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Rezension: ‚Mommy wars‘ von Jana König...

Rezension: ‚Mommy wars‘ von Jana König

Im Eulenspiegel Verlag ist kürzlich ein Buch mit grünem Einband erschienen. Ja, so habe ich auch reagiert! Nein, das ist an sich natürlich noch keine Meldung wert. Jana Königs „Wenn Mütter rot sehen. Der tägliche Wahnsinn der ‚mommy wars'“ hingegen schon. Auf zirka 160 Seiten präsentiert die Autorin eine ironische „Best-of“-Übersicht über alle Aufregerthemen, die so durch den Familienkosmos irren. Tragen, Impfen, Windeln, alle Trigger bekommen ihr Fett weg. Aber ob’s auch etwas für Väter ist?

Mommy wars? Ja, sowas gibt’s

Was halten Sie als Außenstehender eigentlich von Intelligenz? Ja, wer kennt diesen unsäglichen Spruch eigentlich nicht. Entweder aus der eigenen Kindheit oder eben von den eigenen, ach so lustigen Kindern. So oder so ähnlich geht es mir, wenn ich als Vater in der virtuellen Welt herumstreune und Eltern-Diskussionen miterlese, die regelrecht zu ausgewachsenen Schlachten auswachsen (hier: Ein älterer Artikel zum Thema).

Eigentlich sind es ja immer die gleichen Themen, nur die Protagonisten, die ändern sich gerne mal. So meine inständige Hoffnung jedenfalls. Und so schaue ich zu, wie sich insbesondere Mütter in endlosen Diskussionen über Stillen vs. Flasche, Familienbett vs. eigenes Bett und Tragen vs. Schieben gegenseitig virtuell zerfleischen. Natürlich habe ich als Vater einer zweijährigen Tochter zu jedem einzelnen dieser Themen eine ganz eigene Meinung. Warum ich diese aber als die einzige wahre Wahrheit und nichts als die Wahrheit hinausposaunen sollte, das habe ich noch immer nicht ganz verstanden. Also behalte ich sie lieber für mich.

Wer aber nun mit den Schultern zuckt und sich fragt: „Moment! Wovon redet der Typ da eigentlich?“, dem kann ich einen ausgiebigen Blick in das Buch über die sogenannten „Mommy wars“ von Jana König empfehlen. Hier finden sich auf einen Blick alle gängigen Aufregerthemen – einmal abgesehen von der jüngsten Internet-Diskussion: ‚Adventskalender, kaufen vs. selber basteln‘. Ein Pulverfass im Minenfeld, seien Sie mir bloß gewarnt!

Über das Buch von Jana König

Aber bleiben wir für einen Moment bei dem Buch. Auf gut und gerne 150 Seiten, thematisch übersichtlich gegliedert, kann man hier immer wieder mal die Nase reinstecken und sich zu Themen wie „Globuli heilen alles“, „Nur ein kleiner Pieks“, „Schläft sie denn schon durch“, „StoffWindelFrei“ und so weiter und so fort, hier fehlt noch das Verb: fortbilden. Besonders letzteres Thema birgt in sich ja bereits mindestens dreifaches Sprengpotential.

So ganz ernsthaft ist das Ganze dann aber doch nicht zu nehmen. Weder die sogenannten mommy wars, noch das kleine Büchlein zum gleichen Thema. Warum auch? Wir sollten uns alle vielleicht ein klein wenig weniger Ernst nehmen. Im Grunde ist das Internet ja ohnehin der perfekte Ort dazu. Wo könnte es entspannter sein, wenn nicht an dem Ort, den wir uns selbst erschaffen?

Leider zeigt das Buch auch ganz praktisch, wie solche Gespräche selbst in diesem achso freien Internet verlaufen können – und gibt am Ende sogar Link-Tipps. Davon rate ich jedoch dringend ab, sofern Sie noch etwas im Haushalt zu erledigen haben. Die Gefahr ist nämlich groß, dass Sie anstatt zu Wäsche und Besen zu Popcorn und Schnaps greifen. Für Sie getestet übrigens.

Mein persönlicher Eindruck

Ich schweife mal wieder ab. Das Buch gibt jedenfalls keine schlau gemeinten Ratschläge und mischt sich auch nicht ungefragt in des Lesers Leben ein. Es ist eine schöne Unterhaltung, der man sich zwischendurch mal widmen kann. Aber Achtung: Es sind überdeutliche Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. Wer sich besonders stark für eines der oben bereits genannten Themen einsetzt, wie zum Beispiel „Impfpflicht: ja oder nein“, der sollte vielleicht nicht ganz so genau hineinlesen.

Das Buch ist mit interessanten Details gespickt. Oder wussten Sie zum Beispiel, dass diese unsäglich hässlichen Babywalker bzw. Lauf-Hilfen für Babys in Kanada verboten sind? Sehen Sie, ich auch nicht. Ein schwerer Schlag für die Plastikmüll-Industrie.

Unterdessen frage ich mich, ob es nicht auch so etwas wie Daddy wars als männliches Pendant zu den mommy wars gibt – Fehlanzeige. Nicht, weil Väter nicht weniger gern streiten oder den allwissenden Typen raushängen lassen. Väter sind rein statistisch betrachtet einfach in der erdrückenden Minderheit und das in allen Bereichen des Elternseins. Care-Arbeit? Frauensache! Elternzeit? Frauensache! Vereinbarkeit? Frauensache! Familienboggen? Frauensache! Diejenigen Väter, die sich aktiv einbringen, sind darüber hinaus weit weniger vernetzt und zudem wahrscheinlich einfach zu wenig, um sich als Ganzes in die Haare zu geraten. Wobei man zur Fairness sagen muss, dass Themen wie Vereinbarkeit durchaus auch von Vätern diskutiert wird. Interessanterweise nur völlig anders, als es bei Müttern der Fall ist – das aber ist ein anderes Thema. Bleiben wir also bei den mütterlichen Diskussionen, die als pars pro toto, also als Teil des Ganzens gewertet werden können.

Fazit zum Buch: Jedes Thema hat genau wie jeder Mensch das gute Recht, auch mal durch den sprichwörtlichen Kakao gezogen zu werden. So verlangt es der Verstand. Alles richtig gemacht.


Das Buch „Wenn Mütter rot sehen – Der tägliche Wahnsinn der ‚mommy wars'“ von Jana König ist seit einigen Wochen im Eulenspiegel Verlag erhältlich, kann alternativ aber auch im Buchhandel oder eben am großen Fluss Amazon* erstanden werden.

*Affiliate-Link


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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