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Kindergeburtstag feiern, die Dritte, oder: Mein er...

Kindergeburtstag feiern, die Dritte, oder: Mein erster dritter Geburtstag

Sie schläft nicht durch, sie läuft nicht gern selbst und letzte Woche wurde sie ein ganzes Jahr jünger eingeschätzt. Und doch ist es heute soweit: Meine Tochter feiert ihren dritten Geburtstag. Und ein bißchen ist es auch mein erster dritter Geburtstag. Anfangs, so kurz nach der Geburt, machte ich mir noch Sorgen ob der körperlichen bzw. geistigen Gesundheit meiner Tochter. Heute könnten mir solche Gedanken tatsächlich kaum ferner sein.

Hauptsache gesund?

Als meine Tochter und ich erst wenige Stunden alt waren. Sie als Kind dieser Welt, ich als ihr Papa, da wusste ich es noch nicht. Würde die Kleine gesund sein oder haben die Ärzte vielleicht doch etwas übersehen? Während unserer ersten Begegnung griff ich intuitiv ihre winzige, erstaunlich schrumpelige Hand. Sie aber griff nicht nach meiner. Sollten Babies nicht reflexartig zugreifen? Hatte ich das nicht in irgendeiner Serie gesehen – fifty shades of greys anatomy oder so? Und was bedeutet es überhaupt, wenn ein Baby nicht zugreift? Memo an mich: Niemals Elternforen lesen. NIEMALS Elternforen lesen! Eine Lektion, die man gar nicht früh genug erteilt bekommen kann!

Heute, fast auf den Tag genau drei Jahre und zwei Kindergeburtstage später, könnten mir diese sorgvollen Gedanken kaum ferner sein. Das gleiche gilt im Übrigen auch für Elternforen – oder Facebook-Gruppen. Selbstverständlich entscheidet die Frage, ob das Kind gesund ist oder nicht darüber, wie Zukunft und Alltag mit Kind aussehen werden. So frage ich mich manchmal schon, was passiert wäre, hätten sich meine damaligen Befürchtungen auf irgendeine Weise bestätigt? Dann zum Beispiel, wenn ich einen Vater mit seinem Kind im Rollstuhl sehe – während er auf dem Spielplatz heimlich am Flachmann nippt (also der Vater). Oder wenn ich höre, wie jemand sehr Entferntes sein Neugeborenes so lange geschüttelt hat, bis die Gehirnblutungen das Kind irreparabel, nennen wir es mal verändert haben.

Sicherlich wäre der Alltag mit einem behinderten Kind (so falsch sich diese Wortwahl auch anhört) heute ein fundamental anderer. Etwas anderes Fundamentales wäre hingegen genau das, was es heute ist: das Gefühl. Das Gefühl, das wir zusammengehören. Ja, ich bin mir unumstößlich sicher, rein gar nichts wäre heute anders. Bis auf alles vielleicht. Ob meine Tochter eine chronische Erkrankung hat, eine sonst wie geartete geistige oder körperliche Behinderung oder eben nicht. Meine Tochter bliebe sie unveränderlich – und ich ihr Papa. Das ist doch eigentlich ganz einfach. Ich brauch‘ manchmal nur etwas länger, um von selbst drauf zu kommen.

Gebt mir ein, zwei, viele Kindergeburtstage

Immer wieder höre ich ja, wie schwer die Zeit rund um den dritten Geburtstag angeblich sei. Wie wütend die Kinder werden würden – und wie starrsinnig. Meine Tochter war schon immer ein starrsinniger Dickkopf. Daran wird sich wohl auch in den kommenden Monaten bis Jahren nur wenig ändern. Dennoch stimmt es, Kinder durchleben sehr widersprüchliche Phasen und das ist alles sehr verwirrend – für uns alle. Immer wieder höre ich, Kinder brächten die unangenehmsten Züge in einem selbst zum Vorschein – indem sie diese kopieren. Oder so ähnlich.

In diesem Zusammenhang wurde mir ja schon oft die Frage gestellt, was ich denn von mir in meiner Tochter sähe? Wo denn unsere Gemeinsamkeiten lägen – abgesehen von Äußerlichem natürlich. Anfangs zögerte ich noch – was hätte ich auch sagen sollen? Doch je älter meine Tochter wird, desto leichter fällt es mir, das Gemeinsame zu sehen und ich weiß nicht, ob ich das gut finden oder ob es mir Angst machen soll. Ich sehe ja in so vielem, was sie tut, mich selbst. Oder anders gesagt: Ich verstehe die Kraft hinter dem, was sie tut und tun möchte. Wenn sie Rituale ändert. Wenn sie Worte erfindet oder wenn sie einfach verschiedene Lieder miteinander kombiniert. Das darf auch gern in den kommenden Jahren so bleiben. Nur eine einzige Sache, die werden wir beide wohl niemals mehr gemeinsam haben. Ich selbst sollte und wollte meinen leiblichen Vater nie kennen lernen. Meine Tochter ihren hingegen schon. Der ist zwar manchmal etwas launisch und vielleicht auch eine unfaire Diva, aber naja, niemand ist perfekt, ne.

Bei all dieser widersprüchlich spannenden Erfahrung, kann ich eines aber definitiv ruhigen Gewissens behaupten: Jeder Erwachsene braucht eine Dreijährige. Oder einen Dreijährigen. Es gibt nichts Schöneres. Diese Mischung aus Gebrauchtwerden und Loslassensollen, zurückfallen in alte Rollen und unbedingtem Behauptungswillen, „Nein, ich mach das ALLEINE!“ – „Papa, Arm!“ Meine Tochter mag ein Dickkopf sein, ein Tyrann ist sie indes nicht. Sie ist der erste Mensch, den ich für eine solange Zeit in solch jungen Jahren begleiten darf. Und dafür darf ich dann auch gern mal ein wenig dankbar sein. Einfach so.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. Südland Mama

    30 März

    Herzlichen Glückwunsch an die Kleine!!!

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