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Bilderbuch: „Karl und Knäcke lernen räubern“ von K...

Bilderbuch: „Karl und Knäcke lernen räubern“ von Kirsten Reinhardt – Carlsen Verlag

Bilderbuch: „Karl und Knäcke lernen räubern“ von Kirsten Reinhardt - Carlsen Verlag

Karl und Knäcke sind die wildesten Räuber der Stadt. Nur das mit dem Räubern selbst, das müssen sie wohl erst noch lernen. Gesagt, getan. Doch obwohl sie in fremde Wohnungen einbrechen, so richtig räubern sie dann doch nicht – bis sie auf die kleine Ursula treffen. Und siehe, eigentlich steckt noch eine ganz andere Leidenschaft in den beiden Räubern, da kiekste. Eine ungewöhnliche Räuber-Lern-Geschichte von Kirsten Reinhardt, die unverhofft dort endet, wo jede gute Geschichte beginnt – in der Küche.

-Werbung – Produktnennung – ohne Auftrag – unbezahlbar-

Inhalt: Karl und Knäcke lernen räubern – Kirsten Reinhardt

Karl und Knäcke lungern zu Hause auf der Couch. Den beiden wildesten Räubern der Stadt fallen immer wieder neue Ausreden ein, um nicht auf Räuberzug zu gehen. „Traute, Schneid, Courage und Mut – wilde Räuber, Spucke, Blut“ geht das Lied – und dann fällt ihnen auf: sie sind gar keine echten Räubern, denn sie haben ja noch kein einziges Mal etwas geräubert. Das muss sich ändern.

„Her mit den Penunzen!“ In der ersten Nacht steigen sie in ein Wohnzimmer voll mit Sportgeräten ein, in der zweiten Nacht in die Dachgeschosswohnung einer Dirigentin. In der vierten landen sie in der Hinterhofbude von Hausmeister Ede – und finden dort jede Menge Comics. Auch in eine Konditorei steigen sie ein, futtern die Torte des Bürgermeisters auf, um ihm dann selbst eine zu backen. Karl und Knäcke machen Sport, machen Musik, essen eine Kleinigkeit, kochen und backen Torte oder lesen Comics. Nur das Räubern, das vergessen sie ein ums andere Mal. Und so landen sie in der letzten Nacht bei der kleinen Ursula. Das kleine Mädchen überrascht die beiden, als sie gerade in das Haus ihrer Eltern eingebrochen waren. Die drei freunden sich an und landen gemeinsam in der Küche: Karl und Knäcke zaubern ganz spontan Räubergrießbrei. Und siehe, plötzlich wird den beiden Räubern das Kochen zu großen Leidenschaft. Und da wussten sie, was sie im Wirklichkeit waren – Räubergrießbrei-Rezept inklusive.

Meine Einschätzung als Räubertochterpapa

Für mich liegt die Sache ja so: benutzt ein Kinderbuch das Wort „Penunzen“, dann weiß ich, aha, das ist ein super Kinderbuch. „Karl und Knäcke lernen räubern“ lernen zwar in Wirklichkeit gar nicht das Räubern, der Titel führt uns in die Irre. Auf den zweiten Blick geht es nämlich einfach nur darum, was Karl und Knäcke wirklich sind. Es geht um Identität und was diese ausmacht. So verfolgen die beiden ihren Traum, den sie eigentlich schon leben. Dabei erwecken sie en Passant eine ganz andere Leidenschaft zum Leben. Und so entsteht ein schönes Setting mit überraschendem Ende, welches aber in der Geschichte selbst total schlüssig ist.

Die Geschichte lehnt sich stellenweise stark in Richtung, nennen wir es mal Ganovensprache der 1920er Jahre. Ich denke spontan an die Brüder Sass, die in Berlin den größten Bankraub der deutschen Geschichte gemacht haben. Penunzen, Traute – zwei schöne Wörter direkt aus der Berliner Schnauze. Wenn ich das lese, wird mir warm. Auch wie manchmal ganze Wortfamilien eingestreut werden, das macht beim Vorlesen einfach Spaß, da steckt jede Menge Tamtam drin. Nur an einer Stelle geht dieser Retro-Räuber-Charme ein wenig verloren. Genau in dem Moment, als sie einen Bruch bei Kübras Computerservice(!) machen. Aber das ist ok, denn die Illustrationen von Marie Geißler lassen selbst den Computer irgendwie noch ganz

Die offizielle Leseempfehlung liegt bei vier bis sieben Jahren. Da sagt der Räubertochtervorlesepapa ganz klar: Daumen hoch. Die Geschichte ist mit 15 Doppelseiten zwar etwas länger als ein gewöhnliches Bilderbuch, aber dank der Illustrationen und der klaren Geschichte können auch die kleineren Kinder ab vier Jahren hier gut folgen. Und ganz persönlich: mein Großvater, der alte Ganove mit Berliner Schlag hätte seine helle Freude an dem Buch. An ihn denke ich, wenn ich es vorlese. Und ich lese es echt gern vor.

Fazit

Eine Räuber-Lern-Geschichte, die unverhofft dort endet, wo jede gute Geschichte beginnt – in der Küche. Mit einer gehörigen Portion Berliner Hinterhofcharme und wortliebendem Tamtam.

Kirsten Reinhardt (Autorin), Marie Geißler (Illustratorin)
Karl und Knäcke lernen räubern
Gebundene Ausgabe: 40 Seiten
Verlag: Carlsen (31. August 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551553858
ISBN-13: 978-3551553850
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 4 – 7 Jahre
Größe und/oder Gewicht: 19,5 x 1 x 24,6 cm

 

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Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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