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Die Eltern-Kind-Kur und warum sie auch für Väter wichtig ist

Eltern-Kind-Kuren, gern u.a. auch als Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen bezeichnet, sind bei Vätern gar nicht so beliebt. Häufig bleiben es die Mütter, die dieses Angebot der Krankenkassen wahrnehmen. Warum der Anteil von Vätern in Kur bei einer der größten Betriebskrankenkasse Deutschlands indes mehr als doppelt so hoch ist und was es beim Antrag zu beachten gilt? Die SBK hat mich da mal beraten – und jetzt bin ich doch etwas verwundert. Warum macht eigentlich nicht jeder Papa eine Vater-Kind-Kur?

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Vor vielen Jahren war mein Großvater aus mir bis heute unbekannten Gründen zur Kur – und zwar ausgerechnet in Niedersachsen. Fallingbostel, um genau zu sein. Und als wäre dies allein nicht bereits verwegen genug, unternahm ich als Fünfzehnjähriger seinerzeit eine an Kühnheit kaum zu überbietende Tagesreise dorthin.

Zugegeben, seitdem ist viel passiert: Abitur, Ausland, zwei Studiengänge, 16 Umzüge, Brangelina-Trennung und nicht zu vergessen eine dreijährige Tochter. Was soll ich sagen, ich bin eben großer Freund von Veränderungen. Das bedeutet aber nicht, dass ich gänzlich stressresistent bin. Ganz im Gegenteil eigentlich.

Eine Vater-Kind-Kur beantragen?

Schon im ersten Jahr nach der Geburt meiner Tochter, hörte ich zum ersten Mal von sogenannten Vater-Kind-Kuren. Seit meinem Tagesritt nach Niedersachsen hatte ich ja schon lange nicht mehr an Kuren gedacht. Und doch, die Idee, weitab von sonstwie coolen Daddy-Outdoor-Events mit Kind einfach mal dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen, zu fokussieren, sich erneut zu finden, der gefiel mir schon sehr. Damals war meine Tochter leider noch zu jung und in Sachen Fremdbetreuung zu unerfahren.

Erstaunlich genug, selbst der Antrag für eine medizinische Vorsorgemaßnahme mit Kind ist eigentlich ganz easy. Erster Ansprechpartner ist natürlich die Krankenkasse, denn diese weiß am besten, welche Angebote sie zu bieten und worauf man beim Antrag achten sollte. Doch auch beim Müttergenesungswerk gibt es online alle nötigen Formulare als Download.

Die Gründe für eine Vater-Kind-Kur können indes sehr unterschiedlich sein. Allein die Doppelbelastung als Werktätiger und Vater birgt in sich leider schon ausreichend Potential, man denke an Angst- oder Erschöpfungszustände, aber auch körperliche Indikationen wie Verspannungen, Migräne usw. Und doch steht wie so oft im Leben die Selbsterkenntnis an erster Stelle – Ich brauch das jetzt!

Mittlerweile gibt es sogar Kliniken, die sich ganz speziell auf väterliche Bedürfnisse und Themen eingestellt haben. Doch auch „herkömmliche“ Einrichtungen bieten Angebote, die für beide, also Mutter und Vater gleichermaßen funktionieren. Man denke hier an Maßnahmen wie Bewegungs- oder Physiotherapie, Ernährungsberatung oder auch einfach Entspannungsübungen. Darüber hinaus gibt es natürlich auch spezielle Vorträge zu Themen wie Erziehung, deren Erkenntnisse besonders im Alltag Stütze sein können – wenn die Kur vorbei ist.

Väter nutzen das Angebot nicht!

So weit, so klar. Umso erstaunter war ich, als ich im Rahmen eines offenen Gesprächs mit der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), übrigens eine der größten ihrer Art, kürzlich erfuhr, dass die Quote der Väter in Eltern-Kind-Kur bei sieben Prozent liege. Das ist ja erstaunlich wenig, und doch: Im Jahr 2016 wurden durchschnittlich lediglich fünf Prozent aller Eltern-Kind-Kuren von Vätern beantragt. Gemäß Müttergenesungswerk waren es sogar noch weniger, nämlich nur drei Prozent. Das bedeutet, hier steht die SBK gleich doppelt so gut dar als der Durchschnitt. Woran liegt das?

Mein persönlicher Eindruck als Vater

Bei alledem, was eine Vater-Kind-Kur für mich als Papa, aber auch für die Bindung zwischen mir und meinem Kind tun kann. Bei dem mittlerweile standardisierten Verfahren und einer Quote von fast 90 Prozent bewilligter Anträge wundert es mich, dass nicht mehr Väter dieses Angebot wahrnehmen.

Sicher, eine Vater-Kind-Kur hat nichts mit Jahresurlaub zu tun, sondern soll konstruktiv dabei helfen, auch darüber hinaus im Alltag gesünder mit sich und den Seinen umgehen zu können. Eine simple Tatsache, die die SBK dank ihrer persönlichen Beratung und ihres ausgeprägten Service-Gedankens auch gegenüber Vätern erstaunlich gut zu vermitteln vermag. So kümmert sich die SBK bereits während der Schwangerschaft besonders um familiäre Belange und baut so ein Vertrauen auf, welches auch über die Zeit der Schwangerschaft hinaus geht – auch in Sachen väterlicher Gesundheit.

Mehr Wissenswertes zur Vater-Kind-Kur

Was ich im Gespräch mit der SBK sonst noch erfahren habe? Nun, bisher wusste ich nicht, dass man für die Zeit der Kur eine Haushaltshilfe beantragen kann. Auch nicht, dass die Anreise gezahlt wird. Dass man eine Vater-Kind-Kur nicht nur einmal, sondern tatsächlich ALLE vier Jahre beantragen kann – bis zum 12. Kindesjahr zumindest. Natürlich sollte man aber auch wissen, dass eine Kur von drei Wochen pro Tag mit 10 Euro Eigenanteil zu Buche schlägt. Eine Kur von drei Wochen kostet also insgesamt 210 Euro. Fair, oder? Das ist im Grunde ja auch nur der Betrag, den man in dieser Zeit zu Hause für Dinge wie u.a. Lebensmittel und kleinere weitere Ausgaben getätigt hätte.

Als sogenannte „medizinische Rehabilitation“ ist die Kur übrigens sogar auch gesetzlich verankert, siehe §41 SGB V bzw. als Vorsorgemaßnahme – siehe §24 SGB V. Das bedeutet, dass für die 21 Tage dauernde Kur keine Urlaubstage verbraucht werden dürfen, sondern der Arbeitgeber den Antragssteller freistellen muss.

Fun fact: Nächstes Jahr wird die Siemens Betriebskrankenkasse stolze 110 Jahre alt. Sollte es nächstes Jahr in einer der 94 Geschäftsstellen also mal doch etwas lauter zugehen, dann ist das schon in Ordnung so, ne.


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

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