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Bei REWE sind jetzt die Väter gefragt!

Bei REWE sind jetzt die Väter gefragt!

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Viel redet man in den Medien davon, dass immer mehr Männer sich nicht nur im Beruf, sondern auch als Vater in die Familienarbeit einbringen wollen. Die Statistiken sind indes ernüchternd. Woran das liegt, vermag ich im Einzelfall nicht immer zu sagen. Definitiv ist einer der Gründe aber struktureller Natur: Arbeitgeber sind selten väter- bzw. familienfreundlich. Da wird lieber stirngerunzelt, anstatt zu unterstützen. Dabei zeigt der Lebensmittelhändler REWE, dass es eigentlich ganz einfach ist, erste Schritte in diese Richtung zu gehen. Jetzt sind die Väter gefragt.

Ist es nicht schade, dass man nicht beides haben kann, Familie und Beruf? Und zwar so, dass man nicht gleich den großen Texas-Hut aufsetzen muss, sondern beides auch im Kleinen einfach im Gleichgewicht halten kann. Zugegeben, eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird auf Vorstandssitzungen und irgendwelchen Business-Seminaren gern als zufriedenheitsfördernde und damit produktionssteigernde Maßnahme angepriesen. Damit wäre ich allerdings vorsichtig, denn oft verändert sich danach: nichts!

Vatersein braucht Zeit

Als Vater wollte und will ich von meiner Tochter mehr, als bloß die Momente am Morgen vor der Arbeit oder die Stunden am Wochenende. Das ist mir einfach zu wenig, denn: Ein guter Vater zu sein, das bedeutet, Verantwortung für meine Tochter zu übernehmen und zwar nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Und das geht nur, wenn ich auch Teil ihres Alltags bin.

Wenn der Arbeitgeber mit der Stirn runzelt, wenn ein Vater in Elternzeit gehen will. Oder es erst gar nicht erlaubt. Oder etwaige Teilzeitmodelle von vornherein ausgeschlossen werden. Dann wird dieses Ansinnen schwierig. Auch deswegen habe ich eine Vollzeit-Tätigkeit seit der Geburt meiner Tochter für mich als Vater ausgeschlossen.

Es klingt, als ginge der Lebensmittelhändler REWE hier durchaus andere Wege. Vielleicht ist der beste Weg nämlich, Väterfreundlichkeit einfach vorzumachen anstatt bloß in Seminaren darüber reden zu lassen. Mit dem berufundfamilie-Team kann man bei REWE in Zusammenarbeit mit dem Elternservice der AWO Hilfe nicht nur Unterstützung in Sachen Kita-Platz, Tagesmutter oder Aupair bekommen. Auch unterschiedliche Arbeitszeitmodelle wie 3- bzw. 4-Tage-Woche oder 5 halbe Tage stehen im Angebot. Und nicht erst, wenn man Mutter oder Vater geworden ist, sondern diese Option stehen für alle offen, heißt es.

Die Zeit als Vater kommt nicht zurück

Nach gerade einmal etwas mehr als zwei Jahren mit Kind kann ich sagen: Die Zeit als Vater kommt nicht zurück. Jede Stunde, die ich mit meiner Tochter verbringe, kann mir niemand mehr nehmen. Wer die Möglichkeit hat, Zeit mit seinem Kind zu verbringen, sollte diese wahrnehmen. Auch deswegen wundere ich mich, warum nicht mehr Väter mehr Zeit damit verbringen, für ihre Kinder präsent zu sein. Ich verstehe auch nicht, warum so viele Väter Angst vor der Teilzeit haben. Der rein finanzielle Aspekt greift hier einfach zu kurz. Und die strukturellen Hindernisse allein erklären es auch nicht. Oder wenn, dann nur zum Teil.

Letzten Sonntag bin ich über einen Satz gestolpert, der in seiner zugespitzten Form vielleicht gar nicht so weit weg von der Realität ist: „Ein Drittel ist im Job unersetzlich, der andere Teil hält sich dafür und der Rest hat einfach keine Lust auf das ‚Wickelvolontariat‘!“ Das hat gesessen.

Wenn es aber leichter wird, einfach aus dem Job für längere Zeit auszusteigen. Wenn es angesehener wird, auch als Vater die Arbeitszeit zugunsten der Familie zu reduzieren. Wenn man auch die Mütter wieder in das Berufsleben bringt, vielleicht wird es dann auch für Männer normaler, sich selbst als Vater zuzulassen. Vielleicht..


Als Alleinerziehender und bloggender Vater einer vierjährigen Tochter schreibt Johnny über das Leben als Einelternfamilie - und über Kinderbücher.

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  1. Britta

    28 September

    Bei vielem bin ich voll dabei. ABER, wenn man mehr Mütter wieder in das Berufsleben bringt (wer bringt die da jetzt gleich hin?) dann haben vor allem die Familien mehr Geld. Und die Mütter mehr Stress. Viel mehr Stress. Aber auch mehr Rente. Später, wenn sie sich nach vielen Jahren der Überforderung und der ungerechten Verteilung der Arbeit von ihren Männern trennen, weil sie die Nase mal so was von randvoll haben.
    Das aber nur ein Mann mehr weniger arbeiten möchte, weil seine Frau auch wieder arbeitet halte ich mal für ein Gerücht. Realität ist doch bei vielen, dass der Mann einfach immer weitermacht. Er arbeitet eben. Vor dem Kind wie nach dem Kind. Und dem zweiten bis x-ten Kind. Und in wie weit er Bock, Zeit und Nerv hat, sich so mit einzubringen, wie das hier oben so wunderschön beschrieben ist (Teil des Alltags sein wollen. Toll!), ist dann ja wohl mehr eine Frage der Persönlichkeit, der Sozialisation und der Reife. Und der Achtsamkeit seiner Familie gegenüber. Ist halt immer auch eine Frage, zu welcher Welt man gehören will. Und da sprechen die Statistiken ja mal eine Eindeutige Sprache.
    So wie die Frauen sich gerne mal fragen lassen müssen, warum sie sich die Doppelbelastung geben und nicht die Hälfte von allem Familiären „einfach“ dem Mann überlassen, so dürfen sich die Männer vielleicht auch mal fragen, warum sie nicht mehr Bock auf ihre Kinder haben und dann entsprechend dafür eintreten. Mit der gleichen Hartnäckigkeit wie für den neuen Dienstwagen, das höhere Gehalt oder von mir aus den gesünderen Schreibtischstuhl. Aber da scheitert es ja schon an der Einforderung der gesetzlich geregelten Kinderkrankentage. Ui, heute ganz schlecht. Und das, obwohl gar keine Op am offenen Herzen oder eine ähnlich Lebenswichtige Tätigkeit auf den Herrn wartet. Nee, es ist einfach zu schwierig. Solange 10 Tage im Jahr pro Kind noch zu schwierig sind, werden es wohl kaum Monate werden.
    Und ja, ich bin genervt davon. Und ja ich habe auch so einen Mann. Wie ganz, ganz viele Frauen, die ich zu diesem Thema gesprochen habe. Und vier Kinder. Und arbeite (halbtags, logisch). Selber Schuld, ne?

    • johnny

      3 Oktober

      Hallo Britta,
      vielen Dank für Deinen Input! Du hast recht, Statistiken sprechen auf jeden Fall ein eindeutige Sprache. Wie schon die besagte Sonntagszeitung es formulierte: Manche Väter sind im Job unabkömmlich.. die Mehrheit aber ist es nicht. Die Mehrheit der Väter und Chefs denkt dennoch so. Ich persönlich kenne so viele Beispiele, die in die eine oder andere Richtung gehen. Väter, die sich einbringen wollen und es einfach tun. Väter, die einfach unbeirrt weiterarbeiten. Ich persönlich genieße jeden einzelnen der sieben Tage, in denen ich Zeit mit meiner Tochter verbringe. Aber das ist eben auch nur mein persönlicher Weg.
      LG Johnny

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