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Glücklich zu zweit: Hineingehört in das Alleinerzi...

Glücklich zu zweit: Hineingehört in das Alleinerziehenden-Herz

Gluecklich zu zweit: Als alleinerziehender Vater einer Tochter, alleinerziehend

„It takes a village to raise a child“ habe ich kürzlich gelesen und fühlte mich alleinerziehend spontan dann doch etwas einsam. Ich und nur ich bin also meiner Tochter ein Dorf und ja, das mag schon teilweise stimmen. Wobei ich ihr doch lieber Anker bin. Oder Hafen oder irgendwann vielleicht auch ihr Moby Dick, aber wer will da jetzt schon kleinlich sein. So allein ich mich fühlte, als ich diesen Spruch las, so sagte mir mein Alleinerziehenden-Herz recht deutlich: ich bin gut damit, mit dem Alleinerziehen – denn es fühlt sich unglaublich richtig an.

Heute habe ich ganz bewusst mal wieder etwas genauer in mein Alleinerziehenden-Herz hinein gehört. Auch, weil ich heute mal wieder kurz etwas mehr Ruhe in mir dafür hatte, um mal so nachzuhorchen, was da mit mir und mit uns passiert. Dies war nicht nur der Tatsache geschuldet, dass ich über den Dorf-Spruch nachdenken musste. Meine Tochter hing gesundheitlich soweit in den Seilen, dass ich sie nicht guten Gewissens hätte in die Kita geben können.

Das bedeutet für mich mal wieder: Home-Office mit krankem Kind – minus Home-Office. Und neben allem, was sonst noch so in meinem Leben gerade wichtig ist: ich bin gut damit. Alleinerziehend zu sein, bei allem, was es mit sich bringt, so wie heute, fühlt sich unglaublich richtig an. Ganz für uns zu sein, nur Tochter und ich, das ist ein sehr schönes und vor allem ausfüllendes Gefühl. Das ist sie also, meine Aufgabe. Das ist also das Gefühl, weshalb ich alles tragen kann. Weil es sich richtig anfühlt. Das bedeutet nicht, dass es anders nicht auch gut für uns beide sein könnte, ganz im Gegenteil sogar. Doch jetzt gerade ist es das nun mal nicht.

Ich kann es mir nicht leisten, mich emotional an anderen Orten zu wünschen, wenn das gleichzeitig bedeutet, nicht für meine Tochter emotional präsent sein zu können. Wenn ich nicht ihr Anker, ihr Dorf sein kann, wer dann? Gewiss, einige Zeit kann ich in diesem emotionalen Grenzland wandern, mich jenseits der Belastungsgrenzen zerreißen und hoffen, dass es niemand merkt. Einige Zeit kann ich es zulassen, das Hadern und Zweifeln, dem ich in der Einsamkeit des Alleinerziehens anheimfalle. „Ich kann alles tragen!“ habe ich mich schon öfter sagen und schreiben hören. Was bliebe mir aber auch anderes übrig. Und obwohl ich in der letzten Wochen nicht immer das war, was ich hätte sein müssen, nämlich emotional bedingungslos für meine Tochter da sein, spüre ich: alleinerziehend zu sein fühlt sich unglaublich richtig an.

Leider waren diese kurzen Momente der Klarheit in letzter Zeit nur rar gesät. Dennoch versuche ich diese so bewusst wie möglich wahrzunehmen. So tief die Tiefen auch sind und sie eben auch genauso tief gelebt werden müssen. So sehr ich manchmal daran zweifel, dass mich das Schöne wirklich zu tragen vermag. Wenn man alle Tage weint und nicht mehr weiß, wie lange schon. Selbst an den guten, nur dann eben nicht bei Tage – und auch nicht ganz so laut. Vielleicht eine Woche lang. Oder drei. Genauso wichtig ist es für mich geworden, nicht nur diese Tiefe ganz bewusst auszuhalten, sondern auch wieder nach oben zu schauen. Die Höhen mindestens genauso zu durchleben wie die Tiefen. Es sagt einem aber auch niemand vorher, dass das ungleich schwerer ist. Außer vielleicht andere Alleinerziehende.

Auch Kräfte sammeln kostet Kraft. Wenn mein Großvater sagt: „Spar in der Not, da haste nämlich Zeit dazu!“ liegt er unverhofft sehr viel näher an meiner Wahrheit, als uns beiden das wohl jemals bisher klar war. Es gibt sie nämlich, die schönen Momente – und davon gar nicht wenige. Und seien es auch nur die kurzen Augenblicke, die man mit dem Kind erlebt und ganz deutlich spürt: wir gehören zusammen. So, wie ich sonst eigentlich zu niemandem gehöre. Wir beide haben eben nämlich doch vieles richtig gemacht. Leider kann man solche Momente nicht festhalten. Und natürlich muss man sie alleinerziehend mindestens genauso schonungslos offen reflektieren wie die negativen Phasen. Man kann sie sich immerhin aber bewusst machen und sich so vielleicht später doch an sie erinnern. Und vielleicht tragen sie ja doch ein wenig noch.

Mein Alleinerziehenden-Herz sagt mir: es ist gut. Die Tiefen gehören zu den Höhen, die Höhen zu den Tiefen. Und das fühlt sich richtig an.

Die Couch auf dem Vulkan, oder: Meine Bilanz nach einem halben Jahr als alleinerziehender Vater


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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  1. Elisabeth

    16 Mai

    Wie schaffst du es mit dem Gedanken „was ist wenn mit mir etwas ist und ich nicht für meine Tochter da sein kann“ umzugehen? Ich fürchte mich manchmal davor dass ich ins Krankenhaus muss oder ein sonstiger Notfall ist wo ich ausfalle. Kennst du solche Sorgen auch ?

  2. <3

  3. Motzi

    17 Mai

    Ich merke gerade, dass ich, obwohl ich ebenfalls Alleinerziehend bin, mich dennoch priviliegiert fühlen kann.
    Ich habe ein starkes Soziales Netzwerk, eine tolle Familie die mich unterstützt, so das ich direkt nach der Elternzeit schon wieder Vollzeit arbeiten gehen konnte. Damit das geht habe ich mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Mein Sohn ist gerade 2 Jahre alt geworden und es ist dennoch alles irgendwie machbar, aber oft auch sehr anstrengend und fordernd. Oft habe ich ein schlechtes Gewissen Ihm gegenüber. Auch habe ich nicht selten erlebt, dass andere Mütter, Kinderärtze, Tagesmütter etc. überrascht sind zu hören, das ich schon wieder Vollzeit arbeiten gehe. Als ob ich deswegen eine schlechte Mutter wäre oder mein Kind abschiebe. Vielleicht erwartet man auch eher das man(n) zuhause bleibt und sich die ersten Jahre um das eigene Kind kümmert. Oder wenigstens in Teilzeit. Manchmal bin ich auch echt froh das ich zur Arbeit muss. Vorallem wenn der kleine Trotzkopf so richtig loslegt. Und dann bin ich oft traurig das ich so viel verpasse… Aber wenn ich dann Zuhause bin will Ich auch mit Ihm toben, auf den Spielplatz, essen kochen, lustig sein. Und falle dann regelmäßig Todmüde mit Ihm zusammen um 8 ins Bett :-) Bis er mich mitten in der Nacht mit einem Aufschrei aufweckt „MAMA ich will keine Plätzchen“ oder „NEIN die Hunde sollen nicht lecken“ ?!? Wie heisst es so schön: die Nächte sind so lang aber die Jahre, die Jahre sind so schnell vorbei geflogen… Und wenn ich dann höre, zuerst im Rückbildungskurs: mein Mann ist für 3 Tage beruflich unterwegs, es is ja soo anstrengend ohne ihn, oder bei einer Freundin (mit 7monate altem baby) deren Mann ein Gipsarm hat, was das für Umstände das für Sie sind…ähm, hust bitte? Mit meinem Kind zusammen zu sein fühlt sich richtig an, allein zu sein leider nicht! Ein schöner Block Johnny!

    • Hallo Wibke, vielen lieben Dank für Deine Worte. Ich bin vor allem an Deinem (vor)letzten Satz hängengeblieben. Und so ganz sicher bin ich mir da im Grunde meines Herzens gar nicht. Alleinerziehend zu sein, das fühlt sich richtig an. Doch auch das Alleinsein ist gar nicht so weit weg davon. Damit meine ich nicht die Einsamkeit, das ist etwas gänzlich anderes. Dennoch. Du hast Deinen Weg für Dich gefunden und dann ist das auch alles schon richtig so. Leider nehmen sich Männer und Frauen nur wenig, wenn es darum geht, Mütter zu bashen. Das ist sehr schade. Genieß die Zeit, hab einen schönen Tag. LG J

  4. Danke für diese tollen Worte – bin eben erst durch Zufall via Instagram auf deinen Blog gestoßen – Danke fürs eheliche hervorheben von Höhen und Tiefen
    Ich hatte immer Angst, dass mich einer damit sieht , dass ich auch mal schwach bin , das Gefühl habe , meinen Kindern allein nicht gerecht zu werden , nicht genug Zeit , Aufmerksamkeit und Liebe zu geben und und und – ein anderes mal sitzt man hier zuhause und denkt „wow dass alles hast allein geschafft „ und wenn die Lehrer dann betonen, dass mein Kind das einzige ist , was jeden Morgen mit guter Laune u strahlend in die Klasse kommt – ja dann fühlt es sich perfekt an
    Herzlichst Gaby

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