Vatersein
Schreibe einen Kommentar

Sorry, Girls Day, ich bin kein Mädchenpapa!

Ich bin Vater einer Tochter. In unbesonnenen Momenten ertappe ich mich dabei, wie ich mich selbst als „Mädchenpapa“ bezeichne – und dann vor mir selbst erschrecke. Sich selbst als Vater zu identifizieren und damit auch ein Stück weit über das Kind zu definieren, das erscheint mir sinnig. Aber spielt das Geschlecht hier wirklich eine Rolle – und wenn ja, warum? Späte Gedanken zum Girls Day 2017.

Ob Jungsmama, Mädchenpapa, Katzentante oder Hundehalter. Sie alle haben tatsächlich etwas gemeinsam, denn: Sie definieren sich über etwas, was sich in ihrer Obhut befindet. Und genau diese Verantwortung prägt. Nicht nur die Art und Weise, wie man die Welt wahrnimmt, sondern auch sich selbst. „Deformation professionelle“ wie es im Fishbowl-Gespräch auf der #blogfamilia hieß. Andere würden sagen „professional damage” – ich aber gehe bei beiden Begriffen nicht mit, denn im Elternsein kann ich nichts, aber auch wirklich rein gar nichts „professionelles“ entdecken.

Vater-Tochter-Beziehung, oder: Ich bin kein Mädchenpapa

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass sich besonders Väter von Töchtern gerne mal als Mädchenpapa bezeichnen. Auch ich bin Vater einer Tochter. Auch ich habe mich schon als solcher, also als Mädchenpapa bezeichnet. Was für ein Unsinn eigentlich.

Macht es einen Unterschied für das Vatersein, ob das Baby auf dem Arm ein Mädchen oder ein Junge ist? Wie wäre es, hätte ich heute einen Dreijährigen zum Sohn? Was würde sich ändern? Würde sich überhaupt irgendetwas ändern? In der Sache, also für mich, wohl kaum.

Wussten Sie eigentlich: Rhesusaffen behandeln ihren Nachwuchs angeblich unterschiedlich. So werden Affenmännchen von ihren Müttern strenger und gewaltförmiger angegangen als weiblicher Nachwuchs. Einerseits. Andererseits gibt es Affenmännchen, die hormonell tatsächlich co-schwanger werden – und sich zu gleichen Teilen um das Neugeborene kümmern. Halten wir also fest: Der Blick in die Tierwelt ist nur wenig erhellend.

Mädchenpapa, das klingt nach Vätern, die auch mal empathisch, albern und rosa sein dürfen, die Nähe zulassen können und unbescholten mit des Tochter Puppen spielen dürfen. Es klingt so besonders, dass man es betonen darf und muss. Dabei geht es doch überhaupt nicht um das Geschlecht des Kindes. Es geht schlichtweg darum, wie man sich selbst in die Rolle des Vaters findet. Ich bin Papa eines dreijährigen Kindes. Dieses Kind zieht einen Glitzerpulli an und springt mit diesem durch die Matschepampenpfützen – oder spielt mit einer Puppe auf dem Arm Fussball.

Und dann war da noch der Girls Day 2017

Microsoft präsentierte im Rahmen dieses Girls Day 2017 kürzlich eine Studie (hier: Whitepaper als pdf), die nachweisen sollte, dass Mädchen in den naturwissenschaftlichen Studienfächern noch immer stark unterrepräsentiert sind. Interessantes Detail des Pressegesprächs: 90 Prozent des Publikums ist weiblich. Die wenigen Männer gehören entweder zu Funk und Fernsehen, zu Microsoft selbst – und dann gibt es mich. Mehr muss man über dieses Phänomen wahrscheinlich auch gar nicht wissen. Einerseits.

Andererseits scheint das Problem gar nicht so sehr in der Besucherschaft eines Presse-Events oder der Familie und auch nicht in der Ausbildung, es liegt wesentlich tiefer als das. Bei Vätern und Lehrern, bei Müttern und Lehrerinnen, bei Professoren, die ihrerseits davon ausgehen, dass Frauen sich naturgemäß für Blumen und Mode interessieren und eben gerade nicht für das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Dabei wünschen sich Mädchen laut Studie nichts anderes als weibliche Vorbilder – nicht nur in der Ausbildung, sondern auch schon zu Hause.

Als Vater möchte ich natürlich den mathematischen, wissenschaftlichen Gelüsten meiner Tochter so weit wie möglich nachkommen. Und doch kann ich wirklich nur einen kleinen Teil dazu beitragen, indem ich sie ermutige und darin bestärke, neugierig zu sein, sich nicht beirren zu lassen. Bei einem schüchternen Kind indes gar nicht so leicht. Hoffnung gibt mir allerdings eine andere Statistik, die sinngemäß besagt, dass Töchter, deren Väter mehr Haushaltsaufgaben (lies: angeblich weibliche Tätigkeiten) im späteren Leben signifikant häufiger Jobs ergreifen, die angeblich weniger frauentypisch sind – was auch immer das heißen mag.

Dennoch: Ob Vater-Tochter-Beziehung oder die zum eigenen Sohn, mein Fazit: Sorry, Girls Day, ich bin kein Mädchenpapa – und ich brauche auch nächstes Jahr bestimmt keinen Girls Day. Meine Tochter aber vielleicht schon. So traurig das auch klingen mag. Und so werde ich als Vater wohl auch nächstes Jahr wieder den Girls Day feiern. Bis dann…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.