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Elterngeld Plus: Als Selbständiger Papa mehr Zeit ...

Elterngeld Plus: Als Selbständiger Papa mehr Zeit zu Hause verbringen?

Elterngeld Plus für Selbständige

– In Kooperation mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – Anzeige –

Eine stetig wachsende Schar von Vätern möchte sich stärker in den Familienalltag einbringen, sie möchten teilhaben. Oftmals bleibt jedoch die Zeit, die sie ganz zu Anfang bei der Familie verbringen, auf zwei Monate begrenzt. Im Volksmund werden diese Partnermonate Vätermonate genannt. Zwei Monate. Das ist die Länge eines besseren Erholungsurlaubs, der kaum taugt, langfristig gemeinsame Strukturen aufzubauen. Genau das aber wünschen sich viele Väter. Gemeint ist die Teilhabe – Urlaub wünschen sie sich später vielleicht auch. Mit dem neuen Elterngeld Plus werden Väter, die Elternzeit nehmen, nun länger finanziell unterstützt. Als freiberuflich arbeitender Vater frage ich mich natürlich, ob das wirklich funktionieren kann. Was gilt es zu beachten?

„Es ist doch Wahnsinn. Wie kann man freiwillig das gemeinsame Kind gegen den Schreibtisch eintauschen wollen?“, wunderte sich kürzlich ein junger Vater im Beisein von zirka 10 am Tisch sitzenden Müttern. Eulen nach Athen tragen nennt man das wohl. In der ewigen Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheinen sich allerdings noch immer erstaunlich viele Väter für den Beruf zu entscheiden. Ob sie das nun freiwillig tun oder aus materieller Not heraus, darüber vermag ich nicht zu urteilen. Ich persönlich oute mich hiermit übrigens ebenfalls als Schreibtischverschmäher.

Noch aber scheint diese Art von Vater eine Ausnahme zu bilden. In einer kürzlich erschienenen Umfrage unter 500 Vätern antwortete die überwältigende Mehrheit von insgesamt 75 Prozent auf die Frage, ob sie ihrerseits bereit wären, die eigene Arbeitszeit während der Elternzeit zu reduzieren und statt dessen ‚Elterngeld Plus‘ zu beanspruchen mit „keine Angabe“, „weiß nicht“ oder „vielleicht“.

Vielleicht? Weiß nicht? Wissen Väter denn überhaupt, was es mit dem Elterngeld Plus auf sich hat und wie sie und ihre Familie davon profitieren könnten? Fangen wir also mal ganz vorne an:

Grundlegendes über das neue ‚Elterngeld Plus‘

‚Elterngeld Plus‘ gilt für alle frischen Väter und Mütter, deren Kinder nach dem 30. Juni 2015 geboren wurden. Das bisherige Elterngeld, nun ‚Basiseltern­geld‘ genannt, beträgt wie gehabt mindestens zwei Drittel des Durch­schnitts­netto­einkommens von vor der Geburt. Der Mindestsatz beginnt bei 300 Euro pro Monat und kann die maximale Summe von bis zu 1800 Euro pro Monat erreichen, entsprechendes Gehalt vorausgesetzt.

Bisher wurde Elterngeld für eine Dauer von maximal 12 Monaten gewährt und konnte um zwei weitere Monate verlängert werden, wenn der Partner seine Arbeit aussetzte oder auf Teilzeit reduzierte, um die Betreuung des Kindes zu übernehmen. Das also, was der Volksmund Vätermonate nennt. Mit dem neuen ‚Basiselterngeld‘ ist das noch immer genauso möglich, aber:

Mit dem zusätzlich geschaffenen ‚Elterngeld Plus‘ besteht nun die Möglichkeit, die Laufzeit des Elterngelds durch monatliche Halbierung zeitlich zu verdoppeln. Statt voller Bezüge für 12 Monate sind nun 24 Monate zu je halben Bezügen möglich. Als Konsequenz können auch die Partnermonate (oder auch Vätermonate genannt) von zwei auf vier Monate verlängert werden. Daraus ergibt sich ein möglicher Zahlungszeitraum von insgesamt 28 Monaten.

Darüber hinaus erhalten Eltern, die sich nach Ablauf dieser 28 Monate mindestens für vier weitere Monate parallel um das Kind kümmern und dabei weiterhin in Teilzeit zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten, den so genannten Partnerschaftsbonus. Das bedeutet, beide Elternteile erhalten je vier weitere Monate halbe Elterngeldbezüge. So wächst der Auszahlungszeitraum von ‚Elterngeld Plus‘ auf insgesamt 36 Monate – die ersten drei Lebensjahre des Kindes.

Eine weitere Neuerung: Die Erleichterung der Elternzeitregelung. Eltern dürfen nun zwei der drei Jahre möglicher Eltern­zeit auf die Phase zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes verschieben. Zum Beispiel auf die Zeit der Einschulung, die immer auch eine besondere ist. Habe ich mir jedenfalls von anderen Eltern sagen lassen. Die Elternzeit muss dann lediglich 13 Wochen vorher dem Arbeitgeber gemeldet werden. Eine Zustimmung seitens des Arbeitgebers ist nicht notwendig.

Das Ziel von ‚Elterngeld Plus‘

Die Idee hinter dieser Reform ist schnell auf den Punkt gebracht: Müttern wie Vätern soll der schnelle Wiedereinstieg in das Berufsleben erleichtert werden. Zum einen soll ‚Elterngeld Plus‘ den Verdienstausfall, der durch die Reduzierung der Arbeitsstunden auf Teilzeitniveau entsteht, möglichst auffangen. Zum anderen soll es den ewigen Streit um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Stück weit abfedern. Mütter sollen früher wieder in ihren Beruf einsteigen können, Väter sollen mehr Zeit für ihren Nachwuchs erhalten. Was es nicht bedeutet: höhere Bezüge! Im Vergleich zum ‚Basiselterngeld‘ bedeutet es in den ersten 28 Monaten keine Erhöhung der Bezüge, sondern lediglich die Verringerung der Abzüge bei gleichzeitiger Teilzeitarbeit.

Elterngeld Plus für Selbständige?

Für Selbständige errechnet sich die Höhe des Elterngelds auf Grundlage ihrer Einnahmen im so genannten Bemessungszeitraum. Das bedeutet: nicht die letzten 12 Monate vor der Geburt, sondern das letzte Wirtschaftsjahr ist entscheidend. Auch eine Selbsteinschätzung für das voraussichtliche Einkommen im Bezugszeitraum wird von Selbständigen verlangt. Hierbei ist zu beachten, dass auch nachfließende Einnahmen aus der Zeit von vor dem Bezugszeitraum gezählt werden und die Wochenarbeitszeit 30 Stunden nicht übersteigen darf.

Die Zahlung des ‚Basiselterngelds‘ beziehungsweise ‚Elterngeld Plus‘ erfolgt für Selbständige dann unter Vorbehalt. Nach dem Ende des Elterngeldbezugs wird man von der Elterngeldstelle dazu aufgefordert, Einnahmen wie Ausgaben im entsprechenden Bezugszeitraum offen zu legen. Hierfür dient je nachdem entweder der Einkommenssteuerbescheid oder die einfache EÜR. Angerechnet wird allerdings nur der tatsächliche Gewinn, den man erwirtschaftet hat – nicht der Umsatz.

Mein persönliches Fazit

Als Selbständiger und als Vater treiben mich nach den vielen Informationen zwei konkreten Fragen ganz besonders um:

1. Was passiert im Krankheitsfall? Das Thema „Absicherung der Eltern im Krankheitsfall des Kindes“ ist eines, das man noch konkreter anpacken könnte. Jeder, der selbständig am Markt tätig ist, weiß, wie heikel diese Frage ist. Ist zudem die Partnerin in Teilzeit tätig, verschärft sich diese Situation, denn im Zweifel ist es der selbständige Partner, der oftmals etwas flexibler reagieren kann – und muss. Und dann mit dem Kind zu Hause bleibt.

2. Eine gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf hängt trotz der neuen Möglichkeit des ‚Elterngeld Plus‘ noch immer von vielen voneinander abhängigen Faktoren ab. Auch die Fremdbetreuung des Kindes ist hierbei besonders zu erwähnen, denn: Trotz der wachsenden Zahl von Kindertagesstätten bieten nur verhältnismäßig wenige dieser Einrichtungen Betreuungsplätze für Kinder unter einem Jahr an. Von genau diesen aber bleiben Eltern, die den Anschluss an das Berufsleben nicht verpassen bzw. den finanziellen Ruin vermeiden wollen, noch immer abhängig. Des weiteren verursacht ‚Elterngeld Plus‘ durch die Fremdbetreuung zusätzliche Kosten, die beim ‚Basiselterngeld‘ gänzlich entfallen. Ganz besonders dann, wenn man kein entsprechendes Betreuungsnetzwerk aus Verwandten und Freunden hat, das sich um das Kind kümmern kann. In Berlin wird ab Mitte nächsten Jahres die Fremdbetreuung für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr kostenfrei. Eine generell kostenfreie Betreuung für alle Kinder würde hierbei nicht nur Selbständigen bzw. ‚Elterngeld Plus“-Beziehern helfen.

Darüber hinaus denke ich, dass die Möglichkeit, den Bezugszeitraum durch ‚Basiselterngeld‘ und ‚Elterngeld Plus‘ flexibel bis auf 36 Monate gestalten zu können, durchaus positives Potential hat. Man sollte sich aber im Vorfeld genau überlegen, für welches Modell man sich entscheidet. Meine Tochter ist mittlerweile eineinhalb Jahre alt und in guten Kita-Händen. Mit einem vollgestillten Baby, das nicht immer ganz einfach war, würde unser Modell wohl so aussehen:

Monat 1 bis 10: 
Mutter – Basiselterngeld, Vater – reduziert selbständig tätig = mehr Zeit zu Hause 

Monat 11 bis 14: 
Mutter – Teilzeitarbeit, Vater – Elterngeld Plus, Selbständigkeit ruht

Monat 15 – 18: 
Mutter – Elterngeld Plus + Teilzeit, Vater – Elterngeld Plus + Teilzeit = Partnerschaftsbonus

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, siehe Grafik


Alle weiteren Informationen sowie ein Elterngeldrechner findet ihr auf der Webseite: www.elterngeld-plus.de


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. […] Und ganz aktuell hat sich Johnny vom Weddinger Berg die Möglichkeiten des Elterngeld Plus für Selbständige angeschaut. […]

  2. Thomas

    14 Februar

    Letztendlich soll das Elterngeld Plus mehr Flexibilität bieten. Ob sich das allerdings für alle Familien eignet, muss man sich von Fall zu Fall genau anschauen. Dennoch ist dies für viele eine tolle Möglichkeit, um insbesondere in den ersten Monaten mehr Zeit für die Familie zu haben.

  3. […] Plus: Als Selbständiger Papa mehr Zeit zu Hause verbringen? (johnnyspapablog.de, abgerufen am […]

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