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Gedrucktes ist nicht tot – Das „SuperBuch“

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„Gedrucktes ist tot“, behauptete der Film „Ghostbusters“ im überaus bedeutungsschwangerem Jahr 1984. Heute, erdrückende 32 Jahre später, ist der Werkstoff Buch noch immer erstaunlich lebendig. Mit dem Projekt „Superbuch“ sowie der kostenfreien „TigerBooks“-App gibt es seit einiger Zeit eine Art Brücke zwischen der gedruckten wie der digitalen Welt. Der Clou daran ist, dass es auch mit bereits gekauften Büchern funktioniert. Ist das genial oder verrückt? Und warum nimmt davon scheinbar kaum jemand Notiz? Ist es die Eltern-Skepsis gegenüber Technik oder steckt etwas Anderes dahinter? Ich hab mal reingeschaut. In das Superbuch – und vielleicht auch in die Skepsis.

Was ist denn Superbuch?

Neun deutschsprachige Kinderbuchverlage, 18 Titel, eine gemeinsame Initiative. Das Projekt, mit dem leicht reißerischen Namen „SuperBuch“ ist eine verlagsübergreifende Initiative, die Kindergeschichten interaktiv machen möchte. Grundlage hierfür ist erstaunlich genug das gedruckte Buch. Mittels „TigerBooks“-App, kostenfrei für iOS und Android erhältlich, wird das Bilderbuch um 3D-Animationen, Töne oder kurze Spiele erweitert. Sozusagen als Second Screen – oder augmented reality. Die einzelnen Seiten der bereits im Regal stehenden Bilderbücher werden mit der Smartphone- oder der Tablet-Kamera gescannt und der entsprechende Inhalt aus dem Netz nachgeladen.

Die beim Projekt SuperBuch beteiligten Verlage sind unter anderem die Verlagsgruppe Oetinger sowie Nord-Süd, Langenscheidt, Bastei Lübbe, Ueberreuter, Coppenrath, BELTZ, Thienemann-Esslinger und Tulipan. Das bedeutet, ein Titel wie „Lars der Eisbär“ wird auf der Mattscheibe von Smartphone oder Tablet mindestens ebenso lebendig wie „Petersson und Findus“. Soweit die Vorgeschichte.

SuperBuch und Technik-Skepsis?

Bisher habe ich auf nur wenigen Elternblogs über das SuperBuch gelesen. Warum ist das so? Sind die meisten Eltern technikskeptisch? Wissen sie vielleicht auch gar nichts von dem Projekt?

Meine Tochter ist noch etwas zu jung für solcherlei Touchscreen-Abenteuer. Leuchtet der Bildschirm, ist das Buch plötzlich nicht mehr ganz so interessant. Klar, Bilder, die man selbst irgendwie hin und her bewegen kann, sind insbesondere für Kleinkinder oftmals interessanter als starre Buchstaben oder Bilder.

Und über allen Eltern und allen Kindern schwebt natürlich stets das Damokles-Schwert der Zeiteinteilung. Wieviel Zeit sollte mein Kind mit modernen Medien verbringen dürfen? Sollte ein einjähriges Kind länger als eine Stunde vor dem Fernseher sitzen? Sollte eine Zweijährige wissen, wie man am Smartphone Videos startet? Vielleicht ist das Problem aber doch ganz ein anderes. Wenn ich mit meiner Tochter gemeinsam ein Buch lese, dann liegt mein Telefon, nun, manchmal weiß ich gar nicht, wo es sich dann gerade befindet. Und es ist auch egal. Vorlesen ist die Zeit ungeteilter Aufmerksamkeit zwischen meiner Frau Doktor Mama Löwe und mir. Bleibt sie das aber auch dann, wenn ich das Handy hinzunehme? Dann hätten wir plötzlich zwei Medien vor der Nase – auch wenn sich beide ergänzen, stehen sie nicht eigentlich in Konkurrenz zueinander?

Und wie steht es um die Fantasie, wenn die von Papa imitierten Stimmen plötzlich aus dem Telefon kommen – und ganz anders klingen? Vorlesen kann das SuperBuch nämlich auch. Für mich eine sehr wichtige Frage, denn: Wer wie ich mittlerweile die „Petersson und Findus“-Filme kennt wird wissen, wie tödlich schrecklich ausgewählte Stimmen für die eigene Vorstellung sein können. Absolute Ignorier-Empfehlung!

Mein Fazit: Warten!

Was ihr wissen solltet: Eigentlich sollte dieser Artikel ein Vergleich zwischen LeYo und SuperBuch werden. LeYo ist die elektronische Erweiterung für die kleinen Pixie-Bücher. Leider ließ sie sich weder auf iOS, noch auf Android zum Laufen bringen, erkannte zudem keines unserer Bücher und war auch sonst ein ziemliches Desaster. Und wenn man nichts Gutes sagen kann, dann sollte man die App am besten wieder löschen, ne? Mit SuperBuch und der TigerBooks-App lief hingegen nach anfänglichen Startschwierigkeiten (lange Ladezeit) alles gut.

Ich mag technische Spielereien. Ich mag, wie liebevoll die App und ihre Animationen aufgemacht sind. Warum nicht mehr Eltern bereits über das SuperBuch sprechen, vermag ich nicht zu sagen. Ich jedenfalls bin nicht skeptisch ob der Technik, sondern weil ich die Vermutung hege, dass meine Tochter mit ihren zweieinhalb Jahren zwar ein echtes Lesekind ist, aber das Handy ein zu großer Störfaktor in Sachen ungeteilte Zweisamkeit beim Vorlesen darstellen könnte. Wäre sie hingegen fünf oder sechs Jahre alt, ich würde es definitiv noch einmal mit ihr probieren.

Kennt ihr eigentlich das SuperBuch bzw. die Tigerbooks-App? Habt ihr das mit euren älteren Kindern schon einmal genutzt? Geduld ist ja nicht so meine Stärke..


Wer nochmal eine flashy, flashy Zusammenschau zum SuperBuch braucht, bitte sehr: Webseite des Projekts.


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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  1. Britta

    7 November

    Ich glaube, das stört in jedem Alter. Wenn ich mir das für meine Kinder und mich vorstelle… neee! Das schöne beim Vorlesen ist doch das Abtauchen in die Welt des Buches. Das geht schon bei unseren dreijährigen Zwillingen. Plötzlich sind wir auf dem Weg nach Panama oder sorgen uns mit Findus, weil es Weihnachten nur Hafergrütze ohne Milch gibt. In einem Film käme man ja auch nicht auf die Idee zwischendurch in ein Buch zu schauen. Warum auch.
    Ich kann mir nur vorstellen, dass man damit das Lesen so zerhackt, dass die entspannte Konzentration auf die eine Sache, in dem Fall das Buch bzw. die Geschichte kaputt geht.
    Und ganz ehrlich? Die Kinder sind sowieso irgendwann so jeck auf Glotzen, das muss man nicht forcen…

    • johnny

      18 November

      Ich denke, ich sehe das sehr ähnlich. Eigentlich finde ich die Idee, ein Buch durch kleine Animationen o.ä. zu erweitern sehr reizvoll. Einerseits. Andererseits ist jedes zusätzliches Element abgesehen von dem Buch und seiner Geschichte doch eher störend – auch für die kindliche Konzentration.
      Vielleicht würde ich die App aber dennoch nutzen. Allerdings dann ohne vorlesen, sondern als eigenständiges, nennen wir es mal: event. Sofern das irgendwie Sinn ergibt.

      LG Johnny

  2. […] werden – oder einfach mit den gängigen Streamingdiensten verbunden werden. In der passenden TigerBooks-App wird es passend zur Box auch bald ein Hörspiel-Abo geben, mit dem man ab 2,99€ monatlich […]

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