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Kita-Karneval oder Fasching? Am liebsten ohne mich...

Kita-Karneval oder Fasching? Am liebsten ohne mich…

Fasching, Karneval, Fastender oder wie ich es nenne: Verkleiden ist doof. Ich selbst feiere keinen Karneval. Auch keinen Fasching und schon erst recht kein Halloween. Die Kita hingegen schon, also ersteres, wenn auch nicht weniger gruselig. Einen Kita-Karneval? Dies werte ich wiederum als revolutionären Akt gegen meine Elternschaft. Zu allem Überfluss will sich meine Tochter als blaue Maus verkleiden. Ein ebenfalls durchaus revolutionärer Akt, den ich aber überraschend wohlwollend unterstütze. Haben wir uns früher eigentlich auch schon so oft verkleidet? Ein karnevalistisches Ächz, ächz, ächz!

Früher, in einem Land vor unserer Zeit, da feierte man wild und ausgelassen, um den Göttern eine Freude zu bereiten. Ein Konzept, dem ich nicht nur als Schüler und Student einen überaus hohen Stellenwert beigemessen habe. Im Judentum findet man übrigens ähnliches und zwar an Purim. Einen Tag, an dem man so ausgelassen feiern soll (lies: sich rotzevoll laufen lassen), bis man plump gesagt Freund von Feind nicht unterscheiden kann. Bei Karneval ist das wohl auch kaum anders…

Meine Tochter möchte sich in diesem Jahr und bislang noch ohne bewusstseinseintrübende Substanzen ebenfalls verkleiden. Sie möchte ausprobieren. Nicht nur neue Röcke oder Zöpfe, sondern vielleicht auch neue Seiten an ihr selbst. Neben oder hinter hier stehend freue ich mich natürlich auch, wenn sie sich selbst im Spiegel bestaunt – als blaue Maus im Glitzerrock. Im letzten Jahr war sie übrigens auch schon eine Maus, wenn auch mit deutlichen Anleihen eines Hundes. Eine Hundsmaus, wenn man so will.

Kita-Karneval: Landstreicher vs. Elsa

Mein letztes echtes Kostüm das des Landstreichers bzw. Obdachlosen. Zerrissene Jeans, Holzfällerhemd, Struppifrisur. Wie so’n echter Hipster, nur 20 Jahre zu früh – und viel zu real. Ich war meiner Zeit eben doch schon immer weit voraus. Mein letztes Kostüm als Erwachsener war indes mindestens genauso einfach gehalten: weißes Hemd, Namensschild und Fönfrisur. Fertig war das Wunderkind namens Doogie Howser M.D. Landstreicher und Wunderkind, mehr muss man über mich in aller Bescheidenheit wahrscheinlich auch gar nicht wissen.

Das erste Kostüm meiner Frau Doktor Mama Löwe war die Maus. Wenn auch mit deutlichen Hund-Anleihen. Tun wir einfach so, als wäre sie eine Schäferhundmaus gewesen. In diesem Jahr, bei aller Freude am Experimentieren und Sichausprobieren, will sie abermals als Maus den Kita-Karneval begehen. Als blaue Maus – mit Glitzerrock. Und so sehr ich dem Verkleidungstreiben skeptisch gegenüber stehe, bin ich auch ein wenig stolz. Immerhin hat sie sich das Tier wie auch die Stoffe, aus dem das Kostüm besteht selbst ausgesucht. Welche eine Wohltat meine Tochter in diesem unaussprechlich langweiligen Meer aus Elsas und Annas! Naja, eigentlich nur Elsas, denn frei nach dem Lindgren-Klassiker heißt es doch schon immer: Sei Pipi, nicht Anna.

Schon Goethe sagte: Mehr Pfannkuchen

Beim Anblick der vielen uniformiert verkleideten Kinder, fällt mir der alte, gänzlich unpreußische Napoleon wieder ein: Karneval verbieten! Was soll der Mummenschanz? Ich jedenfalls könnte gut und gern darauf verzichten. Wäre da nicht bloß diese eine Sache, die mir jedes Jahr auf’s Neue diesen Tag der eskalierten Kleiderordnung ein wenig versüßen würde. Und das ist ganz wortwörtlich zu nehmen, denn: Zu Fasching gibt es Pfannkuchen. Nein, keine Krapfen, keine Berliner, keine Kreppel und auch keine Krepplach, Muffel oder Prilleken. Und was genau sollen Faschingsbrezeln überhaupt sein? Es heißt Pfannkuchen, Pfannkuchen und drei Mal schwarzer Kater Pfannkuchen!

Diesen unmißverständlich süßen wie wichtigen Bildungsauftrag übernehme ich in diesem Jahr auch in der Kita meiner Tochter – wieder nicht! Ich bin bei aller Eignung auch in diesem Jahr nicht der Pfannkuchen-Beauftragte. Das wird aber dennoch nicht davon abhalten, gemäß alter Familientradition einen einzelnen Pfannkuchen nicht mit Pflaumenmus, sondern mit Curry-Ketchup zu befüllen. Gestreng dem Matrix-Reloaded-Motto: Some things never change but some things do. Matrix-was? Die Älteren erinnern sich vielleicht an die unglückliche Fortsetzung eines Films, der so ähnlich wie Star Wars Episode eins bis drei eigentlich gar nicht existiert.

Ich fürchte allerdings, dass das Kind, welches den präparierten Ketchup-Pfannkuchen erwischt, erfreut ob des Ketchups sein wird, anstatt fuchsteufelslaut angeekelt zu sein. Leider wurde mir der Einsatz von selbst mittelscharfem Senf von der Erziehern im Vorfeld bereits strengstens untersagt. Doofes Erzieher-Team!

Was will uns der Autor damit sagen?

Und die Moral von der Geschicht? Verkleidung kann man machen, muss man aber auch nicht. Sei alles, aber bitte keine Elsa. Ansonsten heißt es: Jedem Tierchen sein Pläsierchen und jeder nach seiner eigenen Fassong, wie wir hier in der Hauptstadt sagen. Und mit diesen wirren, teils widersprüchlichen Gedanken verabschiede ich mich auch schon wieder. Worum es in den vergangenen Zeilen eigentlich genau ging? Ging es um Fasching, ging es um das Verkleiden, ging es um die blaue Maus? Die blaue Pille, ja was denn nun?

Ehrlich gesagt, ich selbst weiß es auch nicht so genau. Weder Verkleiden noch Fasching liegt mir nahe, aber Nonsens mag ich hingegen sehr. Ich bin der Schalk, der Gutes will und Pfannkuchen schafft. Tun wir doch einfach so, als wären diese Zeilen ein kleiner Beitrag zu dem bunten Irrsinn, den dieses Land an diesem Faschingstag vielerorts erfasst. In diesem Sinne, Quatschiequatsch machen!


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. Südland Mama

    1 März

    Es ging eindeutig um Pfannkuchen!!! Du kannst wieder durchatmen – Fasching ist vorbei! Ich bin auch erleichtert!

    • PFANNKUCHEN!!!! Leider habe ich es trotz intensiver Recherche nicht bis zum Senf- oder Ketchup-Pfannkuchen geschafft. Mir scheint, ein Kind hat ihn einfach gegessen – ohne sich zu erschrecken. Auf Nichts ist heutzutage mehr verlass… LG Johnny

  2. Ich glaub, ich entwickle so eine Johnny-Wirrsinn-Skala für deine Texte, von 0 („vollkommen verständlich und mit klarer Intention“) bis 10 („was hat der Typ geraucht?!“) und dieser Artikel hier bekommt… eine 7, vielleicht 8.

    • Haha, ich glaub, das würde ich dann sogar als kleines Widget immer mitlaufen lassen. Mit entsprechenden Warnhinweisen. Das dieser Artikel aber eine acht bekommt, macht mich ja doch etwas stutzig. Vielleicht bin ich dem Wahnsinn doch näher als ich dachte, denn eigentlich kommt mir der Artikel recht gemäßigt vor. Oha…..

      • Ein Widget, das wär’s!
        Ich weiß gar nicht, ob du niedrige Werte anstrebst oder auf hohe Zahlen dich auch ein bisschen stolz bist…

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