Los geht's!
READING

Wochenende in Bildern: Weihnachts-Edition #29

Wochenende in Bildern: Weihnachts-Edition #29

Pünktlich zu Weihnachten gab es natürlich Feiertagsarbeit, Verwandtenbesuch und die unvermeidlich erhöhten Körpertemperaturen. Das ist jedoch nichts, was selbstgemachte Mayonaise und und das eigene Körpergewicht in Schokolade nicht irgendwie wieder aufwiegen können. Viel Spaß mit den Weihnachtsimpressionen des dieswöchigen Wochenende in Bildern, sagt Johnny aka „Ich tanze immer den letzten Tanz der Saison!“

Weihnachten in Bildern: Heiligabend

Ein Tag wie jeder andere. Meine Freundin muss arbeiten und die Kleene und ich vertreiben uns die Zeit. Seit Neuestem hat sie den Kratzbaum für sich entdeckt. Seitdem glaubt sie phasenweise, sie selbst sei ebenfalls eine Katze und könne mindestens genauso elegant den Kratzbaum hochklettern. Sekündlich warte ich darauf, dass sich seine Schraube lockert, das Holz knackt und der Metallring wegbricht. So kann man sich die Zeit natürlich auch vertreiben.

 

Rechtzeitig zum Feiertag bricht in der Familie das Fieber aus. Leider nicht das Weihnachtsfieber, sondern das ganz normale „Boah, schon wieder krank“-Fieber. Doch noch bevor es richtig losgehen kann, habe ich noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Für zwei unserer Nachbarskinder bin ich nämlich an diesem wichtigen Tag der heimliche Weihnachtsmann. Zum Glück muss ich mich nicht verkleiden, sondern lediglich die Geschenke vor der Tür deponieren, die Glocke ertönen lassen und dann so schnell verschwinden wie der Blitz. Das klingt jetzt alles leichter als es eigentlich ist. Ich bin ja schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Außerdem schafft es wirklich niemand, in einem Altbautreppenhaus unerkannt zu verschwinden, geschweige denn, Geschenke abzulegen. Vor allem dann nicht, wenn eine Nachbarin der weibliche Blockwart des Hauses ist. Sie und ihr kläffender Jack-Russel-Terrier hätten im Ostblock eine beachtliche Karriere hinlegen können. Als Stasi-Spitzel. Oder NKWD-Offizier. Nun ja. Ein bestimmtes Wortgefechtes später bin ich beide wieder los. Ich lasse die Glocke klingen und sprinte auf Socken die Treppen hinunter. Uff.. ein guter Start in den Abend.

 

Los geht’s geht’s mit dem wahrscheinlich traditionellsten aller Hauptgänge: Kartoffelsalat mit Würstchen. In unserem Fall sind es eskalationsfreie Tofuwürstchen aus glücklichen Sojaproteinen. Toll. Und mit viel Senf schmecken sie sogar. Nämlich nach ordentlich Senf. All das spielt aber überhaupt keine Rolle, denn: zum allerersten Mal in meinem Leben habe ich meine eigene Mayonaise hergestellt. Ja genau. Dieses gelbliche weiße Cholesterinmonster, welches wir alle neben hausgemachten Käsekuchen übrigens viel öfter essen sollten. So muss sich Tom Hanks gefühlt haben, als er das erste Mal Feuer gemacht hat.

Eine Sache fehlt indes im Kartoffelsalat: Gewürzgurkenstückchen. Außerdem habe ich statt weißem schwarzen Pfeffer benutzt. Beides gebe ich nur sehr ungern zu, denn trotzdem hat der Salat wirklich lecker geschmeckt. Ich schätze, für all das werde ich irgendwann auf ewig in der Kochduellhölle neben Tim Mälzer und Sarah Wiener schmoren müssen. Ich werde sehr einsam sein.

 

Es folgt so etwas ähnliches wie die konspirative Geschenkeübergabe. Meine Tochter sabotiert die Szenerie und stürmt das Wohnzimmer. Nach dem ersten Paket verlässt sie jedoch die Kraft und die Konzentration. Das Fieber und die damit verbundene Müdigkeit machen ihr zu schaffen.

 

Ich versüße mir den restlichen Abend mit dem billigen Kochwein und etwas gehobener Unterhaltung. Eigentlich war es doch ein guter Tag.

Weihnachten in Bildern: 1. Weihnachtsfeiertag

Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte sich bereits mein Teil der Verwandtschaft angekündigt. Zumindest der Kernteil, denn viel mehr Familie habe ich gar nicht. Das Fieber und besonders die Krankheit haben meine Tochter leider immer noch fest in ihrem Griff. Man merkt, dass sie liebend gern viel tiefer ins Geschehen eintauchen wollen würde, es aber nicht kann. Stattdessen bleibt sie auf Mamas Arm.

Es ist eine dieser furiosen Familienaufführungen in der Sätze wie „Ja, Schatzi, die Oma gehört auf den Stuhl!“ erst den Auftakt bilden, bevor es dann zum großen Finale kommt. Danach, also später am Abend gibt es Nussbraten mit Rotkohl und Klößen. Ich habe noch nie Nussbraten gegessen und meine Freundin hat noch nie Nussbraten zubereitet, aber am Ende des Abends sind alle satt und geben ihre Kompliment an den Chef – also die Chefin. Was man alles aus Nüssen und Käse zubereiten kann? Toll. Und das meine Freundin das so hinbekommen hat? Noch viel toller. Vorsorglich habe ich die Jeans mit dem gewissen Stretchanteil und genau jetzt weiß ich auch, warum. Hätte ich heute einen Gürtel getragen, er hätte sicherlich frühzeitig das weiße Handtuch in den Kalorienkampf geworfen. Wie hätte das bei Tisch denn bitte ausgesehen?

 

In meinen helleren Momenten bilde ich mir ein, dass wir unsere Tochter einigermaßen geschlechtsneutral erziehen. Sie liebt die großen Autos der Berliner Müllabfuhr, sie liebt die lauten Bagger. Dingen auf den Grund zu gehen und sie unterwegs einfach kaputt zu machen, auch das beschreibt ihr Wesen ganz gut. Es gibt aber auch Bilder von ihr mit rosa Hut oder Krönchen auf dem Kopf. So weit, so unerheblich vielleicht. Zu Weihnachten bekommt sie allerdings mitunter zwei Geschenke, die mich dann aber doch ein wenig zweifeln lassen: Eine Kinderküche und einen Puppenbuggy. Und das Schlimmste daran ist, das wir uns beides für unsere Tochter gewünscht haben. Das Klischeehafte erkenne ich erst, als beides vor mir steht. Wo ist der Bauernhof? Wo ist der Trecker? Böser Papa, böser Papa. Nun ja. Dann gibt’s zum Geburtstag eben doch die Werkbank und die Junior-Carrerabahn.

 

Übrigens: SPOILER ALARM. Später schaue ich noch den weihnachtlichen Game of thrones Marathon der vierten und fünften Staffel und beschließe, dass die vierte Staffel bisher doch die beste war. Nur Eddard Stark, den vermisse ich immer noch. Auch, wenn ihm die moralische Integrität aus den Ohren quoll und er deswegen beide Ohren samt Kopf verlieren musste. Tja nun.

Wochenende in Bildern: Noch ein Weihnachtsfeiertag?

Heute habe ich leider nur ein Bild für euch: von der Apotheke. Aber eins nach dem anderen:

Weihnachten ist vorbei. Heute ist ein Sonntag wie sonst auch. Außer das heute eben Samstag ist. Meine Tochter hat keine 40 Grad Fieber mehr, aber zu behaupten, es ginge ihr gut, wäre auch nicht so ganz die volle Wahrheit. Sie schleppt und hustet sich durch den Tag. Besser gesagt: ich schleppe sie durch den Tag, den ablegen lässt sie sich nicht. Auch essen mag sie nicht. Schlafen, das geht gerade noch – solange sie Luft bekommt. Armes Ding. Ich ertränke mein Mitleid in Schokolade, während ich warte, dass meine Freundin irgendwann wieder nach Hause kommen mag. Von der Arbeit versteht sich. Später werden sich beide beim kinderärztlichen Notdienst wiederfinden. Gemeinsam mit 300 weiteren Notfällen.

Es wird sich heraus stellen, dass meine Tochter Bronchitis hat. Und eine Ohrenentzündung. Das Rabenvatergen jubiliert und glaubt der Ärztin kein Wort, wenn sie sagt, dass sich so etwas innerhalb von 24 Stunden entwickeln kann. Den Husten hat sie immerhin schon länger, wenn auch seit heute erst so schlimm. Hmpf. So geht der Abend zu Ende. Und so schön und überraschend Weihnachten jetzt auch war, bin ich doch froh, dass es irgendwie an mir vorüber gegangen ist. Nächster Stop: Silvester. Uff..


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

RELATED POST

  1. Susanne

    26 Dezember

    Aber Buggy und Küche sind doch neutral, da sie ganz normale Alltagssachen sind. Werden bei uns auch von beiden Kindern bespielt :-)

    • johnny

      26 Dezember

      Es sind Alltagsgegenstände, aber irgendwie triggern sie Geschlechterrollen. Die Frau, die in der Küche steht und das Kind schiebt. Aber es besteht Hoffnung, immerhin stehe ich auch recht viel in der Küche und schiebe/trage das Kind. :)

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.