So habe ich mich als Vater verändert

Zunächst denkst Du, dass alles ein Klacks ist. Was kann denn so ein kleines Baby schon alles anstellen? Weit gefehlt, Du landest sehr schnell in einer komplett anderen Welt. Von heute auf morgen ist alles anderes!

Die Technik des Wickelns, Fütterns, etc. ist halb so wild. Das kriegst Du leicht hin. Aber leider ist ein Baby kein Handy, das sich einfach abstellen lässt. Ein Baby schreit auch, wenn es schon alles hat. Dann beginnt das große Grübeln. Was könnte es denn noch wollen? Gebrauchsanweisung wird leider keine mitgeliefert. Es war schwer, sehr schwer, sogar schwerer als meine Diplomprüfung und meine Mutter davon zu überzeugen, dass ich mit 30 schon alt genug bin, meine Entscheidungen alleine zu treffen. Aber letztendlich habe ich es geschafft.

Ich war fix und fertig, mein Sohn war nun schon ein halbes Jahr und hat noch immer, wenn ihm gerade danach war, wie am Spieß gebrüllt. Da stand ich nun vorm Spiegel, Stoppelbart, etwas wirre Haare und fix und fertig. Kurz entschlossen, entschied ich, dass es so nicht weitergehen könne, nachdem der Kinderarzt ja gesagt hatte, dass alles in Ordnung sei. Ich sperrte die Wohnung ab. Setzte meinen Sohn in seinen Laufstall, gab ihm Spielzeug und seine Trinkflasche und legte mich aufs Sofa daneben. Fix und fertig schlief ich sofort ein. Mir ist noch immer unklar, wie er es damals geschafft hat, „auszubrechen“. Ich wachte auf, weil er mir seine kleine Hand ins Gesicht patschte. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich ausgeruht und dem kleinen Mann entschlossen genug entgegenzutreten.

Oh Wunder, ab diesem Zeitpunkt schrie er nicht mehr ohne Grund. Ich denke, das Schwerste für Eltern ist, Nein zu sagen und sich selbst eine wohl verdiente Auszeit zu nehmen. Wird es leichter mit der Zeit? Mit jedem neuen Einfall meines Sohnemanns habe ich dazugelernt. Als mein Sohn vier war, dachte ich, es wäre nett, wenn einer seiner Spielkameraden vom Kinderspielplatz dazukäme. Als die Oma des anderen Kindes mit mir kurz ins Wohnzimmer ging, hörten wir einen heftigen Rums und dann war Totenstille. Wir rannten sofort in die Küche und da saßen die beiden kleinen Übeltäter, Küchenkästchen geöffnet und alles voller Mehl. Die beiden waren natürlich auch voll. Als sie uns sahen, begann sie zu lachen und ihm Mehl herum zu patschen, dass es nur so staubte. Dort hatte ich die Süßigkeiten versteckt. Nur waren da halt keine mehr da. Für die Kinder war es lustig. Ich durfte wieder alles sauber machen.

Als mein Sohnemann in den Kindergarten kam, war ich zunächst froh, endlich auch wieder mehr Zeit für mich zu haben bzw. auch wieder außer Haus arbeiten zu können. Ja, denkste! Von wegen, bereits nach einer halben Stunde habe ich den kleinen Kerl furchtbar vermisst und mir ständig Sorgen gemacht, ob es ihm gut geht. Nach zwei Stunden hat mich die Kindergärtnerin angerufen, dass ich ihn wieder abholen soll, weil es sonst zu viel für ihn am ersten Tag wird. Gemeinsam schaffst Du das mit Deinem Kind! Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig als ich ihn nach zwei Stunden wiedergesehen habe. Ich habe alles hintangestellt und bin mit ihm ein Eis essen gegangen. Er hat sich gefreut und ich war glücklich als ich ihm beim Eis löffeln zusah.

Mit der Zeit habe ich mir meine Arbeiten besser eingeteilt, vor allem planbare Dinge. Das hat vieles vereinfacht. Es ist wirklich unglaublich, wie viele unnötige Dinge sich ansammeln können. Mein Sohn hat mir indirekt beigebracht, die Welt mit anderen Augen zu sehen und was wirklich wichtig ist. Heute ist er 12, aber ich mache mich noch immer Sorgen.

Christian

Christian ist Vater von Zwillingen und einem kleinen Nachzügler. Von Beruf ist Christian Sozialpädagoge und arbeitet in einem Jugend- und Kinderzentrum. Er unterstützt mich bei Themen zu Kindererziehung und hilft mir bei der Auswahl der richtigen Produkte für unsere Vergleiche.

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