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Yetiland goes Kinderbuch: „Dafür sind Freund...

Yetiland goes Kinderbuch: „Dafür sind Freunde da“

„Dafür sind Freunde da“ vom niederländischen Künstler Yetiland ist ein Kunstbuch für Kinder. Oder ist es vielleicht doch ein kunstvolles Kinderbuch? In Zusammenarbeit mit der Lifestylemarke Junique ist es jetzt in deutscher Übersetzung erschienen. Eine interessante Mischung, der ich dann doch nicht widerstehen konnte. Und während meinen Augen ein Schmaus geboten wird, müssen meine Ohren manchmal doch ein klein wenig leiden. Wieso, weshalb und was es sonst noch für Kinderbücher bei Junique gibt? Ich hab‘ da mal was vorbereitet…

Artikel von mir vorgelesen bekommen (ungefähr fünf Minuten dauert der „Spaß“):

Das Bilderbuch „Dafür sind Freunde da“ ist die Geschichte dreier Freunde, die sich eines schönen Tages ganz unerwartet gemeinsam auf eine Reise machen – in einem Heißluftballon. Ein Yeti, ein Fuchs und ein Hase sind nämlich auf der Suche – des Fuchsens Karotte ist verschwunden. Doch zum Glück gibt es da einen Vogel mit einem (besagten)  Heißluftballon. Ja, schon auf diesen kurzen Zeilen zeigt sich: In diesem Kinderbuch passiert etwas Unerwartetes. Und das nicht nur einmal. Ein Fuchs sucht eine Karotte? Wusste ich gar nicht, dass es auch vegetarische Füchse gibt. Toll.

Dass sich der niederländische Künstler und Illustrator Sjoerd Piepenbrink mit diesem Kinderbuch einen Traum erfüllt hat, merkt man sofort. Ach, ich mag das ja, wenn Kinderbücher künstlerischen Anspruch verströmen. So hat man auch als Erwachsener etwas, mit dem man sich beschäftigen kann, während man vorliest… oh.

Auf 24 Doppelseiten gibt es schöne Illustrationen zu bestaunen, wobei pro Seite wiederum ungefähr ein bis zwei bis drei bis vier Sätze in einfachen Reimschemata durch die Geschichte führen. Dadurch bleibt die Handlung selbst bei gänzlich unvorhergesehenen Wendungen für Papa und Tochter gleichermaßen stets gut nachvollziehbar. Das bedeutet aber auch, dass sich „Dafür sind Freunde da“ als Gute-Nacht-Buch nur bedingt eignet, denn: Kurze Sätze bedeuten blättern, blättern, blättern. Und das kann im Bett zu einer echten Herausforderung werden. So rein physikalisch…

Grafisch super – sprachlich zwei Punkte Abzug

Großformatige Illustrationen, die trotz reduzierter Formsprache klar und deutlich zu erkennen sind – und das mit hohem einem Wiedererkennungswert. Auch die Detailtiefe ist überaus angenehm. Grafisch also eindeutig modern und gut, hapert es doch ein wenig mit der Sprache. Im Original auf englisch verfasst handelt es sich bei „Dafür sind Freunde da“ um eine Übersetzung – und genau das merkt man ihr an manchen Stellen auch an. Selbst dem Sprachniveau scheint nicht immer ganz eindeutig zu sein, an wen es sich eigentlich richten mag. Pädagoge und Papa in mir wundern sich gleichermaßen.

Die Textpassagen sind pro Seite kurz gehalten und scheinen sich deutlich an Vorlese-Anfänger zu richten. Während ich aber mit meiner bald dreijährigen Tochter versuche, sauber und ordentlich zu sprechen (meistens jedenfalls, ey!), dann erwarte ich das gleiche auch von einem Kinderbuch. Zahlreiche Passagen sind mir persönlich zu verwaschen und überdies ziemlich staksig in ein Versmaß gepresst. Hier wäre ein wenig mehr Verspieltheit, Luftigkeit, Binnenmelodie oder nennt es, wie ihr wollt, wesentlich angenehmer gewesen.

Das andere sind die Namen. Diese sind formal natürlich völlig korrekt als Eigennamen behandelt und dementsprechend nicht übersetzt worden. Wie sinnvoll es in Sachen kindlicher Lautbildung jedoch ist, mit Zwei- bis Dreijährigen englische Namen wie „Madame Owl“ oder „Little Fox“ zu lesen, nun, das erschließt sich mir aber auch nicht so ganz. Ich mag Madame Eule und Käptn Katze ohnehin viel lieber, gleichwohl dann die entsprechenden Sätze komplett geändert werden müssten – Versmaß sei Dank. Wohl ebenfalls dem manchmal störrischen Maß geschuldet, darf der Glücksberg inkonsequenterweise Glücksberg heißen – und nicht wie ich vermute: „Luck mountain“ bzw. „mountain of luck“ oder ähnlich.

Yetiland „Dafür sind Freunde da“: Uneindeutiges Fazit

Luftigkeit, Little Fox? Sie merken schon, ich ergehe mich in Detailfragen. Aber:

Das erste Kinderbuch vom niederländischen Künstler Yetiland ist ansprechend gestaltet, sprachlich stellt es mich jedoch vor gehörige Fragen. Als Kinderbuch für Vorlese-Anfänger ist es mit 24 Doppelseiten natürlich viel zu lang. Für bereits etwas ältere Vorlesekinder sind die Sätze wiederum fast schon zu kurz und darüber hinaus an vielen Stellen verwaschen, starr und einfach nicht flüssig vorzulesen. Schade um die schöne Geschichte, ihre tollen Wendungen und die Yetiland-Illustrationen.

Meine Tochter mag indes die Farben des Buches sehr gern – auch den Fuchs mag sie. Auch, dass man in diesem Buch so oft weiterblättern muss, lässt es sie immer wieder aus dem Regal ziehen. Blättern macht sie nämlich gern selbst. Nicht immer zu meiner Freude. So bügele ich also beim Lesen en passant das aus, was sprachlich in diesem Buch daneben geht. So weit es mir jedenfalls möglich ist. Aber mal ehrlich: Wer von uns Vorlese-Eltern macht das eigentlich nicht, hm?

„Dafür sind Freunde da“ von Yetiland ist als Teil des Junique Bookshelf erschienen und auch genau dort erhältlich. In der gleichen Reihe sind unter anderem auch „Die Tierwelt Europas“ von Amy Hamilton erschienen. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um ein Erzählbuch, sondern um ein stilvolles Tier-Lexikon. Dafür war meine Tochter aber dann doch noch zu klein –  es sieht aber auch vielversprechend aus. Also das Buch. Aber die Tochter auch.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. Sari

    10 Januar

    Also die Bilder sind definitiv total süß. Wegen der Sprache ist natürlich wirklich schade!

  2. Hallo Johnny,

    Sehr schön vorgelesen. So macht Blog „lesen“ während des Stillens noch mehr Spaß.
    Vielen Dank dafür und die differenzierte Rezension.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    • johnny

      10 Januar

      Hallo Mama Maus,
      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. Genau so ist es auch gedacht – manchmal macht es einfach viel mehr Spaß, vorgelesen zu bekommen. Vielleicht werden die Audio-Bits irgendwann bald mal etwas länger als der eigentliche Text, aber es soll schon eng vernetzt bleiben. Siehste, und jetzt rede ich schon wieder zu viel.
      LG Johnny

  3. Klasse Buch. Vielen Dank für den Tipp. Das mit der Sprache in den Kinderbüchern ist grundsätzlich kritisch, denn allzu vielen gelingt einfach keine gute schöne Sprache für Kinder.

    Und ich finde deinen Audio-Beitrag auch eine sehr gute Idee!

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