ist er vielleicht nichts weiter als das Gespinst eines Comicbuch-Autoren wie, sagen wir Robert Kirkman?

Das Mütterbashing Gruselkabinett

Hat man die erste Hälfte der Klischeeschau hinter sich gebracht, hat man dann das übliche Maß an unreflektiertem Mütterbashing hinter sich gebracht, das bei solchen Formaten natürlich nicht fehlen darf. Nicht ganz so offensichtlich, wie es beispielsweise ARD oder WDR-Produktionen veranstalten, aber es passiert.

Dem Mann wird es einfach gemacht. Kann er mit dem Nachwuchs nichts anfangen und ist zudem auch nicht bereit, beruflich für die Familie zurückzustecken, dann ist er nicht das egoistische Neanderthaler-Männchen, sondern schlicht Opfer seiner Hormone. Dieser Zusammenhang wird tatsächlich untersucht. Doch zum Glück, bevor man wutschnaubend das Empfangsgerät durch die geschlossene Wohnungstür bugsieren will, wird im letzten Satz wenigstens die Möglichkeit eingeräumt, dass nicht nur biologische, sondern auch soziale Einflüsse für die Vaterrolle entscheidend sind. Das war jetzt aber wirklich knapp. Langsam wird das nämlich teuer, mit den Türen.

Und wer sich wundert: Männer, mit wenig Testosteron, die sich wirklich einbringen wollen, müssen oft erst an der Mutter vorbei. Das Mütter nämlich das Kind ganz für sich allein haben wollen, das ist eine Tatsache, die wir erst durch die wachsende väterliche Teilhabe heraus gefunden haben. Dass das Problem viel komplexer und viel konstruierter sein könnte, das wird nicht erwähnt. Alles wie immer also.

Und es kommt noch besser: Mütter werden in einem Nebensatz nicht nur als kindergluckende Männerbremsen gestempelt, sondern auch als Träger althergebrachter Rollenmuster. Da gäbe es also moderne Väter, die sich einbringen wollen, die aber von ihren Partnerinnen gezwungen werden, der Ernährer der Familie zu sein. Auch hier folgt kein weiterer Kommentar.

Es sind die kleinen Dinge, über die man sich mittlerweile freuen darf. Als nämlich auf die Frage, wer beim kranken Kind zu Hause bleibe, nicht sofort die Antwort „Mutter“ kommt, sondern beide das Wort ergreifen, liegt man sich auf den väterlichen Sofas der Republik ergriffen in den Armen – als hätte man eben die Weltmeisterschaft gewonnen. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, eine solche Szene in den aberhundert anderen Dokumentationen und Reportagen zum Thema Vater gesehen oder gehört zu haben.

Super-Papa Fazit

„Für enge Beziehungen (zum Kind) ist die Vielfalt das Wichtigste. Und so viel gemeinsame Zeit, dass Vielfalt möglich ist“, heißt es fast am Ende der Sendung. Das klingt, als wäre es ziemlich auf den Punkt, denn es besagt: Alle Elternteile können alles für das Kind sein. Aufregend und anregend, tobend und kuschelnd.

Leider steht dieser Satz im kompletten Gegensatz zum Rest des Beitrags, der immer und immer wieder die Unterschiede zwischen Vätern und Müttern heraus stellt. Leider mit einem klaren Hang zum Mütterbashing. Mütter, die ihre Partner ausbremsen, die sie in alte Rollen reinzwängen und die ihre Männer „einfach mal machen lassen sollen“.

Nun ja. „Super-Papa“ war der Titel des nano Spezials. Viel war also nicht davon zu erwarten, dennoch gab es einige interessante Momente – häufig interessanterweise von Frauen gesprochen. Dass man Väter scheinbar dennoch nicht denken kann, ohne wenigstens einmal gegen die Mütter zu schießen, ist traurig und nervig zugleich.

Mal so unter uns: Sehe ich eigentlich auch so grenzdebil aus, wenn ich mit meiner Tochter spiele? Oder muss das?

Appendix: Warum ich weder mit dem „Super-Papa“, noch mit 3SAT warm werde

Da schreibt ein Mann über das Thema Vereinbarkeit. In einigen Kapiteln seines Buches macht er sich zudem Gedanken über das neue Rollenverständnis der Männer in Familie und in Gesellschaft. „Teilzeitmann“ heißt sein Werk. Man mag sofort die Hände in die Luft werfen und sein Hirn gleich hinterher angesichts der spröden Dümmlichkeit dieses Titels. Ich nehme aber an, dass es ihm durchaus geholfen hat, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben. Das Redaktionsteam von „nano“ entblödet sich aber nicht und blendet unter den Namen des Autors das Wort „Teilzeitmann“.

Nein, sie setzen es nicht als Zitat, sie schreiben auch nicht „Buchautor“ oder „Autor von..“, Nein, ganz schlicht, ja fast schon beleidigend und herabsetzend ‚Teilzeitmann‘. Übrigens, liebe Redaktion: der korrekte Titel des Projekts für das Jürg Wiler tätig ist, heißt: „TEILZEITMANN – Ganze Männer machen Teilzeitkarriere“!

Solche, aus deutscher Sicht recht unbedachten Distanzlosigkeiten, um nicht zu sagen, politische Empathielosigkeiten sind mir auf 3Sat schon häufiger begegnet. Oder habe ich es vielleicht gar nicht mitbekommen und der Teilzeitmann ist auch einer aus der Liga der ehrenwerten Super-Papas?

Das nano Spezial „Super-Papa“ ist auch online verfügbar. Wer sich also selbst ein bewegtes Bild machen möchte, findet unten den passenden Link. Viel Spaß damit.

Titel: nano Spezial „Super-Papa“
Ausstrahlung: 18. Mai 2016
Dauer: 28 Minuten
Link: nano Spezial in der 3SAT-Mediathek

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