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Elternbuch: „Drei Zettel von Lilo“ von Lucie Marshall – Berlin Books

Lucie Marshall „Drei Zettel von Lilo“ Berlin Books

Nach „Auf Highheels in den Kreißsaal“ und „Mama, I need to kotz“ folgt nun Tanya Neufeldts aka Lucie Marshalls dritter Bücherstreich. „Drei Zettel von Lilo“ macht schmunzelnd und nickend und irgendwie auch ein bisschen Mut. Vor allem dann, wenn man als Elternteil genug von gut gemeinten Ratschlägen hat. Wer aber ist Lilo und warum lässt sie manchmal ganz schön die Tassen wackeln? Und warum brauchen wir eigentlich viel mehr Lilos in unserem Leben? Hach…

Worum geht es in „Drei Zettel von Lilo“ von Lucie Marshall

In 13 kurzweiligen Kapiteln lernen wir Lucie und ihren Sohn Sam, sowie ihren völlig entgleisten Alltag der ersten Monate kennen – da draußen, irgendwo im Berliner Großstadttümpel. Das nachbarschaftliche Glück der Anfangszeit heißt indes ganz unerwartet Lilo. Das ist die leicht angeschrägte Dame von oben drüber. Ihrerseits ein Berliner Original und mit ihren wahrscheinlich 70 Jahren auch nicht mehr ganz so taufrisch. Was man aber auf gar keinen Fall tun sollte ist, sie zu unterschätzen.

So entspinnen sich auf gut und gerne 80 Seiten immer wieder ganz alltägliche Szenen zwischen Lucie und der Frau, die manchmal tatsächlich ein wenig schräg, aber doch immer liebevoll und oft sogar auf ihre ganz eigene Art lebensweise daher kommt. Manchmal fragt man sich aber schon, ob es in dem Buch wirklich um den überfordernden Alltag mit Kind geht – oder um die gute Seele Lilo? Oder geht es vielleicht darum, dass wir immer weniger zwischen den Generationen interagieren? Dass wir das, was wir von unseren Großeltern doch irgendwie noch lernen könnten, eben gerade nicht lernen?

Meine Einschätzung als Zettelpapa

So ganz habe ich das noch nicht herausgefunden und ganz ehrlich, so wichtig ist es denn auch gar nicht. Ich habe das Buch nämlich einfach gern gelesen. Allzu viel möchte ich hier an dieser Stelle auch gar nicht verraten, denn jede der 13 Episoden hat ihre ganz eigene Pointe. Meistens jedenfalls. Manchmal bleibt man auch einfach etwas ratlos zurück, was ich aber niemals negativ, sondern eher amüsiert verstanden wissen möchte.

Huch, jetzt gehen hier aber Inhalt und Bewertung gehörig durcheinander. Und ja, jetzt muss es raus: ich bin ganz schön verknallt in Lilo. Und wie könnte man das auch nicht sein? Sie erinnert mich an meine eigene Großmutter, als diese noch mehr bei sich war. Ein wenig schräg und mit ein wenig meine ich so ziemlich sehr. Gefüllt mit straßenschlauen Lebensweisheiten. Das Berliner Original Lilo wird von Lucien Worten so wunderbar eingefangen, dass man die ebenfalls im Text allgegenwärtigen Elternzusammenbrüche manchmal gar nicht so recht wahrnimmt. Oder besser noch: man lächelt darüber, erkennt sich selbst und merkt, hey, das es anderen nämlich auch so geht wie einem selbst.

Fazit

Der Untertitel des Buchs lautet indes „Dieses Buch ist eine Taschenlampe, lass es leuchten“. Dem möchte ich zustimmen und zwar vorbehaltlos. Mein absolutes Lieblingsbuch des Marshall-Trios.

Übrigens: Wer auf Seite 32 ganz genau hinschaut, wird einen leichten Freudschen Vertipper entdecken, über den ich doch etwas lauter lachen musste. Auch, weil er mir auch ständig passiert.

Lucie Marshall (Tanya Neufeldt), Anemone Kloos (Illu.)
Drei Zettel von Lilo
Taschenbuch
Verlag: Berlin Books (2018)
ISBN-10: 3000590226
ISBN-13: 978-3000590221

 

 

 


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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