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Kinderbuch: „Guck doch mal: Ein Medien-Märchenbuch...

Kinderbuch: „Guck doch mal: Ein Medien-Märchenbuch“ von Johanna E. Fülle – JP Oversized

Kinderbuch: „Guck doch mal: Ein Medien-Märchenbuch“ von Johanna E. Fülle - JP Oversized

Das Thema Smartphone und vieles, was mit diesem Gerät zusammenhängt, wird in Elternkreisen ja wirklich häufig diskutiert – und das gerne auch mal untereinander, hinter vorgehaltener Hand und noch viel öfter mit dem berüchtigten „Du, Du, Du“-Finger. „Guck doch mal“ richtet sich als sogenanntes Medienmärchen vorrangig erst einmal an die Kinder. Kann das aber gut gehen? Und ist es wirklich so dramatisch, wenn Mama Biene mal ihr Handy verliert? Oder geht es am Ende etwa doch auch um die Erwachsenen?

Inhalt: Guck doch mal – Johanna E. Fülle

Die erste Szene kommt uns allen besonders im Winter doch sehr bekannt vor. Hannes und seine Bienenmama sind gerade unterwegs in die Kita. Und da Bienen ja bekanntlich viele Beine haben, können sie auch ganz viele Dinge gleichzeitig tun – und währenddessen sogar noch das Handy festhalten. Und genau das macht Hannes‘ Mama am liebsten: mit dem vom Handy erleuchteten Gesicht mit Hannes zur Kita fliegen. Irgendwann will Hannes das auch können, dafür bewundert er seine Mama.

Das bedeutet aber auch, dass Hannes unterwegs ganz andere Dinge sieht, die seiner Mama überhaupt nicht auffallen. Das Mondlicht zum Beispiel. Daran hat Hannes seine helle Freude und natürlich mag er diese unbedingt mit Mama teilen – doch die bleibt mit ihren Augen immer nur am Bildschirm kleben. Später, als sie ihn von der Kita abholt, scheint Mamas Stimmung auch nicht viel besser zu sein – bis diese nach einem Streit mit der Erzieherin ihr Handy fallen lässt. Natürlich fliegt sie hinter her, doch nach einer langen Weile kommt sie handylos wieder zurück. Erst in dieser Szene erkennt sie, dass sie mehr Zeit mit dem Bildschirm, als mit ihrem Sohn verbracht hat. Das erschüttert sie natürlich sehr. Auch deswegen nimmt sie sich von nun ganz bewusst die Zeit. So singen die beiden, schauen die Sonne an – und vielleicht kaufen sie morgen gemeinsam ein neues Handy, welches dann aber weniger genutzt werden soll. Ganz sicher.

Meine Einschätzung als Smartphonepapa

Schon als wir „Guck doch mal“ zum ersten Mal gelesen haben, fragte ich mich, für wen dieses Buch insgeheim eigentlich geschrieben sei: für den vorlesenden Erwachsenen oder doch für das Kind? Der Titel ist aus Sicht des Bienenjungens formuliert, klar. In der Geschichte selbst werden die Empfindungen und Erlebnisse beider Charaktere sehr ausführlich und lebhaft dargestellt. Die Geschichte lässt sich sehr viel Zeit und beleuchtet viele unterschiedliche Aspekte – aus allen Richtungen. Am Ende geht es vielleicht auch gar nicht so sehr um Medienkompetenz oder das Vorbildsein für unsere Kinder, sondern um die Achtsamkeit. Achtsam mit sich selbst, achtsam mit anderen. Dies gemeinsam zu leben. So ergibt es auch jede Menge Sinn, am Ende der eigentlichen Geschichte neben einer riesigen Ausmalseite auch jede Menge Bienenspiel-Ideen vorzufinden. Mit größeren Kindern kann man zum Schluss sogar gemeinsam eine Liste rund um das Thema Smartphone-Nutzung zusammenstellen. Schöne Idee.

Das Thema aber ist und bleibt ein wichtiges. Und manchmal auch ein schwieriges. Umso erstaunlicher, dass dieses Buch, im Gegensatz zu Eltern auf dem Spielplatz, ganz ohne Zeigefinger auskommt. Klar, Mama Biene kommt ja von selbst in der Geschichte auf den Gedanken, dass ihr Smartphone vielleicht nicht ganz so gut für die Beziehung zu ihrem Sohn sein könnte. Dennoch macht diese Wertfreiheit die Geschichte zugänglich – und zwar Großen wie auch Kleinen.

Letztere können sich zudem an den wirklich großformatigen Illustrationen erfreuen, die häufig schön akzentuiert die Gesichter von Mama Biene und Hannes zeigen. Mit gut und gern 21 Doppelseite reiner Geschichte ist Bilderbuch indes auch hier eher für ältere Kinder ab fünf Jahren geeignet. Am meisten von diesem Buch werden aber sicherlich Kinder im Grundschulalter haben, da sie auch die Spiele und Übungen gut erfassen und ausfüllen können. In diese Richtung geht ja auch die offizielle Leseempfehlung.

Fazit

Das Medienmärchen „Guck doch mal“ von Johanna E. Fülle, Robert Behrens und Jenny Karow beleuchtet das Thema Mediennutzung aus Kinder- wie aus Elternsicht und erschafft dabei eine Geschichte, die beide zum Nachdenken anregt.

Übrigens: aus erster Hand weiß ich, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis es ein entsprechend altersgerechtes Werk mit dem gleichen Thema geben wird – von den gleichen Menschen, die auch dieses Kinderbuch erschaffen haben. Ich sage nur soviel: haltet euren Flugmodus fest!

 

Johanna E. Fülle (Autorin), Jenny Karow (Illustratorin), Robert Behrens (Draft Writer)
Guck doch mal
JP Oversized: 60 Seiten
Verlag: Guck doch mal; Auflage: 1 (6. Dezember 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3981925300
ISBN-13: 978-3981925302
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

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Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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