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Kinderbuch: „Tief im Wald – Ein Volksmärchen“ von Christopher Corr – aracari Verlag

„Tief im Wald“ von Christoph Corr. Ja, es ist wieder Zeit, ein zeitloses russisches Volksmärchen in die Moderne zu holen. Dieses Mal ist es die Geschichte vom Haus im Wald und der Maus, die dort hineinschlüpfte. Und dieses Mal wohnt nicht schon der Bär in diesem Haus, sondern will er erst dort einziehen. Aber natürlich ist er viel zu groß und so geht das Haus leider kaputt. Wird er das Haus reparieren können? Und wie werden die anderen Tiere darauf reagieren? Nur so viel ist klar: die Geschichte trägt ihren Zusatz „Märchen“ völlig zurecht – vorbildliches Konfliktverhalten inklusive.

Inhalt: Tief im Wald: Ein Volksmärchen- Christopher Corr

Tief im Wald steht ein kleines Holzhaus mit neun Fenstern und einer roten Tür. Bewohnt ist es nicht, noch nicht jedenfalls, denn eines Tages kommt eine kleine Maus an dem Haus vorbei – und zieht einfach mal ein. Natürlich muss sie erst einmal alles schön und blitzeblank putzen. So herausgeputzt schaut eines Tages ein grüner Frosch vorbei und möchte ebenfalls in des Mäuschens neuem Haus einziehen. Es folgen im Verlauf noch Kaninchen, Biber und Fuchs und dann Hahn, Hirsch und Eichhörnchen. Und natürlich auch Eule, zwei Elstern und der Specht. Und schon sind alle neun Fenster bewohnt.

Dies wird mit einem kleinen Fest ordentlich gefeiert, als ganz in der Nähe ein Bär vorbeiläuft – und vom dem Fest im wahrsten Sinne des Wortes Wind bekommt. Und natürlich möchte der Bär ebenfalls in die tierische WG einziehen. Doch so sehr alle Tiere ihn davon zu überzeugen suchen, dass kein Platz mehr für ihn wäre. Dass das Haus doch viel zu klein wäre, so sehr lässt sich der Bär nicht von seinem Ansinnen abbringen. Und so passiert das Unweigerliche: beim Versuch, es zu beziehen, zerstört der Bär das kleine Holzhaus.

Was nun? Die Tiere haben ja nun kein Zuhause mehr. Was aber, wenn sie einfach gemeinsam ein neues Haus bauen, in dem sie alle Platz finden? Gesagt, getan. Wird das aber wirklich funktionieren? Werden alle Tiere mit dem Bären an einem Strang ziehen? Und werden sie am Ende vielleicht sogar gemeinsam eine Einweihungsparty feiern?

Meine Einschätzung als Waldbärenpapa

Die Geschichte von einem kleinen Holzhaus mitten im Wald und einem Bären, der irgendwie etwas mit diesem Haus zu tun hat. Ja, das will mir doch bekannt vorkommen. Fehlt eigentlich nur noch das Menschenkind. Aber Spaß beiseite. „Tief im Wald“ von Christopher Corr“ ist mit dem Zusatz „Ein Volksmärchen“ überschrieben und genau so liest es sich auch. Eine märchenhaft Erzählung davon, wie ausgerechnet eine Maus, das kleinste alle Waldtiere, eine Entdeckung macht. Auf etwas mehr als 13 Doppelseiten entwickelt sich so eine interessante Waldtier-WG, in der wirklich alle ihren Platz finden. Aber wie das immer so mit Gemeinschaften ist, es gibt immer jemanden, der auf den ersten Blick nicht hineinpassen mag. Das ist bei Menschen, bei den Tieren scheint es nicht anders.

Dann aber passiert etwas Wunderbares, denn anstatt den Bären für immer dafür zu ächten, dass er das Holzhaus aus Versehen zerstört hat, beginnen alle Tiere an einem Strang zu ziehen. Oder anders formuliert: das Konfliktverhalten der Tiere ist geprägt von Ruhe und Empathie. Warum hat der Bär das Haus kaputt gemacht? Wie können wir das ändern und zwar so, dass alle ihren Platz finden? Für die Tiere, aber auch die Vorlesekinder ein wertvoller Moment. Selbst Erwachsene eskalieren eher, als das sie gemeinsam Lösungen finden. Dabei ist letzteres eigentlich ganz leicht, wenn man sich nur kurz in den anderen hineinversetzt – und dann Lösungen bzw. Kompromisse zu finden bereit ist. Leichter gesagt, als getan.

In dieser Hinsicht trägt die Geschichten ihren „Märchen“-Zusatz zurecht. Eine klare Geschichte mit klarer Aussage und beides mit modernen Illustrationen traumhaft in Szene gesetzt. Gut geeignet für Kinder ab drei Jahren oder älter, obgleich die Leseempfehlung für Kinder ab vier Jahren gilt. Die Illustrationen sind aber tatsächlich gemeinsam mit den Textstellen auch für erfahrene jüngere Vorlesekinder gut zu erfassen. Das ist dann auch gleichzeitig mein Fazit.

Übrigens: Ebenfalls aus dem aracari Verlag ist dieses wunderschöne und gleichzeitig so wichtige Kinderbuch: Auch solche Tage gibt es von Young ah-Kim. Es handelt davon, dass es auch traurige Gedanken und Gefühle gibt – und das dies auch völlig in Ordnung ist.

Tief im Wald
Christopher Corr (Autor, Illustrator), Ilse Layer (Übersetzerin)
Gebundene Ausgabe: 40 Seiten
Verlag: aracari (29. August 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783907114001
ISBN-13: 978-3907114001
ASIN: 3907114000
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 4 – 6 Jahre
Originaltitel: Deep in the woods
Größe und/oder Gewicht: 22,8 x 1,2 x 30,6 cm

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Preis: EUR 18,00

Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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