READING

„Vater sein braucht Zeit“ – Verä...

„Vater sein braucht Zeit“ – Veränderung noch viel mehr!

Vater sein braucht Zeit

Unter diesem Titel treffen sich Männer und unter ihnen auch einige Frauen. Viele von ihnen sind Väter. Und Mütter. Gut also, dass die Fachveranstaltung im Spreespeicher am Montagvormittag statt findet, denn dann sind die lieben Kleinen ja in Schule oder Kita gut untergebracht. Als derjenige, über dessen Rechte die Anwesenden am liebsten plaudieren, als Vater nämlich, muss ich gestehen: Weder als Selbständiger, noch als Vater fühle ich mich hier gut aufgehoben. Ganz im Gegenteil. Manche Äußerung ist der beste Beweis dafür, dass sich nicht nur in den Unternehmen, sondern ganz besonders in väterlichen Köpfen noch viel ändern muss.

Als Vater unter Vätern

Es ist nicht mein erstes Mal. Veranstaltungen von und für Väter haben so manches Mal ganz unfreiwillig wohl den starken Hang zur Männerbündelei. Endlich mal unter sich sein, endlich mal ernstgenommen werden und endlich mal ganz offen reden können. Über Wünsche, über Bedürfnisse und natürlich auch über die Vorurteile, die man ja sonst für sich behalten muss.

Die anwesenden Väter fühlen sich wohl. Also diejenigen zumindest, die ihre Kinder noch sehen dürfen. Ihre beruflichen wie sozialen Privilegien wollen sie insgesamt ebenso wenig aufgeben, wie ihre angebliche Unersetzbarkeit in Job und gar die eigene Karriere. Diese Entbehrungen schiebt man gern der Partnerin zu. Ganz auf Augenhöhe versteht sich – immerhin sind es ja modern denkende Männer.

Wie aber bekommt man mehr Zeit mit dem Kind, ohne dabei seine Privilegien, sein Haus, sein Boot aufs Spiel zu setzen? Richtig, man schaut nicht auf den eigenen Nabel, sondern fordert von anderen ein. Am liebsten natürlich von der großen Bundespolitik. Und so fordert man neben einer paritätischen Elternzeit (7:7 Monate) gern auch die „Muss“-Elternzeit für alle oder auch eine Neuregelung des Sorgerechts zugunsten der Väter. All das natürlich in völliger Abwesenheit dessen, was eine Frau eigentlich für ihr eigenes Leben oder das ihres Kindes möchte. Übrigens: Thomas Alva Edison hat angerufen. Er hätte gern seine Glühlampe zurück. Wir wären wohl noch nicht so weit, sagt er.

Das Problem mit Vätern im Fachgespräch

Ein Fachgespräch zeichnet sich vornehmlich dadurch aus, dass diejenigen, über die man spricht, nicht oder wenn, dann nur in Doppelfunktion anwesend sein können. Hier stellt sich ein enormes Problem auf die Hinterbeine. Väter von Interesse sind vornehmlich solche, die angestellt sind und hoffentlich irgendwo über dem Durchschnitt ihr Geld verdienen.

Studenten? Ja, da gibt es wohl auch Väter. Selbst schuld. Arbeitslose oder Hartz4-Empfänger? Existieren im Diskurs schlichtweg nicht. Und Freiberufler, so wie ich es einer bin? Nein, es sei denn, es sind arbeitgebende Unternehmer. Es wird ein angestellter Mainstream-Vater gedacht, gleichzeitig sich aber immer wieder versichert, dass jeder Vater doch völlig anders sei – solange er in die Norm passt. Darüber hinaus kann er leider nicht repräsentiert werden. Kein neues Problem indes.

Als Freiberufler, um das gleich vorwegzunehmen, war das Fachgespräch nichts weiter als ein laues Lüftchen an der Spree. Gänzlich irrelevant. Ich brauche kein garantiertes Rückkehrrecht in meine tolle Vollzeitstelle. Ich brauche auch keine „Muss“-Elternzeit.

Fazit: Bitte nicht hinhören, Frau Schwesig

Am Ende der Veranstaltung bin ich erleichtert wie entschlossen zugleich. Erleichtert darüber, dass viele Väter eben gerade nicht dem selbstmitleidigem Duktus anderer verfallen, sondern statt dessen mit Partnerin oder Partner Lösungen suchen. Hierfür gibt es manch politisches wie finanzielles Instrument. Natürlich sollte es hier noch mehr geben. Diese Väter sind heute allerdings kaum anwesend.

Einerseits. Andererseits bin ich indes wild entschlossen. Und zwar dahingehend, von den anwesenden Netzwerkern aus Unternehmen, Verbänden und Vereinen nicht vertreten werden zu wollen. Mit denen habe ich nichts gemein, nicht einmal das Vatersein reicht aus, um Verbindendes zwischen uns zu erschaffen.

Wenn am Ende der sogenannten Fachveranstaltung die Frage im Raum steht, was der Ministerin für Familie denn vom abgelaufenen Tag nun mitgegeben werden soll, dann bitte nur dies: Nicht in meinem Namen. Wenn zwischen gebildeten Männern gänzlich unwidersprochen davon fabuliert werden kann, dass es kein „alleinerziehend“ gäbe, sondern allenfalls „gemeinsam getrennt erziehend“, dann sollte die Erkenntnis des Tages nicht Schulterklopfen sein, sondern die Erkenntnis, dass es nicht nur „die da oben, die Unternehmen“ sind, deren Betonkopf Veränderungen verhindern.

Kleine Randbemerkung: Dass die Parlamentarische Staatssekretärin Frau Caren Marks (i.A. Frau Schwesig) in ihrem Abschluss-Monolog kurz erwähnt, dass manche Männer sogar ganz Zuhause blieben, damit die Frauen arbeiten gingen, geschenkt. Dass sie aber im Folgesatz ganz offen und ungeniert fragen kann, was wohl eine Rollenumkehr von Vater und Mutter wohl erst für das Kind bedeuten möge – und ihre Mimik kurz entgleist? Nein, solch subtile Spielerei bemerkt im Saal natürlich niemand. Ich hingegen zucke kurz. Wie so oft an diesem Vormittag. Eine Fachveranstaltung für Väter. Oder anders gesagt: Hier sind wir Männer, hier dürfen wir es sein. Das hat sogar die Frau Marks verstanden. Ohje.

In diesem Sinne.

Wer mehr zu dem Tag erfahren möchte, Patricia von dasnuf und Jochen König von Jochen König haben da ebenfalls kurz aufschnauben müssen.


Meiner Chronistenpflicht nachkommend, schnell noch zum Programm:
Eingangs-Talk mit dem Thema „Vatersein heute“ mit Dr. Elke Ellner (Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager), Andreas Heimer (Prognos AG) und Stefan Reuyß (SoWiTra).

Danach hieß es: Workshops in kleiner Runde!
1) Elternzeit und Familienalltag – wie klappt das? (Stefan Reuyß)
2) Politik für aktive Väter – Erfahrungen und Wünsche (Volker Baisch)
3) Getrennt erziehen – gemeinsam Beruf und Familie vereinbaren (Martin Rosowski)
4) Vater sein im Beruf – wie kann das gehen? (Kirsten Frohnert)

Zum Abschluss gab es eine weitere Gesprächsrunde zum Thema „Zeit für Väter“, bei dem dann neben bereits einiger genannter Akteure auch Andreas Gerts, seines Zeichens aktiver Vater, der sich gerne mal Zeit für das Handballspiel oder den Laternenumzug seiner Kinder nimmt. Qualität statt Quantität und so.

Werde ich noch einmal auf eine solche Veranstaltung gehen? Unbedingt! Und zwar nicht, um leichte Beute zu wittern, sondern weil ich mir wirklich wünsche, Lichtblicke einzufangen. Was soll ich sagen..?


Als bloggender Vater einer dreijährigen Tochter schreibt Johnny über das Familienleben zwischen Kita, Kleinkind und Vereinbarkeit.

  1. […] der Veranstaltungsbericht auf dasnuf.de und hier der auf Johnnys […]

  2. Thomas

    1 Dezember

    Ich glaub auf so einer Veranstaltung würde ich mich nur unwohl fühlen obwohl ich der prototypische Angestellte bin. Danke für deinen Bericht.

    In meinem Bekanntenkreis gibt es recht häufig total Aufopferung für die oder abschieben von den Kindern. Die Kleinen mit in den Alltag nehmen, die eigenen Hobbies mit ihnen Teilen sehe ich leider sehr wenig. Dabei klappt dass bei mir selber noch nicht mal so gut wie ich es mir wünsche. Nur fehlt vielen scheinbar der Wille es überhaupt zu versuchen.

  3. […] ist, wie diese Veranstaltungen vom Bundesfamilienministerium benannt werden. Da heisst es z.B. Vater sein braucht Zeit. Auch setzt man sich neuerdings sehr dafür ein, dass die Unternehmen endlich mal Familienarbeit als […]

  4. […] ist, wie diese Veranstaltungen vom Bundesfamilienministerium benannt werden. Da heisst es z.B. Vater sein braucht Zeit. Auch setzt man sich neuerdings sehr dafür ein, dass die Unternehmen endlich mal Familienarbeit als […]

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

INSTAGRAM
Alltag und ein wenig mehr