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„Ich bin ein selbständiger Vater“ – Ist das schon die neue Vereinbarkeit?

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Während der Abschlussdiskussion der Familienbloggerkonferenz #blogfamilia hallte mir besonders eine Frage nach – sinngemäß: „Welchen Begriff von Arbeit wollen wir unseren Kindern vermitteln?“ Erst jetzt, beinah zwei Wochen später, habe ich eine Art Antwort auf diese Frage gefunden. Sie ist allerdings weniger eindeutig als gedacht, dafür aber durchaus positiv und zwar nicht nur für mich, sondern auch für meine Tochter. Gedanken als selbständiger Vater, der das mit dieser neuen Vereinbarkeit unwissentlich mal ausprobiert hat.

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich finde es erschreckend gut und richtig, dass meine Tochter schon früh erfährt, dass es da draußen Dinge gibt, die Erwachsene nun mal eben tun müssen. In eine Tüte atmen zum Beispiel. Oder arbeiten. Manchmal sogar beides gleichzeitig. So schön es auch sein mag, sich die Sonne auf die Eiskugel scheinen zu lassen. Manchmal fordert das Erwerbsleben eben doch seinen Tribut. Ich klinge schon wie so jemand aus der Generation Z, oder?

Home Office vs. Präsenz

Während meine Freundin also in die Praxis fährt und damit Arbeitszeit wie auch Arbeitsort ganz klar definiert sind, sitze ich im weniger definierten Home Office. Das ist dann auch nichts anderes als der heimische Esstisch, die Küche oder bei schönem Wetter vielleicht sogar der Balkon.

„Mama, fährst Du in die Praxis?“ ist eine eindeutige und klar gestellte Frage, die sich meine Tochter stellt. Stellt die Dreijährige die gleiche Frage hingegen ihrem Papa, sieht das schon wieder ganz anders aus:„Papa, Du musst arbeiten, oder?“ Wenn ich am großen Rechner sitze oder vor meinem Laptop, dann weiß meine Tochter „Du musst noch arbeiten, oder?“ und dann sage ich:„Ja, mein Schatz, ich muss noch was schreiben!“

Für meine Tochter bedeutet Arbeit also beides. Es kann an einen Ort gebunden sein oder eben eine Tätigkeit selbst, z.B. zu Hause. Praxis oder das Schreiben – in ihren Augen gibt es einfach keinen Wertigkeitsunterschied. Arbeit ist Arbeit. Es ist allenfalls ein Vermittlungsproblem. Davon könnte sich eigentlich fast jedes Unternehmen eine daumendicke Scheibe abschneiden. Ich reiche auch gern das Messer hierfür… huch.

Kleines Detail mit großer Wirkung

Das funktioniert aber auch nur, weil meine Tochter weiß, dass sie selbst nicht in Konkurrenz mit meiner Arbeit oder dem damit verbundenen Blick auf das Smartphone konkurrieren muss. Die digitale Entgrenzung, die ständige Erreichbarkeit, genau dem versuche ich auch im Namen meiner Tochter so weit es geht zu entkommen. Doch muss ich gestehen, auch schon das eine oder andere Mal auf dem Spielplatz „gearbeitet“ zu haben. Ja, man muss aufpassen. Die digitale Arbeit, das Home Office hat großen Appetit. Es droht stets damit, mich aufzufressen.

Auf die Frage, welchen Begriff von Arbeit ich meiner Tochter mitgeben möchte, weiß ich selbständiger Vater mittlerweile eine ganz einfache Antwort zu geben, die leider überhaupt nicht einfach klingt: Arbeit ist nicht gleich Arbeit und doch gibt es keine Wertigkeit. Ob im Büro oder in der Pflege, ob in der Praxis oder zu Hause.

Digitale Arbeit als „neue Vereinbarkeit“?

Ich bin privilegiert. Ich kann die bereits vorhandene digitale Infrastruktur für mich nutzen, um wie es Rike von Muttergefühle, Gesamtausgabe so schön gesagt hat, „unsere eigene Vereinbarkeit“ zu basteln. Ich weiß, dass Dies ist nicht jedem vergönnt ist. Auch dann nicht, wenn ich doch eigentlich denke, dass es nur ein wenig mehr Mut bräuchte – und schon kämen mehr Väter und Mütter in diesen einmaligen Genuss. An dieser Stelle kugeln sich wahrscheinlich Kleinkinder an jeder Ecke des Landes vor Lachen wieder aus ihren Bettchen.

Für meine Tochter sind Begriffe wie Vereinbarkeit, Beruf, Home Office und so weiter allesamt noch recht fremd. Und das obwohl, sie sie tagtäglich vorgelebt bekommt. Die moderne Arbeitswelt ist vielfältig. Mir hat sie den Traum, vom selbstbestimmten Arbeiten erst ermöglicht. Auch meine Tochter wird irgendwann und eines schönen Tages mal einer Tätigkeit nachgehen. So zumindest die Annahme. Wie diese aussehen wird und in welcher Arbeitswelt sie sich wiederfinden wird? Angeblich werden mehr als die Hälfte der Jobs, die unsere Kinder leben zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht erfunden sein. Und doch: In welche Arbeitswelt meiner Tochter hineinwächst, auch das hängt auch davon ab, wie wir und ich diese Arbeitswelt heute gestalten. Eigentlich ein gutes Gefühl, auch wenn es noch viel zu verbessern gibt. Ich denke hier auch nochmal an den Girls Day, über den ich hier schon geschrieben habe: Sorry, Girls Day, ich bin kein Mädchenpapa!. Es hängt eben alles zusammen.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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