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# meinTagohnemich und ohne sie – Der Weltfra...

# meinTagohnemich und ohne sie – Der Weltfrauentag und ich

Die Aktion rund um den Hashtag # meinTagohnemich bezieht sich auf die absurde Situation, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer schön auf den Schultern der Mütter zu stehen scheint. Selten umgekehrt. Dabei wären vier Schultern in dieser Situation doch so wichtig. Am heutigen Weltfrauentag sowie in dessen Rahmen stattfindenden „Women’s march on Washington“ soll dies wieder ins Bewusstsein gerückt werden – anstatt bloß wieder nur Rosen oder Nelken in Friedrichshain zu verteilen. Bleibt die Frage: Sollte ich als Vater an diesem Tag nicht lieber schweigen?

Weltfrauentag, Aufruf zum Generalstreik von Müttern. Also, streng genommen dürfte ich heute an dieser Aktion doch überhaupt nicht teilnehmen. Als Vater bin ich von den Benachteiligungen doch überhaupt nicht betroffen, oder? Nun, es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ausgerechnet heute so wie jeden Mittwoch übrigens der Papa, also icke und Frau Doktor Mama Löwe, also Tochter den Tag allein bestreiten. Die Freundin weilt derweil wahrscheinlich mehr oder minder gelangweilt und völlig unsolidarisch in der Erwerbsarbeit.

An dieser Stelle folgt übrigens kein Exkurs darüber, warum ich den Klarnamen meiner Tochter im Netz nicht veröffentliche. Es folgt auch kein Exkurs vom Exkurs über das Zusammenspiel aus Vertrauensverhältnis zwischen AutorInnen und LeserInnen, Persönlichkeitsrechten und einem Erweiterten Führungszeugnis.

# meinTagohnemich – oder alles wie immer, fast…

Die Challenge, die das feministische Netzwerk an mich als Vater gestellt hat, nämlich für einen Tag das Kind zu versorgen und zu betreuen, den Haushalt zu erledigen oder zu kochen, ist in Wahrheit gar keine. Es ist zumindest in meiner Welt ein Stück weit Alltag. Alles wie immer – kein Alarm, keine Überraschungen.

Ich bringe meine Tochter in die Kita, hole sie von dort ab. Wir gehen danach gemeinsam spielen, gönnen uns hinterher vielleicht einen bunten Keks vom Bäcker. Danach mache ich ihr Abendessen, mache sie irgendwann bettfertig, putze Zähne und lese ihr zur guten Nacht vor. Nach der Einschlafbegleitung stehle ich mich irgendwann ganz klammheimlich noch einmal davon, um selbst noch etwas Textarbeit zu erledigen. So, wie ich das vormittags auch schon getan habe – nur ohne vorherige Einschlafbegleitung, denn meine Tochter ist tagsüber ja in der Kita. Dort, wo zwei männliche sowie eine weibliche Bezugsperson für sie da sind.

Ist es im Jahr 2017 nicht aber ein unfassbar trauriger Gedanke, dass ein einzelner Tag, an dem die Mutter sich aus der familiären Welt zurückzieht, bereits dafür sorgen könnte, dass Familien- und Erwerbsleben größtenteils kollabieren? Man stelle sich vor, alle Väter würden ihre familiäre Verantwortung für einen Tag niederlegen. All mothers be like:“Naja gut, und was noch?“ Wie stark kann jemand sein, wenn er sich erst auf die Schultern eines Anderen (lies: der Mutter) stellen muss? Auf den Schultern von Giganten eben.

Während # meinTagohnemich sichtbar macht, was sonst unsichtbar bleibt, nämlich männerlose Care-Arbeit, so sehr drängt sich mir die Frage auf: Ja, wo sind sie denn, die Väter? Die, die sich einbringen? Bisher zähle ich nur wenige väterliche Beiträge im Rahmen der #meinTagohnemich Aktion. Wahrscheinlich sind die aber alle auch gerade zu sehr damit beschäftigt, ihr Kind zu bemuttern – wer weiß das schon.

Sollte ich als Vater nicht lieber schweigen?

Übrigens: Damit mir die liebe Julia von Unangespießt nicht wieder eine acht auf der nach oben offenen Wirrness-Skala gibt, möchte auf die eingangs gestellte Frage, ob ich am Weltfrauentag nicht lieber schweigen solle, zurückkommen. Die Antwort lautet nämlich eindeutig: Nein! Als Vater sollte ich natürlich nicht Klappe halten. Auch wenn die liebe Glücklichscheitern es sich doch von einigen Papabloggern wünscht und ich genau weiß, was sie meint.

Als Vater sollte ich sagen: Es sollte mehr Weltfrauentage, es sollte mehr Generalstreiks geben! Das wünsche ich mir für mich, das wünsche ich mir vor allem für meine Tochter. Denn, auch wenn Jochen König etwas aus dem Zusammenhang gerissen sagt, dass wir alle schon mal weiter waren, so möchte ich ihm widersprechen. Vielleicht waren wir nie wirklich weiter und vielleicht liegt das auch daran, dass Väter und Männer sich zu lange rausgehalten haben – und dies bis heute auch immer noch tun.

Und bevor ich mich jetzt völlig in Rage schreibe, hier der ganze Aufruf des #femnet: Ein Tag ohne Frauen, ein Tag ohne mich.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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