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Digitalisierung mit Kind: Meine Tochter spielt mit meinem Smartphone

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Ein großes Internetportal für Mütter präsentiert drei Spiele-Apps für Kinder – und wird dafür von der Leserschaft niedergebrüllt. Als ob die Kleinen nicht schon genug Zeit vor flimmernden Bildschirmen verbringen würden. Raus sollten sie doch lieber gehen. Früher hatten wir sowas doch auch nicht – und hat’s uns geschadet? Sicher ist: Weder sollte man im Internet Kommentare lesen – noch kann man dem Kind die digitale Welt vorenthalten. Ein Kommentar.

Medium vs. Realität! Das ist eine Diskussion, die übrigens schon mit der Erfindung der Schrift, des Buchs oder des Radios aufkam. So und jetzt möchte ich mal die Mamakommentare lesen, die ernsthaft zu behaupten wagten, Bücher oder Hörspiele seien schlecht für ihre Kinder. Freiwillige vor.

Luxus-Debatte Kinder-Apps

Sehr viel anders als eine Spiele-App verhält sich ein Buch indes übrigens auch nicht. Auch Bücher müssen Kindern bis zum Alter von sechs oder sieben Jahren vorgelesen werden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, Lesezeit ist angeleitete Zeit. Das vergisst man ganz schnell. Und auch Kinderspiele auf dem Tablet oder Smartphone sollten nur in Gegenwart eines Erwachsenen ausgeführt werden. Das ist so trivial, dass es einem Finger krümmt, wenn man es wieder und wieder aufschreiben muss.

Sicher, ein Kind verbringt leichter sechs Stunden auf dem Spielplatz, im Wald, auf der Straße oder im Park, als sechs Stunden vor einem Bildschirm. Dass unseren Kindern die Zeit draußen doch nicht schade, kann im Übrigen auch nur diejenige moralin und felsenfest behaupten, die weitab von giftigen Mülldeponien, in relativer Absicherung in vier Wänden und einem Dach lebt – fernab von kriegerischen Auseinandersetzungen.

Was der Vergleich Draußen vs. Digitales Medium mit dem Vergleich Deutschland vs. Entwicklungsland gemeinsam hat? Beide sind hanebüchen. Das würde aber den wenigsten, die in dem Mütterportal kommentiert haben wirklich auffallen. Sei es drum.

Vorlesepapa und App-Spieler

Und nachdem ich mich nun fünf Absätze darüber echauffiert habe, halte ich fest: Des Pudels Locken sind nicht die weltfernen, zutiefst antizivilisatorischen Kommentare (in das böse digitale Netz geschrieben übrigens), sondern schlichtweg die Tatsache, dass ich meine wertvolle Lebenszeit damit verschwendet habe, diese auch noch zu lesen.

Meine Tochter liebt Vorlesegeschichten. Wir lesen pro Tag mindestens drei bis vier Bücher zusammen – das Gute-Nacht-Buch nicht eingeschlossen. Meine Tochter liebt es, durch den Matsch zu springen. Gern auch barfuss. Auch liebt sie es, sich auf die Couch zu setzen und Apps wie „Rudi Regenbogen“ oder „BandDings“ zu spielen – mit mir gemeinsam natürlich. Das eine schließt das andere nicht aus. Dass sie mit ihren drei Jahren aber kaum länger als 15 bis 25 Minuten am Stück pro Tag am Gerät sitzt, erklärt sich von selbst (siehe auch: Schau hin! Der Medienguide für die gesamte Familie). Die bittere Wahrheit ist also: Eine Kinder-App ist kein „vor dem Fernseher parken“, ne. Sorry, Mama und Papa…

Seinen Kleinkindern aber die Grundvoraussetzungen für eine digitalisierte Welt vorzuenthalten, weil es das ja „früher“ auch nicht gab? Und selbst, wenn es sich nur um kleine Spielchen handelt? Nein, das ist zu kurz gedacht. Sich spielerisch einem neuen Medium nähern – etwas anderes macht man mit Pappbilderbüchern für Babies eben auch nicht. Ich persönlich frage mich ja ganz heimlich, welche Eltern wohl am lautesten brüllen werden, wenn ihr Schulkind im Unterricht nur unzureichend die Grundlagen von Internet und Medienkompetenz vermittelt bekommt? Ein Schelm, wer dabei Böses denkt…

Fazit?

Und was lernen wir daraus? Während die einen von der Politik verlangen, Deutschland dürfe online bzw. digital den Anschluss nicht verlieren, lehnen andere ihre Verantwortung in dieser Hinsicht einfach ab und verteufeln die Lebenswelt, in der ihre Kinder sich in Zukunft wiederfinden werden.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. Sari

    12 Oktober

    Beide Kinder nutzen bei uns das Pad und ich finde es absolut ok. Die Zeiten ändern sich nun mal und technische SKills gehören heute zu den geforderten Fähigkeiten dazu. Wie mit Lesen und Co sollte man auch hier zum richtigen Zeitpunkt anfangen, aber eben kontrolliert.

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