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Zähneputzen in der Kita? Mehr als nur eine Frage d...

Zähneputzen in der Kita? Mehr als nur eine Frage der Hygiene!

Zaehneputzen in der Kita

„Zähneputzen, Zähneputzen, das geht ganz geschwind! Zähne putzen, Zähne putzen, das kann jedes Kind!“ Offensichtlich geht das leicht von mir abgewandelte Kinderlied dann doch ganz anders, als ich es weitergedichtet habe. Ja, manchmal wundere ich mich an Stellen, da käme ich mit meiner eigenen, beschränkten Logik überhaupt nicht hin. Zähneputzen in der Kita, das sei unhygienisch und widersinnig, musste ich da kürzlich lesen. Die sinnvolle Kulturtechnik namens Mundhygiene scheint also nun auch endgültig im postfaktischen Zeitalter angekommen zu sein. Ich lasse trotzdem in der Kita Zähne putzen, wenn vielleicht auch aus anderen Gründen!

*enthält Europa Apotheek-Produktlinks*

Zähneputzen in der Kita

Ich gehöre ja zu diesem kleinen Bruchteil jener Elternteile, die für ihren Nachwuchs gar nicht so aktiv nach einem Betreuungsplatz suchen mussten – oder wollten. Er ist mir sehr gefällig und einfach so in den Schoß gefallen. Dennoch kenne ich natürlich die eine oder andere Einrichtung. Wie wäre das aber wohl gewesen, hätte ich meiner Suche nach einer Kinderbetreuung einen Kindergarten angeschaut, in dem ein kleines, aber wichtiges Detail gefehlt hätte – nämlich der Zahnputzbecher?

In der Kita Zähne putzen? Das war für mich vor meiner Elternzeit bisher so selbstverständlich wie Currywurst mit Pommes, Bernhard und Bianca oder Löcher in meinen Socken. Eine Einrichtung für Kinder ohne Zahnputzbecher im Bad? Das hätte ich wahrscheinlich irritiert abgelehnt. Dass es so etwas überhaupt gibt, hätte ich Stein auf Bein geschworen, Nein, so etwas gibt es einfach nicht. Nicht hinter den sieben Bergen und auch nicht bei den sieben Zwergen.

Und wie immer ist es natürlich so, dass wenn ich etwas rundheraus als fantastisch abstemple, jemand um die Ecke lugt und mich eines Besseren belehrt. Denn: ein Betreuungsteam hatte wohl kürzlich beschlossen, die Dienstleistung „Zähneputzen“ bis auf Weiteres einzustellen. Und die Überraschung folgte auf dem Fuße: einige virtuelle Kommentatoren begrüssten dies sogar. Nervig, unsinnig und unhygienisch sei es. Die Kleinen würden doch eh nicht richtig putzen. Auch könne man sie kaum adäquat beaufsichtigen – von den etwaigen Zahnbürsten-Wechsel-Dich-Spielchen ganz zu schweigen. Kurzum: Zähneputzen ist Elternaufgabe und zweimal am Tag, also morgens und abends reichten vollkommen aus.

Es ist also soweit, die Kulturtechnik „Zähneputzen“ ist im postfaktischen Zeitalter angekommen. So sehr es natürlich völlig richtig ist zu behaupten, dass Kinderzähne in Elternhände gehören, so falsch ist jedoch die Konsequenz daraus. Nein, man muss natürlich nicht nach jeder kleinen Mahlzeit mit dem Kind ins Badezimmer spurten. Was mir in dieser abstrusen Situation indes vollkommen fehlt, ist die kognitive, soziale, pädagogische Komponente seitens der Einrichtung, die das Zähneputzen aus ihrem Alltag verbannen will.

Zähneputzen ist mehr als die Summe der Hygiene

Geht es beim Zähneputzen nicht ausschließlich um den zugegeben manchmal fragwürdigen Aspekt der Hygiene? Leider wird dieser viel zu oft herangezogen, um das Zähneputzen einzustellen. Zum Beispiel dann, wenn diese nicht gewährleistet werden kann, weil der Betreuungsschlüssel nicht stimmt (30 Kinder mit zwei BetreuerInnen z.B.).

Und doch: geht es nicht vielleicht auch um Rituale und Tagesabläufe? Darum, dass auch andere Kinder Zähne putzen? Geht es nicht um Routinen, die man einübt, damit man sie auch in späteren Jahren als verfestige Strukturen in sich trägt? Auch, um die eigene Gesundheit zu erhalten? Der Zusammenhang zwischen Mundhygiene, Karies und Herzerkrankungen ist alles andere als postfaktisch, sondern äußerst gut belegbar. Milchzähne mag die Zahnfee mitnehmen, Karies leider nicht.

Und so lasse ich meine Tochter auch weiterhin in der Kita ihre Zähne einmal am Tag putzen – nach dem Mittagessen. Weil sie Spaß daran hat. Weil ich möchte, dass sie irgendwann eben nicht die apokalyptische Angst vor dem Zahnarzt erbt, die ihre Großmutter und zeitweise auch mich heimgesucht hat. Das macht mich nicht zum Helikoptervater, der über den zahnärztlichen Ratschlag, zweimal am Tag mit dem Kind Zähne zu putzen hinausgeht, sondern zu jemanden, der einfach weiß, wie wichtig Routinen für seine Tochter sind – und wieviel Spaß sie machen können.

Natürlich reicht Motivation und Freude allein nicht aus, um die kleinen Beißerchen vor den Gefahren da draußen zu schützen. Wir haben damals, als sie noch nicht so ganz draußen waren mit natürlichen Veilchenwurzeln und an Babys Gaumen angepasste Beißringe nachgeholfen, bevor es dann langsam in Richtung Kinderzahngel mit altersgerecht dosiertem Flourgehalt bzw. Xylit ging.

Mundhygiene ist nämlich eigentlich ganz entspannt und einfach, wenn man nur weiß, wie es geht und wo man suchen muss.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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  1. Hallo Johnny,

    Was sollen die Kinder in dieser Kita lernen? Zähneputzen ist nicht so wichtig?

    Wie du bereits geschrieben hast, es geht doch mehr um die Gemeinschaft. Wenn alle Kinder zusammen Zähne putzen, fällt es doch viel leichter als alleine zuhause. Das dabei nicht wirklich Zähne tiefenrein werden, ist doch allen Eltern klar.

    Bei uns kommt noch als Highlight der Zahnarzt halbjährlich zu Besuch. Die kleinen Geschenke und das Lob lassen Angst vor dieser wichtigen Routine gar nicht erst entstehen.

    Viele Grüße
    Mama Maus

  2. Peter W

    19 Januar

    Bei uns in der Kita werden die Zähne ebenfalls nicht geputzt und ich bin froh. Im späteren Leben werden die Kinder vermutlich die Zähne ebenfalls nur noch Morgens und Abends putzen und genau dieses Ritual möchte ich mit ihnen üben und das klappt auch ganz wunderbar.

  3. Hallo, in der Kita meiner Kinder wird auch Zähe geputzt. Sobald der erste Zahn da ist, haben die Kinder eine eigene Zahnbürste im eigenen Becher am eigenen Platz im Badregal. Natürlich können die Erzieher nicht jedem Kind die Zähen putzen oder gar darauf achten, dass es richtig gemacht wird. Dafür sind wir Eltern da. Aber sie schaffen ein Ritual. Sie vermitteln, dass das Zähneputzen zum Alltag gehört und ich finde es gut, dass das nicht nur bei uns zu Hause vorgelebt wird. Irgendwie gehört das für mich auch zu den Dingen, die eine Kita als ganz selbstverständlich vermitteln sollte, genauso wie zusammen essen, sich zuhören, Danke und Bitte sagen etc. Und die Minis haben einfach Spaß daran. Lieben Gruß, Martamam

  4. K.G.

    10 November

    In der Kita meiner Tochter wird auch nicht geputzt obwohl im Badezimmer noch die Vorrichtungen für die Becher sind. Als Begründung bekam ich das wäre vom Gesundheitsamt nicht mehr zulässig….aha dann handeln also die Kitas in der Umgebung rechtswidrig… Mein Kind ist ein ganztags Kind sie nimmt also Frühstück,Mittag und Nachmittagssnack zu sich. Ich putze morgens und abends mit ihr. Wobei wir ja morgens saubere Zähne nur der Routine wegen reinigen. Jetzt hat sie das erste Loch und ich bin schockiert. Wo ist das Problem mit den Kindern zu putzen und sei es eben nach dem Frühstück…unhygienisch? Die Kiddies stecken erst sich und dann dem Nachbarn die Finger in den Mund. Es gibt doch ne Aufsicht und man muss ja nicht mit 25 Kindern gleichzeitig ins Bad gehen.
    Ich verstehe dich und deinen Ansatz gut ich würde mir eine solche Kita wünschen wo das Zähneputzen auf dem Plan steht.

    • johnny

      15 November

      Hallo Kathi,
      vielen lieben Dank auf jeden Fall für dein Feedback! Im Kita-Alltag finden Leitung und GA leider viele Gründe und Ausreden gegen das Zähneputzen – ungünstiger Betreuungsschlüssel, nicht ausreichende Aufsicht, mangelnde Hygiene. So wie es eben bei euch passiert ist. Und das ist auch richtig so, aber: nichts spricht dagegen, in kleinen Gruppen putzen zu lassen. Es ist eben nur mehr Aufwand…

      Ich hoffe, es bleibt bei dem einen Loch bei euch. Tut mir leid.
      LG Johnny

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