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Equal Care Day 2017: Mehr Fragen als Antworten

Equal Care Day 2017: Mehr Fragen als Antworten

Für den 29. Februar wurde der Equal Care Day ausgerufen. Dieses Jahr ist allerdings überhaupt kein Schaltjahr und doch bleibt die Versorgung des Kindes auch 2017 Sache aller Elternteile. Alleinerziehende lächeln milde, Mompreneure haben leider keine Zeit, um das überhaupt zu lesen. Und was steckt eigentlich dahinter, dass es bis heute eigentlich keine wesensverwandte Übersetzung für „equal care“ oder Care-Arbeit gibt? Fragen, Fragen und immer weniger Antworten.

Als Sohn einer Alleinerziehenden, der seinen leiblichen Vater nie kennengelernt hat, gab es für mich kein gelebtes Familienmodell, auf das ich hätte zurückgreifen können. Und doch entschied ich mich als Erwachsener, wahrscheinlich bevor ich überhaupt wusste, was ich da tat, für das klassischste aller Familienmodelle. So blindlinks ich trotz abgebrochenem Soziologiestudiums in diese Falle getappt bin, so bewusst habe ich mich dann doch sehr rasch gegen den augenblicklich einsetzenden Wettlauf um die mir bis dato unbekannte Vereinbarkeit entschieden. Solle mir niemand nachsagen, ich tappte zweimal in die selbe Falle! Es gibt da dieses alte, texanische Sprichwort: „Fool me once, shame on.. you. Fool me.. you can’t get fooled again!“ Sie haben mich schon verstanden!

Ob wir heute ein 50/50-Modell leben? In manchen Bereichen sicherlich, wenn auch nicht in allen. Als heute Selbständiger bringe mich in das Leben meiner Tochter sowie allen damit zusammenhängenden Verpflichtungen soweit ein, wie es mir möglich ist. Um mehr Zeit mit meiner großen Kleinen, kleinen Großen verbringen zu können, habe ich meine berufliche Situation entsprechend angepasst – und jedwede Arbeitnehmerschaft gekündigt. Das ist eine persönliche Entscheidung, für die ich weder als Vorbild, noch als „moderner Vater“ verunglimpft werden möchte. Die attributlose Bezeichnung „Vater“ reicht mir völlig.

Ich verbringe pro Woche etwas weniger als 40 Stunden mit meiner Tochter. Das sind mehr Stunden als ich arbeitend am Rechner sitze. Teilzeit-Arbeit vs. Vollzeit-Vater. Ein Tausch, dem ich immer wieder zustimmen würde – bei aller Umstellung und bei aller finanzieller Entbehrung. Mehr darüber habe ich übrigens hier geschrieben:

Sich als Vater selbständig machen, oder: Tausche Kind gegen Karriere

So einfach mir dieses Vatersein manchmal auch erscheinen mag, so sehr weiß ich auch, dass ich dank Universität und Berufssparte privilegiert bin. Auch die Tatsache, dass ich meinen eigenen Vater niemals kennengelernt habe, versetzt mich in eine eher ungewöhnliche Position. Schon in jungen Jahren war ich so ganz nebenbei dazu gezwungen, mir um dieses Vatersein Gedanken machen. Mein Teenager-Ich schloss recht schnell und alternativlos: „Wer ein Kind in die Welt setzt, sollte sich drum kümmern!“

Heute sage ich ein klein wenig differenzierter: Alle Elternteile haben eine handlungsorientierte Verantwortung gegenüber dem Kind, die mit finanzieller Verantwortung allein nicht abgegolten werden kann.

Wie gerne und oft schreibe ich darüber, dass Väter sich stärker engagieren sollten. Immerhin ist die Zeit als Vater sehr begrenzt und eh man sich versieht, ist der Nachwuchs dem elterlichen Vogelnest entwachsen. Wie oft frage ich mich, warum Väter sich nicht mehr Zeit für ihren Nachwuchs nehmen?

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Elterngeld als politisches Instrument weder Väter als solche noch die Familie stärkt. Es richtet sich vornehmlich an den Mittelstand und darüber. Der klassische Bauarbeiter bleibt dort, wo er Geld verdienen muss – und die Familie auf der Strecke.

Warum sich aber auch andere Väter immer wieder gegen die Familienzeit entscheiden? Junge Akademiker zum Beispiel, Väter mit Partnerinnen, die ihrerseits just den Jobeinstieg geschafft haben oder auch Angestellte in ernsthaft familienfreundlichen Unternehmen. Kinder gehören dazu, sind aber nicht Lebensmittelpunkt. So weit, so richtig, aber ist das auch gut so?

Heute ist Equal-Care-Day und ich frage mich: Ist es Zufall, dass es für diesen sperrigen Begriff keine wesensverwandte Übersetzung gibt? Wie sollte es auch heißen? Care-Arbeit? Darunter kann man sich als jemand, der nicht in den entsprechenden Diskursen steckt, nur wenig vorstellen. Aber machen wir uns nichts vor: Würden sich mehr Väter ihrer Familie und ihren Kindern zuwenden, müssten wir uns nicht über sperrige Begriffe unterhalten! Und wenn sie mich jetzt entschuldigen würden, meine Tochter hat Fieber und möchte ein Buch lesen. Oder auch zwei oder drei. Vorlese-Papa to the rescue! Alles wie immer halt…

Mehr zum Thema Equal Care Day findet ihr auf DIESER Webseite!


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. Mann – auf der Tastatur ausgerutscht. Das war ein <3. Und die Adresse hat da nix verloren. Kannst du das korrigieren, bitte?

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