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Das erste zweite Weihnachten als Papa

Das erste zweite Weihnachten als Papa

Weihnachten

Geschenkpapier mit Rentiermotiven, eine Nordmanntanne auf dem Balkon und im Kühlschrank eine Wagenladung vegetarischer Würstchen. Wenn ich mich in unserer Wohnung so umschaue, dann deutet vieles darauf hin, dass die Weihnachtsfeiertage mal wieder vor der Tür stehen. Und wie schon im letzten Jahr kam das alles natürlich ganz plötzlich. So, wie die Steuererklärung zum Beispiel. Nur eines, das ist gleich geblieben, denn: Auch in diesem Jahr fühlt sich Weihnachten als Familie noch immer neu und ganz ungewohnt an.

Eben noch herrschten sommerliche Temperaturen in den Straßen Berlins und dann ganz plötzlich zeigt das Thermometer nur noch lausig kalte 13 Grad. Und mindestens ebenso plötzlich stehst Du auf einmal im Innenhof eines Mehrfamilienhauses und singst mit anderen Elternteilen Weihnachtslieder. Die Texte sind mir natürlich allesamt unbekannt. Außer vielleicht die erste Zeile von ‚Jingle bells‘. Weiter reichen meine Kenntnisse dann aber doch nicht. Auch mit Rolf Z. bin ich noch alles andere als vertraut. Nach einigen Strophen frage ich mich: „Was mache ich hier eigentlich?“ Das ist doch Wahnsinn. Oder ist das schon Sparta?

Weihnachten bleibt anders

Wenn man sich so umschaut, also nicht in unserer Wohnung, sondern auf den Straßen, dann könnte man meinen: Weihnachten ist ein Hamsterrad, dass nur von innen besinnlich aussieht. Von außen sieht es recht stressig und starr aus. Für uns ist es erst das zweite Weihnachten als gemeinsame Familie mit Kind. Trotz der nicht mehr ganz so neuen Erfahrung bleibt mir dieses Weihnachten besonders als familiäres Fest immer noch fremd. Sterne, Verwandte, Geschenke und dann auch noch die Frage nach einem Tannenbaum? Auch in diesem Jahr fühlt es sich an, als bräche das alles zum allersten Mal über mich hinein.

Der Schuldige hierfür ist schnell ausgemacht. Es ist natürlich das Kind. Das Baby vom letzten Jahr ist in diesem Jahr nämlich schon ein Kleinkind. Besonders in den letzten Wochen ging ihre Entwicklung so rasant schnell, dass es Loopingbahn-Konstrukteuren die Tränen in die Augen treibt. Kein Vergleich zu der kleinen Baby-Person vom letzten Jahr. Das macht also auch das diesjährige Weihnachten mal wieder zu einer Premiere. Und ganz langsam dünkt es mir, dass das auch in den kommenden Jahren wohl ganz genauso bleiben wird. Hoffentlich habe ich bis dahin etwas mehr Routine.

Das Beruhigende in diesem Jahr ist, dass meine Tochter noch keine aktiven Erinnerungen an diesen Tag haben wird. Das lässt also noch Raum für die eine oder andere Generalprobe. Lichtprobe, Stellprobe. Heiligabend werden wir in diesem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit verbringen. Zum Glück. Keine Verwandten meinerseits, keine Verwandten ihrerseits. Und auch keine Wahlverwandtschaft. Nur Du, ich und sie. Wir und der ganz gedämpfte Weihnachtswahnsinn. Clark Griswold wäre es ein Graus.

Und was es bringt, man weiß es nicht

Was morgen auf mich zukommt, das weiß ich trotz allem immer noch nicht. Im letzten Jahr war es das erste Mal, das wir als Familie gemeinsam diesen Tag begangen haben. Viel näher bin ich diesem Feiertag aber seitdem immer noch nicht gekommen. Noch immer frage ich mich, wie unser zukünftiges Weihnachten wohl aussehen wird. Welche Rituale werden sich entwickeln, wie wird das mit der Verwandtschaft und werde ich endlich meine langersehnte Carera-Bahn geschenkt bekommen?

Nur eines ist sicher. Es wird Kartoffelsalat mit Würstchen geben. Das ist mein Zugeständnis an diesen Tag, das möchte ich als neue, alte Tradition hinzugeben. Nur eine Sache noch: Falls sie mein Teenager-Ich treffen und es mich suchen sollte, sagen Sie ihm doch einfach, ich sei in diesem besetzten Haus auf einem Soli-Konzert. Es weiß dann schon bescheid und wird sie nicht länger behelligen.

Ach, was soll’s, gebt mir nicht nur ein, zwei, gebt mir viele Weihnachten. In diesem Sinne, besinnliche Feiertage.


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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  1. Sarah

    23 Dezember

    Hach wie schön. :)
    Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind – das stimmt tatsächlich. Und irgendwie werden wir doch mit unseren Kindern groß. Man findet neue Dinge, die wichtig sind, andere geraten in Vergessenheit. Nun werde ich auch noch sentimental.

    Irgendwann. Irgendwann bekommst du deine Carrera-Bahn!
    Mein Papa bekam eine, als ich 8 Jahre alt wurde. ;)

  2. Kai

    23 Dezember

    Wir feiern dieses Jahr unser letztes Weihnachten zu zweit. Und ich hab das ähnlich dumpfe Gefühl, dass die kommenden Weihnachtsfeste anders werden. Anders als bisher. Anders, als ich es mir bis jetzt vorstellen kann.
    Aber ich freu mich wie ein Keks, auf ruhige, besinnliche, chaotische, kindgerechte, tolle, schöne Weihnachtstage ab 2016 :)

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