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Was ich als Vater nicht vermisse

„Es kommt immer anders als man denkt“ – das Sprichwort trifft auf mich vollkommen zu. Ich dachte, wenn das Baby einmal da ist, ist alles cool. Dem war leider nicht so. Zunächst ist meine Frau bei der Geburt unseres Sohnes gestorben. Ich war alles zusammen, verzweifelt, euphorisch über das Baby und was viel schlimmer war, ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Aber ich hatte meine Eltern und meine Schwiegereltern, die mir über diese schwere Zeit hinweggeholfen haben. Warum erzähle ich Dir das? Es hat lange Zeit gebraucht, bis ich mit mir im Reinen war bzw. überhaupt darüber sprechen konnte. Aber ich denke, dass jeder junge Vater alle möglichen schlechte und gute Erfahrungen macht. Vielleicht hilft es Dir ja.

Ausgehen, Partys, Feiern, eine schöne Zeit haben

Sicher ist die Situation anders, wenn man zu zweit ist. Es ist klar, dass mir nicht danach war. Ich habe tolle Freunde und eine Familie, auf die ich jederzeit zählen kann. Das hat enorm geholfen. Ich bin früher mit meiner Frau jedes Wochenende ausgegangen. Wir waren oft eingeladen oder feierten Partys bei uns. Das vermisse ich jetzt sicher nicht. Dafür kommen meine Freunde zu uns und wir machen uns so eine vergnügliche Zeit. Familienbesuche sind meistens eine Art Party für meinen Sohnemann und mich. Das erste Mal, als mein Sohnemann seinen Freund aus dem Kindergarten einladen durfte, hatten beide viel Spaß. Es war vor Weihnachten und als es klingelte, stand da eine Schachtel mit einer Babykatze. Beide waren vollauf begeistert. Ich weniger, weil das ja auch mehr Arbeit bedeutet und ich irgendwann auch wieder außer Haus arbeiten gehen möchte. Meinem Sohnemann hat das Kätzchen gutgetan.

Musst Du Abstriche in Deinem Leben hinnehmen?

Ich würde sagen, das gehört zum Leben dazu. Auf der einen Seite verlierst Du, auf der anderen gewinnst Du. Ich muss meine Zeit besser planen, kann vieles nicht spontan entscheiden und einiges auch nicht mehr machen (Kneipentour mit Freunden, Pop Konzert besuchen), aber das ist etwas, was ich nicht vermisse. Dafür habe ich jetzt einen Sohnemann, der mich ständig auf Trab hält. Der gesund und putzmunter durch die Gegend turnt und mich ganz schön fordert. Das möchte ich um nichts in der Welt vermissen.

Was hat sich in puncto Urlaub geändert?

Die Urlaube sind mit Sohnemann anstrengender, aber auch „gehaltvoller“. Wir unternehmen zusammen sehr viel. Er kommt mit Ideen, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Aber auch mit Kind lassen sich ein, zwei Stunden ganz gut alleine verbringen. In der Ferienanlage gab es immer ein tolles Animationsprogramm für ihn. Ich habe es zwar jedes Mal nur ein Mal in Anspruch genommen, weil ich ja mit meinem Sohnemann Urlaub mache, aber es hat uns beiden gutgetan.

Weihnachten hat sich stark verändert!

Zu Weihnachten haben meine Frau und ich jeder für sich mit seinen Freunden Weihnachtspartys gefeiert. Natürlich besuchten wir auch gemeinsam Freunde und feierten ausgelassen und mit viel Punsch. Der Heilige Abend war meistens zu zweit gemütlicher. Das hat sich alles verändert.

Am Heiligen Abend kommen meine Eltern und Schwiegereltern, am nächsten Tag meine Schwester und mein Bruder mit ihren Familien. Somit gibt es an einem Tag nicht so viel Trubel und die Kinder können am nächsten Tag den ganzen Tag spielen. Manchmal übernachten sie auch bei uns und es werden zwei oder drei gemütliche Tage im engsten Familienkreis. Mein Sohnemann freut sich jedes Jahr sehr auf seine Cousins, seine Omas und Opas. Spiele spielen wir nicht, die Kinder spielen nur mit dem, was sie gerade bekommen haben.

Wir leben alle schon sehr lange hier und sind wie eine richtige Familie. Es ist bei uns Brauch, dass die andere Nachbarin einen Tag vor Weihnachten vorbeikommt und Kuchen oder Kekse bringt. Als sie einmal bis zum Abend nicht kam, gingen wir nachsehen. Sie lag in der Küche vorm Ofen. Sie hatte sich beim Backen das Bein gebrochen. Sie lebt alleine. Somit haben ihr die Kekse indirekt geholfen. Mein Sohnemann hatte schreckliche Angst, dass ihr mehr passiert sein könnte. Wir fuhren sie ins Krankenhaus und wieder nach Hause. Da war er beruhigt. Am nächsten Tag bestand er darauf, ihr etwas besonders Hübsches zu besorgen. Das war aber der Heilige Abend und unsere Verwandten waren da. So luden wir sie kurzerhand zu uns ein, den Heiligen Abend mit uns zu verbringen. Wie gesagt, sie lebt alleine und hat sich sehr gefreut. Sohnemann war sehr stolz, weil es sein Einfall gewesen war!

Es gibt Dinge, die kann man mit Geld nicht kaufen!

Ich vermisse die Partys in keinster Weise. Früher war ich mehr außer Haus als zu Hause. Auch das vermisse ich nicht wirklich. Manchmal habe ich mit meinem besten Freund an seinem Auto geschraubt. Das vermisse ich nicht. Er besucht uns mit seinem Sohn, das ist besser. Aber ich würde meinen Sohnemann vermissen sowie ich meine Frau jeden Tag vermisse.

Christian

Christian ist Vater von Zwillingen und einem kleinen Nachzügler. Von Beruf ist Christian Sozialpädagoge und arbeitet in einem Jugend- und Kinderzentrum. Er unterstützt mich bei Themen zu Kindererziehung und hilft mir bei der Auswahl der richtigen Produkte für unsere Vergleiche.