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Muttertag 2017: Überflüssig wie jedes Jahr? Mein Muttertagswunsch!

Der zweite Sonntag im Mai. Was nach einem hippen Café im Nobelbezirk klingt, ist nichts anderes als der jährliche Termin für unseren Muttertag. In Deutschland natürlich ganz unschuldig von Blumenhändlern ins Leben gerufen, um dann 1933 von den Nationalsozialisten zum „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“-Feiertag erklärt, ist er heute mindestens genauso überflüssig wie sein Pendant, der Vatertag. Und doch brauchen wir ihn. Nicht der Mütter wegen, sondern eigentlich für uns alle.

Ich werde meine Mutter heute nicht anrufen. Meine Großmutter auch nicht. Und auch meine Freundin wird von mir an diesem Tag auch nicht reich mit Blumen beschenkt werden. Keine Gedichte für Mama, auch keine Pralinen. Muttertag 2017? Findet für mich in dieser Form einfach nicht statt.

Fun fact: Der Muttertag ist ein öffentlicher Feiertag, jedoch kein gesetzlicher. Dass an diesem Tag das lokale Blumengeschäft des Vertrauens geöffnet bleiben darf, basiert also nicht auf einer gesetzlichen Regelung, sondern einer wirtschaftlichen Übereinkunft. Oder ansgesagt: Muttertag wurde in Deutschland von der Wirtschaft ins Leben gerufen und ist bis heute nichts anderes als wirtschaftliches Instrument. Außer für die Badener, denn die müssen, so wurde es mir zumindest zugetragen, an diesem Tag an die Tanke eilen, um etwaige Blumen oder Geschenke für Mama zu ergattern.

Soweit zumindest die Theorie. Die Frage ist doch, was kümmert mich dieser Hintergrund im Alltag? Ohne viel Nachfrage pilgert der Mann also am zweiten Sonntag im Mai zum Floristen, lässt sich hübsch eine handvoll Blumenleichen zurechtbiegen und bezahlt mindestens das Doppelte von dem, was er schon in wenigen Stunden dafür bezahlen würde. Damit erfüllt der Tag auch heute noch immer genau den Zweck, für den er 1923 tatsächlich von einem deutschen Floristen hier in Gang gebracht wurde.

Muttertag 2017: Mehr als nur Blumen, bitte

Brauchen wir also vielleicht einen politischen Muttertag? Ganz so wie es die Aktion #muttertagswunsch suggeriert? Die Antwort auf diese Frage muss natürlich und eindeutig „Ja“ lauten. Und am besten dauerte dieser politische Muttertag das ganze Jahr, denn die Forderungen, die im Rahmen der Aktion gestellt Werden zeigen: Viel scheint sich seit 1949 nicht getan zu haben.

Und in eigener Sache:

Anstatt also entweder blindlinks ins nächste Blumengeschäft zu laufen oder so zu tun, als wäre der Boykott jenen Tages rebellische, um nicht zu sagen, antikapitalistische Bürgerpflicht, stünde es uns allen doch besser zu Gesicht, für bessere Möglichkeiten zu sorgen, Elternschaft und Beruf miteinander sinnvoll vereinen zu können. Und zwar nicht nur für Väter, sondern auch für Mütter gleichermaßen. Wäre das nicht ein schönes Muttertagsgeschenk?

Ja, so überflüssig Muttertag als Feiertag auch sein mag, so sehr brauchen wir ihn als gesellschaftspolitische Plattform vielleicht doch. Das ist die einzig richtige Schlussfolgerung aus meinen Erfahrungen rund um diesen Tag in diesem Jahr. Mein ganz persönlicher Muttertagswunsch, wenn mann so will. Das sage ich auch als Vater einer Tochter, der ich mehr wünsche, als die heutigen Zustände.

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