Los geht's!

Papa allein auf der Babywelt Messe

Kinderwagenväter, Tragepapas und ganz besonders handelsübliche Väter, die durch ihre unaufgeregte Art im Getümmel manchmal gar nicht weiter auffallen. Böse Zungen würden behaupten, die meisten dieser Väter hätten zwischen Mama-Fitness und Kindersitzwahnsinn einfach nur schon aufgegeben. Für meinen Teil bin ich mir da aber nicht ganz so sicher, aber wie es heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt am schönsten. Und auch, wenn in diesem Jahr die Goodiebags deutlich schmaler ausfielen, als noch im letzten Jahr, so habe ich doch mit Freude feststellen dürfen, dass der Väteranteil ein kleines Bit gestiegen zu sein scheint. Befeuert von dieser Erkenntnis sowie von der Tatsache, dass ich dieses mal ganz ohne Familie unterwegs bin, habe ich ein kurzes Experiment gestartet. Ich nenne es „Papa allein auf der Babywelt Messe“ und sagen wir es mal so: Allzu weit bin ich damit nicht gekommen.

Erste Runde auf der Messe

Vorsichtshalber lade ich allen unnötigen Ballast an der Garderobe ab, rufe dem benachbarten Kaffeestand im Vorbeihechten noch die drei magischen Worte „Ick brauch’n doppeltenespresso“ zu und werfe mich messemutig vor die Meute. Besser gesagt: Ich schleiche mich eigentlich in die Meute und nehme meine Schritte ganz bewusst ganz langsam. Denn wer sich langsam bewegt, der ist ein leichteres Ziel. So wenigstens mein Kalkül. Zugegeben, ich komm aus’m Wedding und die „Opfa“-Rolle passt naturgemäß nicht ganz so gut mir, aber jeder gibt eben, was er kann.

Vorbei also am Drogerie-Stand, den Kindersitzen und auch dem Baby-Großhandel. Ich mache große Augen, aber: Nichts. Man beobachtet mich, traut dem kinderlosen Mann aber scheinbar nicht so ganz über dem Weg. Einzig das auffälligste aller herumirrenden Messe-Maskottchen, die Giraffe, erdreistet sich, mir einen Flyer in die Hand zu drücken: „Librileo Gemeinnützig“. Kenn ich schon, find ich gut, Punkt für die Giraffe. Nach Abschluss der ersten Halbrunde beschließe ich, die Sache ein wenig offensiver anzugehen. Ich stehe demonstrativ lange an einem Stand mit Holzspielzeug. Ich fasse es an, grinse dabei, drehe die Verpackung und.. warte. Nichts. Der Händler schweigt als wäre er gefrorenes Holz. Liegt es vielleicht doch an mir?

Mir fällt auf, dass mein blaues Bändchen aus meiner Kleidung hervorglubscht. Mit diesem hellblauen Bändchen gebe ich zu erkennen, dass ich entweder Fachhändler oder Presse bin. Zwar bin ich in Wirklichkeit nichts dergleichen, doch das weiß ja niemand, das muss denn aber auch unser Blogleser-Geheimnis bleiben. Zurück zum Thema. Es lässt ad hoc nur zwei Schlüsse zu. Entweder dachten die Standhändler, ich sei ein Spion im Auftrag der Konkurrenz oder aber, ich sei ein Pressevertreter, der bestimmt wieder irgendwas umsonst haben möchte. So sindse doch, diese Pressevertreter. Umsonst hätte ich aber wirklich gern etwas bekommen – daran kann ich beim besten Willen auch gar nichts Verkehrtes sehen. Beim nächsten Mal nehme ich besser doch meine Sonnenbrille mit in die Messehalle.

Zweite Runde auf der Messe & Ende des Experiments

Gestärkt starte meine zweite Runde, beginne dieses Mal meine Runde jedoch am anderen Ende der Messehalle. Ich möchte Verwirrung stiften und es scheint, dass es auch sofort funktioniert. Eine Kinderwagenhändlerin scheint mir auf den Fersen, ich bleibe stehen. Nichts. Sie verschwindet und ich stehe dumm, baff und bräsig vor Wickeltaschen und Newsletter-Tischen. Ich schlendere noch so weiter, aber eigentlich habe ich mein Experiment bereits beendet. Machen wir es also kurz: Auch das restlose Verstecken meiner hellblauen Bändchen-Identität ändert wenig an der Gesamtsituation. Teilweise ist man am Stand sogar erstaunt, von einem Mann ganz ohne Kind auf dem Arm bzw. ohne Frau im Hintergrund angesprochen zu werden. Das war schon witzig. Es scheint, sofern sich der steigende Väter-Anteil unter den Messebesuchern fortsetzt, dass sich einige dieser Vertreter ein wenig auch diesem Trend werden öffnen müssen. Ich möchte aber auch kein Fass deswegen aufmachen. Und so schwierig sind Männer bzw. Väter ja eigentlich auch gar nicht. Ehrenwort.

Einige Minuten nach dem Ende des Experiments trifft man mich an einem Bartisch und ganz ohne Prosecco oder Piccolo höre ich mich sagen:“Männlichkeit wird überschätzt“! Und ach, es stimmt ja auch. Was soll der Quatsch? Nette Gespräche habe ich auf der Messe dennoch geführt, zum Beispiel bei me&i oder auch bei Lässig und natürlich mit dem „Bauchgefühl“ und einigen Bloggerkolleginnen natürlich. Mit der Kleinen Fabriek wie auch mit einigen Bloggerkolleginnen hätte ich ebenfalls gern mehr palavert, aber im Gegensatz zu mir, haben zumindest die beiden von der Fabriek wirklich schwer gearbeitet und nicht bloß ihren Kaffee kalt werden lassen. Meine Zeit aber lief ab und die Tochter im Kinderladen wünschte abgeholt zu werden.


Würde ich mir als Papa noch einmal die „Babymessehölle“ (Anja) antun? Joa, ach, ich denke schon. Die Messerabatte lassen mein Schnäppchensensor teils heftig vibrieren und irgendwie trifft man ja dann doch immer wieder bekannte Gesichter, mit denen man gerne plaudert. Außerdem gibt es Süßkartoffelpommes. Und für Süßkartoffelpommes fahr ich freiwillig und ohne Rücksicht auf Verluste bis in die tiefe, urbane Wildnis Berlin-Treptows. Die Babywelt-Messe in der Arena Berlin läuft übrigens noch bis Sonntag. Wer also mein Experiment „Papa allein auf der Babywelt Messe“ wiederholen möchte: Nur zu, ich freu mich auf eure Ergebnisse.


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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  1. DaddyD

    8 November

    Ein wirklich sehr schöner Bericht! Ich hab so meine Erfahrungen mit Messen (nicht mit Babysachen und vorwiegend als Austeller – aber immerhin), von daher denke ich, solltest du dir für deinen nächsten Besuch einfach ein Bondolino mit einer Babyattrappe auf den Bauch binden und einen etwas „fertigen“ Eindruck machen, dann klappts auch mit den „Give-Aways“ ;-)

    Beste Grüße
    Daddy D

    PS: Das mit den Süßkartoffelpommes kann ich absolut nachvollziehen!

    • johnny

      9 November

      Ach.. ich habe einige Frauen mit Tragerucksack und Fake-Baby herumlaufen sehen. Ich schätze, die haben’s richtig gemacht! Ich muss aber auch gestehen, eventuell nicht ganz die Aura eines kaufwütigen Messebesuchers gehabt zu haben. Freut mich aber, dass Dir mein Experiment gefallen hat. :)
      LG

  2. Bella

    8 November

    Ich bin eigentlich nur mit dem Ziel hin, diese Pommes zu essen und ausgerechnet da standen sie mehr an als beim öffentlichen Ultraschall- Also bin ich hungrig heim und habe heimlich geweint. Ansonsten würde ich da übrigens nicht mehr hinfahren. Denn so doll waren die Rabatte auch nicht…aber die habe ich vor Menschenmassen auch kaum gesehen.

    • johnny

      9 November

      Ja ja, öffentlicher Ultraschall. Ganz kurz wollte ich mich auch anstellen, hatte aber nicht genügend Zeit. Und überhaupt. Wärste mal mit mir mitgekommen, bei mir hätteste Pommes bekommen! Ohne Pommes ist irgendwie traurig. Tut mir leid.

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